Schwere KĂ€mpfe an Grenze zwischen Thailand und Kambodscha
24.07.2025 - 11:55:08Ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha ist gefĂ€hrlich eskaliert: Nach einem heftigen Schusswechsel an der Grenze am Morgen hat das thailĂ€ndische MilitĂ€r eigenen Angaben zufolge Kampfjets gegen kambodschanische Stellungen eingesetzt. In Thailand wurden Todesopfer und Verletzte durch kambodschanisches Artilleriefeuer gemeldet. Die sĂŒdostasiatischen Nachbarn werfen sich gegenseitig vor, die Eskalation ausgelöst zu haben.Â
Worum geht es?
Beide LĂ€nder trennt eine mehr als 800 Kilometer lange Grenze. Die Wurzeln des Konflikts liegen in der Kolonialzeit, als Frankreich den Grenzverlauf festlegte. Die Regierungen beider Nationen interpretieren diese Grenzziehung aber unterschiedlich. Im Zentrum des Streits steht der Tempel Prasat Preah Vihear (vermutlich aus dem 10. bis 12. Jahrhundert), der seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört.Â
Sowohl der dem Hindu-Gott Shiva gewidmete Tempel als auch das umliegende Gebiet werden von beiden LĂ€ndern beansprucht. In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu SchieĂereien zwischen den StreitkrĂ€ften der Kontrahenten, die auch Todesopfer forderten.Â
SchĂŒsse, Raketen und Kampfjets
Die Lage hatte sich am Morgen (Ortszeit) dramatisch zugespitzt. Es kam zunĂ€chst zu Schusswechseln, speziell in der Provinz Surin im Nordosten von Thailand. WĂ€hrend die thailĂ€ndische Armee erklĂ€rte, kambodschanische Soldaten hĂ€tten das Feuer auf eine MilitĂ€rbasis nahe dem bekannten Khmer-Tempel Prasat Ta Muen Thom eröffnet, warf Kambodscha dem Nachbarland vor, zuerst geschossen zu haben.Â
Thailand soll als Reaktion auf die morgendlichen Gefechte seine Luftwaffe gegen kambodschanische MilitĂ€rziele entlang der Grenze eingesetzt haben. Dabei wurden nach Angaben des thailĂ€ndischen örtlichen MilitĂ€rkommandos zwei kambodschanische regionale MilitĂ€rhauptquartiere getroffen. Eine BestĂ€tigung aus Kambodscha gab es zunĂ€chst nicht.Â
Kambodscha habe hingegen Raketen des Typs BM-21 auf Wohngebiete abgefeuert, hieĂ es von Thailands Armee. Sie sprach von «gewalttĂ€tigen und unmenschlichen Taten der kambodschanischen Seite». Mindestens elf Zivilisten kamen der Regierung in Bangkok zufolge auf der thailĂ€ndischen Seite ums Leben.Â
Auf von thailĂ€ndischen Behörden verbreiteten Bildern und Videos war zu sehen, wie von einer Tankstelle dichte schwarze Rauchwolken aufstiegen. Medienberichten zufolge wurden auch ein kleiner Supermarkt und ein Krankenhaus getroffen.Â
Berichten zufolge mussten sich verĂ€ngstigte Menschen in der Region teilweise in Bunkern in Sicherheit bringen. Beobachter befĂŒrchten in den nĂ€chsten Tagen eine weitere VerschĂ€rfung des Konflikts.
Was hat die jĂŒngste Eskalation ausgelöst?
Der Streit hatte sich jĂŒngst wieder zugespitzt, nachdem es Ende Mai zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten beider LĂ€nder gekommen war. Dabei wurde ein kambodschanischer Soldat nahe dem Kontrollpunkt Chong Bok getötet. Ende Juni kĂŒndigte Thailand an, die GrenzĂŒbergĂ€nge in sechs Provinzen zu schlieĂen.Â
Seither hatte sich das SĂ€belrasseln immer weiter intensiviert. Erst am Mittwoch waren mehrere thailĂ€ndische Soldaten durch die Explosion von Landminen in der umstrittenen Region verletzt worden. Einer verlor der Armee zufolge ein Bein. Thailand wirft dem Nachbarland vor, die Minen erst kĂŒrzlich verlegt zu haben.
Daraufhin wurden auch die diplomatischen Beziehungen herabgestuft. Thailand rief noch am Mittwoch seinen Botschafter aus Phnom Penh zurĂŒck und wies gleichzeitig den kambodschanischen Botschafter aus.Â
Thailands Botschaft in Kambodscha empfahl kurz nach Ausbruch der jetzigen Gefechte thailĂ€ndischen Staatsangehörigen, die sich dauerhaft oder vorĂŒbergehend in Kambodscha aufhalten und deren Aufenthalt nicht zwingend erforderlich ist, das Land so schnell wie möglich zu verlassen â «soweit dies sicher möglich ist».
Was sagen die Regierungen beider LĂ€nder?
Die Regierung in Bangkok sprach von einem «schweren VerstoĂ gegen das Völkerrecht» und forderte Kambodscha auf, Verantwortung fĂŒr die VorfĂ€lle zu ĂŒbernehmen und die Angriffe auf zivile und militĂ€rische Ziele umgehend einzustellen. Thailand sei bereit, seine «SelbstverteidigungsmaĂnahmen» zu intensivieren, sollten die Attacken nicht aufhören.
Ganz anders klingt die kambodschanische Version der Geschehnisse: «Kambodscha hat sich stets fĂŒr eine friedliche Lösung von Problemen eingesetzt, doch in diesem Fall haben wir keine andere Wahl, als mit bewaffneten StreitkrĂ€ften auf bewaffnete Aggressionen zu reagieren», schrieb MinisterprĂ€sident Hun Manet auf Facebook. Er forderte den UN-Sicherheitsrat auf, dringend eine Sitzung zu dem «unprovozierten, vorsĂ€tzlichen und gezielten Angriff auf Kambodscha» einzuberufen.
Gibt es in der Region viele Touristen?
Das Kampfgebiet liegt fernab der bekannten Touristenpfade. Thailand-Urlauber verirren sich nur selten in die etwa 400 Kilometer von Bangkok entfernte Provinz Surin, und auch der Nordwesten Kambodschas ist kein klassisches Reiseziel.Â
Zwar bemĂŒht sich die thailĂ€ndische Tourismusbranche seit Jahren, den strukturschwachen Nordosten stĂ€rker zu vermarkten. Die Region, bekannt als «Isan», ist vor allem fĂŒr ihre wĂŒrzige und scharfe KĂŒche berĂŒhmt. Touristen ziehen aber weiterhin den Norden mit berĂŒhmten StĂ€dten wie Chiang Mai und Chiang Rai vor. Das AuswĂ€rtige Amt rĂ€t schon seit Wochen vor Reisen in das Grenzgebiet ab.









