Vorsicht: die âarmenâ Russen kommen (Teil 2)!
+++Die russischen Oligarchen finden Gefallen am Telekom-Sektor+++Auch Gazprom will in Deutschland expandieren+++ RTS-Index schon ĂŒber 50%+++
Aus der letzten Kolumne ĂŒber die geplanten Investments von reichen Russen, die in West-Europa investieren wollen, könnte eine âFortsetzungs-Serieâ werden. Nach dem Einstieg bei EADS durch die russische Vneshtorgbank mit 6% sind nun GroĂ-Investments von reichen Russen im Telekom-Sektor geplant. WĂ€hrend die Deutsche Telekom AG vor allem in Festnetz mit einer schwindenden Kundenzahl zu kĂ€mpfen hat, erweist sich der russische Telekommarkt als immer noch wachstumstrĂ€chtiger Markt mit hohen operativen Gewinnmargen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die russischen Oligarchen neben dem Rohstoffsektor auch verstĂ€rkt im Telekom-Sektor engagierten. Nun zeigen die russischen GroĂ-Kapitalisten aber auch verstĂ€rktes Interesse an internationalen Beteiligungen im T-Sektor. So wird von der russischen Zeitung Vedomosti kolportiert, dass die Holding AFK Sistema im Austausch ihrer T-Aktien-Anteile (u. a Mobile Telesystems und Comstar/MGTS) 10-20% der Aktien der deutschen Telekom erwerben will. Der Ex-Telekom-Chef Ron Sommer, der AFK Sistema berĂ€t, soll bei der Planung des Deals angeblich maĂgeblich beteiligt sein. AFK Sistema gehört mehrheitlich dem Multi-MilliardĂ€r Waldimir Jewtuschenkov, der es wie kein anderer in Russland versteht, sich preiswert in Aktien einzukaufen, die Gesellschaft umzustrukturieren und mit hohem Gewinn zu verkaufen. Die Bundesregierung ist kurzfristig an dem vorgeschlagenen TauschgeschĂ€ft zwar nicht interessiert, könnte mittelfristig aber ihren 14%igen Anteil zur Disposition stellen. Zudem soll angeblich die von dem Oligarchen Mikhal Fridman beherrschte Alfa Group Interesse an einem 20%igen Aktienpaket fĂŒr 22,5 Mrd. US-Dollar von Vodafone haben. Die Alfa Group ist wiederum an Vimpel Com beteiligt, die auch in der Ukraine durch Ăbernahme von dem Mobilfunkanbieter Kievstar expandieren will und in Russland zusammen mit MTS um die MarktfĂŒhrerschaft im margentrĂ€chtigen Mobilfunksektor kĂ€mpft. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland boomen noch die MobilfunkgeschĂ€fte und die Aktien befinden sich nahe ihrer historischen Höchstkurse, so dass die Aktien jetzt einen attraktiv hohen Tauschwert haben, der andere weltweite Optionen ermöglichen soll. Auch das Stahlunternehmen Severstal, das vor kurzem durch eine Kapitalerhöhung 1 Mrd. US-Dollar an der Londoner Börse platzieren konnte, hat groĂe Ambitionen, im Weltstahlmarkt eine fĂŒhrende Rolle zu spielen, nachdem der geplante Merger mit Acelor nicht umgesetzt werden konnte. So soll zunĂ€chst nach Angaben von Kommersant Severstal mit der russischen, nicht börsennotierten Metalloinvest und Gasmetall mergen, was zusammen eine Marktkapitalisierung von 22 bis 25 Mrd. USD ausmachen wĂŒrde. Auch zeigt Severstal angeblich Interesse an einer Beteilung an dem US-Giganten US-Steel. So wird der Gejagte zum JĂ€ger. GegenwĂ€rtig hat Severstal eine Marktkapitalisierung von 10,7 Mrd. USD, wobei die Stadt DĂŒsseldorf schon bekannt gegeben hat, ihren 1%igen Anteil verkaufen zu wollen. Gazprom ist sicherlich aber an einem gröĂeren Anteil interessiert und will auch an den deutschen Stromendkunden heran. Gazprom ist bereits mehrheitlich an der BASF-Tochter Wingas beteiligt. Das Interesse von russischen Unternehmen an deutschen Unternehmen ist nicht neu. So hat die Kosmetikfirma Kalina unlĂ€ngst Dr. Scheller Kosmetik ĂŒbernommen und 25% von Escada gehören dem Russen Rustam Aksenenko, der der Auffassung ist, das viele russische Investoren sich jetzt verstĂ€rkt in Deutschland engagieren wollen. Bisher handelt es bei den oben angegebenen Mega-Deals noch um GerĂŒchte; doch eines ist gewiss: Russische Unternehmer dĂŒrften sich aufgrund er prall gefĂŒllten Kriegskassen in Zukunft verstĂ€rkt bei deutschen und europĂ€ischen Unternehmen einkaufen. Insofern dĂŒrfte der Teil der russischen Einkaufsserie wohl nicht lange auf sich warten lassen. Der russische Aktienmarkt profitierte sowohl von den GerĂŒchten als auch von den guten Fundamentaldaten. Der RTS-Index stieg bereits wieder auf ĂŒber 1700-Indexpunkte; was ein Kursplus von ĂŒber 50% seit Jahresbeginn bedeutet. Dagegen verblasst auch das ansehnliche Kursplus beim DAX in diesem Jahr. Vielleicht werden demnĂ€chst auch DAX-Werte von dem Kaufinteressen der reichen Russen profitieren.
Hinweis: am 24. November und 15. Dezember 2006 wird der Autor beim ganztĂ€gigen, kostenlosen Börsenseminar von Trading-house.net AG einen Kurz-Vortrag ĂŒber die âHandelsmöglichkeiten in Osteuropaâ in Berlin halten. Anmeldung unter www.trading-house.net
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| 18.11.06 00:02 Uhr

