Terrormiliz ISÂ reklamiert Anschlag im Iran fĂŒr sich
04.01.2024 - 18:07:00Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den verheerenden Anschlag in der iranischen Stadt Kerman mit mehr als 80 Toten fĂŒr sich reklamiert. Die Gruppe teilte ĂŒber ihre ĂŒblichen Propaganda-KanĂ€le mit, zwei AttentĂ€ter hĂ€tten gestern anlĂ€sslich des Todestags des iranischen Generals Ghassem Soleimani wĂ€hrend der Trauerveranstaltungen ihre SprengstoffgĂŒrtel gezĂŒndet.
Bei den zwei gewaltigen Explosionen nahe der GrabstÀtte Soleimanis in dessen Heimatstadt waren 84 Menschen in den Tod gerissen und 284 verletzt worden. Die Bundesregierung und die EU verurteilten den Anschlag als Akt des Terrors. Es war die tödlichste Attacke in der rund 45-jÀhrigen Geschichte der Islamischen Republik. Experten hatten bereits vermutet, dass der IS hinter dem Angriff stecken könnte.
Iranische Behördenvertreter hatten die Zahl der Todesopfer von zunĂ€chst 105 zweimal nach unten korrigiert. Dschafar Miadfar, Chef des Rettungsdienstes, begrĂŒndete die Verwirrung um die Opferzahlen mit dem verheerenden Zustand einiger Leichen.
Weltsicherheitsrat verurteilt Anschlag im Iran
Der Weltsicherheitsrat hat die verheerende Attacke in der iranischen Stadt Kerman mit mehr als 80 Toten als «feigen Terroranschlag» verurteilt. «Die Mitglieder des Sicherheitsrats bekrĂ€ftigten, dass der Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungsformen eine der schwerwiegendsten Bedrohungen fĂŒr den Weltfrieden und die internationale Sicherheit darstellt», teilte das mĂ€chtigste UN-Gremium in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Die Verantwortlichen mĂŒssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Der IS verachtet Schiiten
Vor mehr als einem Jahr hatte der IS bereits einen Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in der Kulturmetropole Schiras fĂŒr sich reklamiert. Damals, im Oktober 2022, kamen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben. Die Justiz lieĂ daraufhin zwei MĂ€nner mit afghanischer StaatsbĂŒrgerschaft öffentlich hinrichten, die der Iran fĂŒr die Attacke verantwortlich gemacht hatte.
Der IS betrachtet die im Iran vorherrschende schiitische Bevölkerungsmehrheit als AbtrĂŒnnige des Islam und verachtet sie. Die Schia, die kleinere der beiden groĂen Strömungen im Islam, ist Staatsreligion der Islamischen Republik. Ein regionaler Ableger des IS ist im Nachbarland Afghanistan aktiv, wo die Gruppe Nahe Pakistan eine «Provinz» namens IS-Chorasan errichten will.
Staatsagentur berichtet von Selbstmordattacke
Vor der ErklĂ€rung des IS hatte die Staatsagentur Irna unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle berichtet, dass eine der beiden Explosionen durch einen SelbstmordattentĂ€ter verursacht worden sei. Dies habe unter anderem die Auswertung von VideoĂŒberwachung ergeben.
Heute galt in dem Land mit fast 90 Millionen Einwohnern Staatstrauer. Irans diplomatische Vertretungen im Ausland lieĂen die Flaggen auf halbmast hissen, so auch die Botschaft in Berlin.
Die Beisetzung der Todesopfer soll morgen sein, auf einem MĂ€rtyrerfriedhof. Rund zwei Drittel der Opfer seien inzwischen identifiziert, sagte der Gouverneur der Provinz laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
Irans StaatsfĂŒhrung verurteilte die Attacke aufs SchĂ€rfste, hatte zunĂ€chst aber Schuldzuweisungen vermieden. ReligionsfĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei und PrĂ€sident Ebrahim Raisi kĂŒndigten eine entschiedene Reaktion an. Innenminister Ahmad Wahidi veröffentlichte Erkenntnisse der ersten Ermittlungen, nachdem er die Anschlagsorte besucht hatte. Unter anderem seien die Ăberreste der beiden SprengsĂ€tze untersucht worden, die im Abstand von 20 Minuten detoniert waren.
Kerman ist die Heimat Soleimanis, dem frĂŒheren Kommandeur der Auslandseinheiten der iranischen RevolutionswĂ€chter (IRGC). Die USA hatten ihn am 3. Januar 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Von systemtreuen RegierungsanhĂ€ngern wird er als MĂ€rtyrer verehrt. Die Explosionen ereigneten sich, als Menschenmassen durch die StraĂen der Provinzhauptstadt zu Soleimanis GrabstĂ€tte pilgerten.
Der Anschlag ereignete sich inmitten der gefĂ€hrlichen Spannungen im Nahen Osten: Irans Erzfeind Israel fĂŒhrt Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen und ist mit vom Iran unterstĂŒtzten Milizen wie der Hisbollah im Libanon konfrontiert. Einflussreiche Hardliner hatten gestern Israel fĂŒr die Explosionen verantwortlich gemacht.







