Dr. Reuter Investor Relations, DE0000000014

Rendite mit Unternehmensdaten

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 09:49 Uhr | irw-press, AD HOC NEWS
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Daten sind das Blut fĂŒr den Kreislauf der FinanzmĂ€rkte. Dem operativen GeschĂ€ft von Börsenbetreibern verschaffen die Einnahmen mit Daten und Indizes eine defensive StabilitĂ€t gegenĂŒber dem wachstumsstarken, aber volatilen GeschĂ€ft aus dem Verkauf von Wertpapieren. Die Wiener Börse erschließt sich hier mit der Mehrheit an der auf Firmendaten spezialisierten Firma North Data eine neue Einnahmequelle im Bereich außerbörslicher Daten.

 

FĂŒr die Wiener Börse hat sich das GeschĂ€ft mit dem Wertpapierhandel in den letzten Jahren ausgezahlt. Allein im GeschĂ€ftsjahr 2025 stiegen die AktienumsĂ€tze gegenĂŒber dem Vorjahr um 13,5 Prozent auf ĂŒber 84 Milliarden Euro. Davon entfielen 66,6 Milliarden Euro auf den Börsenplatz Wien und 17,5 Milliarden Euro auf die Prager Börse. Der GeschĂ€ftsbereich Handel & Listing stellte damit 40,2 Prozent des Konzernumsatzes in Höhe von 90,1 Millionen Euro.

 

Das DatengeschÀft: Wachstumschance und StabilitÀtsanker

 

Ein Nachteil des GeschĂ€fts mit Wertpapieren und Derivaten ist der mangelnde Einfluss auf die Umsatzentwicklung und die AbhĂ€ngigkeit von Zyklen. Immer mehr Börsen haben deshalb in den letzten Jahren ĂŒber Investitionen und ZukĂ€ufe Daten als neues KerngeschĂ€ft etabliert. Dieser Wandel ist in strategischer und kommerzieller Hinsicht sinnvoll. Auch bei der wachsenden Zahl von Nachhaltigkeitsprodukten spielen Daten eine zentrale Rolle, um die von einem ESG-Investment ausgehenden Risiken zu erkennen. DarĂŒber hinaus sind Einnahmen aus Abonnements fĂŒr Datenservices deutlich besser kalkulierbar als die schwankenden HandelsumsĂ€tze.

 

FĂŒr die Wiener Börse ist der Ausbau des DatengeschĂ€fts daher ein logischer Schritt, um ihre GeschĂ€ftstĂ€tigkeit weiter zu diversifizieren. Mit dem Vertrieb hochfrequenter Börsendaten aus elf MĂ€rkten und der Berechnung von ĂŒber 130 Benchmarks fĂŒr 13 MĂ€rkte verfĂŒgt sie ĂŒber umfassende Datenkompetenz mit Schwerpunkt Zentral- und Osteuropa. Die Mehrheitsbeteiligung an North Data erweitert dieses GeschĂ€ftsfeld ĂŒber den Kapitalmarkt hinaus: Das Unternehmen bĂŒndelt Informationen zu rund 100 Millionen privaten Unternehmen in 27 europĂ€ischen LĂ€ndern aus mehr als 160 öffentlichen Quellen, darunter Handelsregister und EU-Datenbanken.

 

Expansion per Akquisition

 

Vor diesem Hintergrund ist die Mitte September bekanntgegebene Mehrheitsbeteiligung von 80 Prozent am Datenspezialisten North Data fĂŒr das GeschĂ€ftsfeld Marktdaten und Indizes eine SchlĂŒsseletappe, um den Anteil von zuletzt 22 Prozent am Gesamtumsatz der Wiener Börse zu erhöhen.

 

Von dieser Positionierung als „One-Stop-Shop“ fĂŒr Marktinformationen verspricht sich die Wiener Börse außerdem, potenzielle ErtragsentgĂ€nge besser abzufedern, die aus der zunehmenden Regulierung von Börsendaten auf EU-Ebene resultieren könnten. Mit ihrer im August 2023 eingegangenen Beteiligung an EuroCTP stĂ€rkt die Börsengruppe zugleich ihre Position entlang der Datenwertschöpfungskette. Im vergangenen Sommer erhielt EuroCTP von der EuropĂ€ischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) den Zuschlag fĂŒr den Betrieb des ersten EU-weiten konsolidierten Datentickers fĂŒr Aktien und ETFs. Seit Mitte September ist das Datenband in Betrieb und bĂŒndelt Daten aus 130 Quellen in der gesamten EU in Echtzeit.

 

Im Fokus: Neue Kundengruppen

 

Christoph Boschan, der Vorstandsvorsitzende, begreift das DatengeschĂ€ft als Wachstumsmarkt: „North Data hat sich als fĂŒhrende Suchmaschine fĂŒr europĂ€ische Unternehmensinformationen etabliert. Das Unternehmen macht - mit einem sehr profitablen GeschĂ€ftsmodell - komplexe Unternehmensdaten einfach zugĂ€nglich.“ Die kĂŒnftigen Ziele steckt er klar ab: „Gemeinsam stĂ€rken wir die Transparenz auch ĂŒber börsliche Marktdaten hinaus. Mit dieser Investition stellt sich die Wiener Börse strategisch breiter auf und diversifiziert ihre Einnahmequellen entlang ihrer Kernkompetenzen.“

 

Auf die Daten von North Data greifen unter anderem Compliance-Abteilungen von Unternehmen, KreditprĂŒfer, Behörden, Versicherungen sowie Medien und investigative Journalisten zurĂŒck. Das GeschĂ€ftsmodell von North Data ist dreistufig: Basisdaten sind in der Regel frei, die erweiterte Suche und Dossiers dann kostenpflichtig. Hinzu kommen Schnittstellenzugriffe fĂŒr Unternehmen und Behörden.

 

Daten und Indizes – ein globaler Börsentrend

 

Die Wiener Börse beschreitet damit den Weg, den andere Börsenanbieter ebenfalls eingeschlagen haben. So hat die Deutsche Börse eine ESG-Version des DAX aufgelegt und will zu einem fĂŒhrenden globalen Anbieter von ESG-Daten werden. Eine wichtige Rolle spielte dabei die 81-prozentige Beteiligung am US-AktionĂ€rsberater Institutional Shareholder Services fĂŒr rund 1,5 Milliarden Euro. Der nĂ€chste Schritt war 2023 die Übernahme der dĂ€nischen Finanzsoftwarefirma SimCorp fĂŒr 3,9 Milliarden Euro, das Ganze finanziert aus Barmitteln und Krediten. Gleichzeitig wurde die Daten- und Analytik-Tochter Qontigo mit dem Stimmrechtsberater ISS fusioniert. Mit Hilfe dieser strategischen ZukĂ€ufe hat die Deutsche Börse den Anteil an wiederkehrenden Einnahmen auf zuletzt 62 Prozent gesteigert. Der Anteil des GeschĂ€ftsfelds Indizes und Marktdaten lag dagegen 2025 mit 21,1 Prozent in etwa auf dem Niveau der Wiener Börse.

 

Einen Schritt weiter ist hier der London Stock Exchange als europaweit grĂ¶ĂŸter Handelsplatz: 43,3 Prozent der umgerechnet elf Milliarden Euro Jahresumsatz kamen im GeschĂ€ftsjahr 2025 aus dem GeschĂ€ftsfeld Börseninformationen und Datenanalyse. Eine SchlĂŒsselrolle fĂŒr diese Entwicklung spielte die Übernahme von Refinitiv im Jahr 2021: 27 Milliarden US-Dollar legte die Londoner Börse fĂŒr den Datenanbieter aus den USA auf den Tisch. In dieselbe Richtung hat sich auch die US-Technologiebörse Nasdaq Inc. entwickelt. Der Verkauf von Daten und Marktindizes stand 2025 fĂŒr 25,9 Prozent der 5,25 Milliarden US-Dollar Konzernumsatz. Weitere 22,4 Prozent entfielen auf den Verkauf von Marktsoftware.

 

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Infografik Umsatz/Umsatzanteil der einzelnen vier GeschÀftsbereiche und Konzernumsatz/Vorsteuergewinn 2025

 

North Data als weiterer Katalysator fĂŒr regionale Exzellenz

 

Vom Jahresumsatz spielen die Börse London wie auch die Euronext mit elf beziehungsweise 1,8 Milliarden Euro in einer anderen Liga als die Wiener Börse. DemgegenĂŒber glĂ€nzt die Wiener Börse bei der ProfitabilitĂ€t: Mit einer operativen Vorsteuermarge von zuletzt 59,3 Prozent zĂ€hlt sie zu den profitabelsten Börsenbetreibern ĂŒberhaupt – besser als Euronext (51,8 Prozent) und deutlich vor der London Stock Exchange (21,1 Prozent).

 

Die strategische Ausrichtung hat die Wiener Börse also klar abgesteckt: Internationalisierung und Diversifizierung. Davon zeugt auch das stark wachsende Anleihen-GeschÀft: Wurden 2020 Anleihe-Listings von 191 Emittenten aus 17 LÀndern aufgenommen, waren es 2025 682 neue Emittenten aus 43 Nationen. Insgesamt werden von der Wiener Börse aktuell rund 1.600 Anleihe-Emittenten aus 57 LÀndern betreut.

 

Mit Blick auf den österreichischen Aktienmarkt gibt es ebenfalls WeltmarktfĂŒhrer in ihren Nischen wie der Kranhersteller Palfinger, das Feuerwehrtechnikunternehmen Rosenbauer oder die auf Kommunikationssysteme fĂŒr sicherheitskritische Anwendungen spezialisierte Frequentis. Ähnlich wie das Partnernetzwerk der Wiener Börse sind auch zahlreiche ATX-Unternehmen eng mit Zentral- und Osteuropa verflochten. „Viele Unternehmen, die in Wien gelistet sind, haben eine starke Positionierung in dieser Region, insbesondere die Zugpferde aus dem Leitindex ATX wie Banken und Versicherungen“, erlĂ€utert Vorstandschef Boschan. Aus diesem Grund wird der ATX oft als „Proxy-Investment“ ĂŒber einen entwickelten Markt mit höchsten Standards in die CEE-Region wahrgenommen, wo die Wachstumsraten deutlich höher sind als in der restlichen Eurozone.

 

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Wiener Börse

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