Indien: Der Tiger setzt zum grossen Sprung an
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 07:00 Uhr | dgap, AD HOC NEWS| EQS-Media / 27.10.2026 / 07:00 CET/CEST Indien glĂ€nzt nicht nur durch extreme kulturelle Vielfalt, aromatische GewĂŒrze und jahrtausendealte Tradition. Das BRIC-Land wĂ€chst schneller als jede andere grosse Volkswirtschaft und sollte daher nicht nur aus DiversifikationsgrĂŒnden durch Investoren mehr Beachtung finden. Von Nayan Srivastava, Managing Partner, RootBridge Das nominale Bruttoinlandprodukt Indiens belĂ€uft sich auf rund 4,2 Billionen US-Dollar, mit einer KaufkraftparitĂ€t von etwa 17,2 Billionen. Damit ist Indien bereits die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt. Mit einem aktuellen Wirtschaftswachstum von 6,4 % laut IMF wĂ€chst Indien weiterhin deutlich schneller als die Weltwirtschaft. Das Land am Ganges wird in den kommenden Jahren weitere grosse Volkswirtschaften ĂŒberholen. Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist die Demografie: Indien ist mit rund 1,5 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Das Medianalter liegt bei 28,1 Jahren â deutlich unter jenem Chinas, Deutschlands und Japans. Diese junge Bevölkerung schafft ĂŒber Jahrzehnte hinweg Potenzial fĂŒr steigende Einkommen, wachsenden Konsum und eine grössere Erwerbsbevölkerung. Digitale Infrastruktur im ganzen Land Gleichzeitig befindet sich Indien noch in einer frĂŒhen Phase der Urbanisierung. 2024 lebten rund 35,4 Prozent der Bevölkerung in StĂ€dten, wĂ€hrend der Anteil in China bei etwa 66 Prozent und in den USA bei rund 80 Prozent liegt. Seit 1960 ist die stĂ€dtische Bevölkerung Indiens von 78 Millionen auf ĂŒber 513 Millionen Menschen gewachsen. Die weitere Verlagerung nicht nur in Tier-1, aber auch und Tier-2 und Tier-3 StĂ€dte wird ProduktivitĂ€t, Konsum und wirtschaftliche Vernetzung weiter vorantreiben. Eine besondere Rolle spielt hierbei die digitale Infrastruktur: Das biometrische IdentitĂ€tssystem Aadhaar umfasst rund 1,4 Milliarden Menschen. Zusammen mit dem Unified Payments Interface fĂŒr bargeldlose Echtzeit-Transfers und den Schnittstellen der IndiaStack-Architektur bildet es die Grundlage fĂŒr ein kostengĂŒnstiges und interoperables digitales Finanzsystem sowie digitale GeschĂ€ftsmodelle. 2023 wurden in Indien 129,3 Milliarden Echtzeittransaktionen abgewickelt â nahezu 49 Prozent des weltweiten Volumens. Die Digitalisierung erreicht zudem immer grössere Teile der Bevölkerung. Indien verfĂŒgte 2025 schĂ€tzungsweise ĂŒber mehr als eine Milliarde Internetnutzer. Damit ist das Land nach China die zweitgrösste Internetbevölkerung der Welt. Die vergleichsweise niedrige Internetdurchdringung lĂ€sst weiteres Wachstum erwarten, da jeder zusĂ€tzliche Prozentpunkt mehrere zehn Millionen Menschen umfasst. Digitale Zahlungen sind heute in den meisten Teilen des Landes zum Standard geworden. Sie schaffen zugleich neue Möglichkeiten fĂŒr Kredite, Versicherungen und Anlageprodukte. Bank mit 58-mal mehr Kunden als Schweizer Bevölkerung Auch der Zugang zu Finanzdienstleistungen hat sich stark ausgeweitet. Der Anteil der Erwachsenen mit einem Konto bei einem formellen Finanzinstitut stieg von 35 Prozent im Jahre 2011 auf 89 Prozent bis 2025. Zwar sind rund 16 Prozent der Konten weiterhin inaktiv, doch die Grundlage fĂŒr eine breitere finanzielle Inklusion ist geschaffen. Die State Bank of India allein betreut rund 520 Millionen Kundinnen und Kunden â etwa 58-mal so viele Menschen wie in der Schweiz leben. Indien profitiert auch von der Neuordnung globaler Lieferketten. Im Rahmen der China+1-Strategie wurden ProduktionskapazitĂ€ten nach Indien verlagert. Das Land stellt inzwischen rund 25 % aller iPhones weltweit her. Die Smartphone-Exporte erreichten im letzten GeschĂ€ftsjahr 24,1 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wĂ€chst der heimische Markt: Die Zahl der Mobilfunkabonnements ist seit 2000 von etwa drei Millionen bis 2024 auf fast 1,2 Milliarden gestiegen. 100 neue FlughĂ€fen geplant Im E-Commerce liegt das Potenzial ebenfalls noch weitgehend vor Indien: Der Markt soll von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar 2024 auf 180 bis 200 Milliarden US-Dollar bis 2030 wachsen. Derzeit kaufen nur rund 20 bis 25 Prozent der indischen Internetnutzer online ein. Besonders dynamisch entwickeln sich Tier-2- und Tier-3-StĂ€dte. Sie stehen bereits fĂŒr mehr als 60 Prozent der E-Commerce-Lieferungen. Auch die Einkommen in diesen StĂ€dten wachsen schneller als in den Metropolen. Die physische Infrastruktur wird parallel ausgebaut. Das nationale Autobahnnetz wuchs innerhalb eines Jahrzehnts um 61 Prozent auf 146'560 Kilometer. Im Mai 2026 verfĂŒgte Indien ĂŒber 163 operative FlughĂ€fen. Das Programm UDAN 2.0 sieht zudem 100 neue FlughĂ€fen innerhalb des kommenden Jahrzehnts vor. Verbesserte Strassen, FlughĂ€fen, Bahnverbindungen und HĂ€fen sollen Lieferketten effizienter machen und die wirtschaftliche Entwicklung ausserhalb der grossen StĂ€dte unterstĂŒtzen. Weltweit Platz 3 bei installierter KapazitĂ€t erneuerbarer Energien Auch in lĂ€ndlichen Regionen zeigen sich strukturelle Fortschritte. Im Rahmen der Jal Jeevan Mission wurden seit 2019 mehr als 158 Millionen lĂ€ndliche Haushalte an fliessendes Wasser angeschlossen. Dies kann den Zeitaufwand fĂŒr die Wasserbeschaffung reduzieren, die Gesundheit verbessern und die ProduktivitĂ€t der Haushalte erhöhen. Bei den erneuerbaren Energien liegt Indien weltweit auf Platz drei der installierten KapazitĂ€t. Im GeschĂ€ftsjahr 2025â26 wurden 55,29 GW nicht fossiler KapazitĂ€t hinzugefĂŒgt. Die SolarkapazitĂ€t ist seit 2014 um das 53-Fache gewachsen. Nicht fossile Quellen machten 29,2 Prozent der indischen Stromerzeugung aus. Bei den fossilen Quellen ist Kohl mit rund 96% dominanter HauptenergietrĂ€ger, die Anteile von Erdöl und Erdgas sind minimal. Dieser Mix schafft eine starke UnabhĂ€ngigkeit von geopolitischen Effekten. 2025 weltweit am meisten BörsengĂ€nge Die zunehmende wirtschaftliche Formalisierung zeigt sich auch an den KapitalmĂ€rkten. 2025 flossen 60,7 Milliarden US-Dollar in Private-Equity- und Venture-Capital-Investitionen. Gleichzeitig erreichten Exits 32,9 Milliarden US-Dollar und die Mittelbeschaffung indischer Fonds mit 23,2 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand. An den öffentlichen MĂ€rkten wird Indien mit einem Bewertungsaufschlag von 53 Prozent gegenĂŒber dem Durchschnitt der SchwellenlĂ€nder gehandelt. Eine ausschliesslich börsenkotierte Allokation bildet jedoch nur einen kleinen und konzentrierten Teil der indischen Unternehmenslandschaft ab. Weniger als ein Prozent der Unternehmen sind börsenkotiert. 2025 verzeichnete Indien 367 BörsengĂ€nge und lag damit weltweit an erster Stelle. Die zentrale Chance liegt in der Verbindung dieser Entwicklungen: Indien digitalisiert und formalisiert seine Wirtschaft, urbanisiert sich weiter, baut Infrastruktur aus und verfĂŒgt gleichzeitig ĂŒber eine junge Bevölkerung und wachsende Einkommen. Börsenkotierte Anlagen erfassen nur einen begrenzten Teil dieser Entwicklung, wĂ€hrend traditionelle Private-Equity-Anlagen hĂ€ufig mit langen Bindungsfristen verbunden sind. Daraus ergibt sich die Frage, wie Investoren am besten Zugang zur gesamten Breite der indischen Wirtschaft erhalten können. www.rootbridge.eu Emittent/Herausgeber: b-public AG Schlagwort(e): Finanzen Veröffentlichung einer Mitteilung, ĂŒbermittelt durch EQS Group. FĂŒr den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich. Originalinhalt anzeigen: EQS News |
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