Abschluss-Entwurf, Fossile

Abschluss-Entwurf: Kein klares Aus fĂŒr Fossile

13.12.2023 - 04:53:59

Zwei Wochen wurde auf der UN-Klimakonferenz diskutiert, ob die Weltgemeinschaft einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas festschreiben soll. Nun liegt ein neuer Vorschlag fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung vor.

In einem neuen Entwurf fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung der Weltklimakonferenz in Dubai ist der von Dutzenden Staaten geforderte klare Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas nicht enthalten. Der Text der Konferenz-PrĂ€sidentschaft aus den Vereinigten Arabischen wurde am Mittwochmorgen veröffentlicht. In dem 21-Seiten-Papier werden die Staaten lediglich aufgefordert, sich von fossilen Brennstoffen in ihren Energiesystemen abzuwenden. Mehr als hundert Staaten hatten zuvor eine weitergehende Formulierung gefordert, nĂ€mlich einen Ausstieg («Phase out»).

Unklar blieb zunÀchst, ob der Bezug auf Energiesysteme Sektoren wie den Verkehr ausnimmt, wo ebenfalls viele klimaschÀdliche Treibhausgasemissionen anfallen. Enthalten ist zudem das Ziel, die KapazitÀt der erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen und das Tempo bei der Energieeffizienz in diesem Zeitraum zu verdoppeln. Die G20-Staaten haben sich dies bereits vorgenommen.

Am Montagabend hatte die PrÀsidentschaft der sogenannten COP28 einen Textentwurf veröffentlicht, der einen Proteststurm vieler Staaten und Empörung unter den Umweltorganisationen auslöste. Deutschland und die EU bezeichneten ihn als enttÀuschend und inakzeptabel. Daraufhin wurde das UN-Treffen der knapp 200 Staaten verlÀngert. Es sollte eigentlich Dienstagvormittag enden.

Röder: Formulierungen zu vage

Der jĂŒngste Entwurf kommt diesen Kritikern nun ein stĂŒckweit entgegen. Um offiziell beschlossen zu werden, muss er aber von allen Staaten einstimmig im Plenum angenommen werden - dies könnte am diesem Mittwoch passieren.

Die Vize-PrÀsidentin der Umweltorganisation Global Citizen, Friederike Röder, sagte, die neue Textversion sei zwar besser, aber in den Formulierungen zu vage, um das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel bei der ErderwÀrmung zu schaffen. «Dies ist nicht das historische Ergebnis, das angesichts des krisenhaften Notfalls erforderlich wÀre.» Es fehle die erforderliche Dringlichkeit und Klarheit, um eine globale Kurskorrektur auszulösen.

Der politische GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Germanwatch, Christoph Bals, sagte: «Wenn dieser Text so angenommen wird, sendet er ein starkes Signal an die Welt. Erstmals fordert eine Weltklimakonferenz alle Staaten auf, sich von Kohle, Öl und Gas weg zu bewegen.» Damit wĂŒrden Investitionen in neue Öl- und Gas-Projekte riskanter. Allerdings werde ein solcher Beschluss nicht ausreichen, die Welt auf den angestrebten 1,5-Grad-Pfad zu bringen.

Auch Jan Kowalzig, Klimadiplomatie-Experte von Oxfam, nannte es sehr zweifelhaft, ob der Text reiche, um die 1,5-Grad-Grenze einhalten zu können, zumal es bei der finanziellen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ă€rmeren LĂ€nder keine ZugestĂ€ndnisse gab.» Doch sei der Text eine deutliche Verbesserung gegenĂŒber der vorherigen Version - allerdings mit Abstrichen. Denn der Entwurf enthalte nach seiner EinschĂ€tzung «problematische Schlupflöcher», darunter etwa der Verweis auf die Rolle von Erdgas als Übergangslösung. «Das werden einige LĂ€nder und die fossile Industrie als Rechtfertigung fĂŒr den weiteren Ausbau der Gasförderung verstehen werden.» Auch die Betonung der Rolle von Abscheidung und Speicherung von Treibhausgasen, eine teure und in großem Maßstab gar nicht verfĂŒgbare Technologie, diene letztlich fossilen Interessen und lenke vom dringend nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien ab.

NĂ€chtelange Diskussionen

Tom Evans von der Umweltorganisation E3G kommentierte: «Wenn dieser Text spĂ€ter im Plenum angenommen wird, zeigt er die kollektive Erkenntnis, dass wir uns von fossilen Brennstoffen abwenden und uns auf eine sauberere Zukunft konzentrieren mĂŒssen.» Der Entwurf könne helfen, eine Katastrophe in Dubai zu verhindern. «Aber er verhindert keine Katastrophe fĂŒr den Planeten.»

Der Gastgeber, KonferenzprĂ€sident Sultan al-Dschaber und sein Team, hatten sich seit Montagabend bis weit in die NĂ€chte hinein mit den Vertretern der Staaten und LĂ€ndergruppen getroffen. «Damit soll sichergestellt werden, dass alle gehört werden und alle Positionen berĂŒcksichtigt werden», sagte eine Sprecherin.

Der PrĂ€sident der Konferenz COP28 ist gleichzeitig PrĂ€sident des staatlichen Ölkonzerns. Trotzdem hatte er wĂ€hrend der Konferenz mehrfach betont, einen ehrgeizigen Abschluss erreichen und das international vereinbarte Ziel in Reichweite halten zu wollen, das die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad begrenzen soll.

@ dpa.de