Smartrac: Gewinnwarnung ante portas II?
Was tun bei Smartrac?
Im Juni hatten wir Sie bereits vor der Aktie von Smartrac (NL0000186633) gewarnt. Grund war einerseits eine mögliche Gewinnwarnung, die prompt eingetroffen ist und eine viel zu hohe Bewertung. Seit unserem Verkaufshinweis hat sich das Papier inzwischen mehr als halbiert. Seit dem IPO zu Kursen von 18 Euro ebenfalls nahezu halbiert. Folgt nun eine weitere Gewinnwarnung? Einst hatte CEO Christian Fischer einen Umsatz von 126 Millionen Euro bei einem EBITDA von ĂŒber 33 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Mitte Juli hat der Vorstand nunmehr die Prognose reduziert und bei Einnahmen von 124 Millionen Euro ein EBITDA 27 Millionen Euro versprochen. Diese Prognose basierte darauf, dass das zweite Halbjahr stĂ€rker verlĂ€uft als die erste JahreshĂ€lfte. Um die Ziele zu erfĂŒllen, muss es in der zweiten JahreshĂ€lfte regelrecht krachen. Nach sechs Monaten wurden Einnahmen von knapp 50 Millionen Euro verbucht. Das EBITDA lag bei 11,5 Millionen Euro. Unterm Strich betrug der Ăberschuss knapp 8,2 Millionen Euro oder 62 Cent je Aktie. Noch in der ersten JahreshĂ€lfte 2007 lag das EPS bei 69 Cent. Analysten erwarten im Schnitt fĂŒr das Gesamtjahr einen Gewinn je Aktie von 1,33 Euro. Wir schĂ€tzen, dass Fischer erneut die Ziele kassieren muss und somit die Erwartungen wiederum verfehlt. Zumindest aus eigener Kraft wird Smartrac die Ziele nicht erreichen.
Vor kurzem hat sich der Firmenchef jedoch die Sokymat Automotive GmbH von der schweizerischen Swatch Group unter den Nagel gerissen. Seltsam an dem Deal: Smartrac hat 75 Prozent an der Gesellschaft gekauft und Manfred Rietzler, CTO von Smartrac, hat sich die restlichen 25 Prozent der Anteile gekauft. Wir sind gespannt, ob Rietzler diesen Anteil frĂŒher oder spĂ€ter wieder an Smartrac weiterreicht. Sokymat ist im Markt fĂŒr RFID-Komponenten fĂŒr die Automobilbranche tĂ€tig. Das Unternehmen produziert ausserdem RFID-Inlays und -Discs, die in den Bereichen Industrie, Logistik, WĂ€scherei, Tierkennzeichnung und Wissenschaftsanwendungen eingesetzt werden. Ob der Kauf des Unternehmens angesichts einer strauchelnden Automobilbranche so clever war, wird sich erst noch zeigen.
Neben vielen uninteressanten Details berichtete Smartrac in der Meldung zur Ăbernahme jedoch keinen Satz ĂŒber den Zeitpunkt der Konsolidierung, Umsatz- und Ertragszahlen fĂŒr das Jahr 2007 und Erwartungen fĂŒr 2008 geschweige denn den Kaufpreis. Laut Analysten setzt der Zukauf in diesem Jahr 26 Millionen Euro um und arbeitet mit einer EBIT-Marge von 13,5 Prozent anstĂ€ndig. Das gesamte Unternehmen soll laut Analysten 35 Millionen Euro gekostet haben. Damit dĂŒrfte Fischer vermutlich die ganze Kriegskasse auf den Putz gehauen haben. Gut fĂŒr Smartrac an der Ăbernahme ist allerdings, dass, je nach Zeitpunkt der Konsolidierung, die Umsatz- und EBITDA-Prognose doch noch erreicht werden kann.
Nach dem Kurssturz wird Smartrac an der Börse noch immer mit recht sportlichen 130 Millionen Euro kapitalisiert. Der Buchwert lag per Ende Juni bei rund 90 Millionen Euro. Das entspricht einem Kurs von 6,87 Euro. Ziehen wir jedoch vom Buchwert noch die immateriellen Vermögenswerte ab, reduziert sich dieser nochmals erheblich. Nach dem Crash an den Börsen gibt es zahlreiche spannende Unternehmen. Ob Smartrac dazu zĂ€hlt, wird der Bericht fĂŒr das dritte Quartal zeigen. Sollte die Prognose aus organischem Wachstum erneut reduziert werden, hat Fischer vermutlich endgĂŒltig das Vertrauen verspielt. Wir raten unverĂ€ndert bei der Aktie abzuwarten und im Vorfeld der Berichterstattung nicht zu kaufen.
Viele GrĂŒĂe
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| 05.11.08 15:34 Uhr

