Kion hinkt Marktwachstum hinterher - VorlÀufige Zahlen bestÀtigt
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn einem wachsenden Markt fĂŒr Flurförderzeuge konnte das Stapler-Segment nicht mit der Marktentwicklung Schritt halten, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorlage des Quartalsberichts mitteilte. Dies gilt den Angaben zufolge insbesondere im hochpreisigeren Segment. Im dritten Quartal ging der Auftragseingang um knapp ein Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro zurĂŒck.
Kion bedient mit seinen verschiedenen Marken fĂŒr Gabelstapler und Lagertechnik unterschiedliche Preisklassen: Vor allem die Premium-Produkte von Linde und Still kommen momentan offenbar bei den Kunden nicht gut an. Und auch bei den etwas gĂŒnstigeren Staplern von Baoli ist die Nachfrage gebremst. So verkaufte Kion in den ersten neun Monaten zwar eine höhere Anzahl Maschinen, aber der Wert des Auftragseingangs ist im Jahresverlauf rĂŒcklĂ€ufig.
Das lag Kion zufolge auch an dem starken Wachstum in der asiatisch-pazifischen Region. Dort legten die Bestellzahlen um ein FĂŒnftel zu - aber dort werden tendenziell eher gĂŒnstigere Maschinen gekauft. JPMorgan-Experte Akash Gupta hofft daher in der am Nachmittag anstehenden Telefonkonferenz mit Analysten auch auf Hinweise darauf, wann mit einer Erholung der groĂen Stapler zu rechnen ist.
Anleger waren von den Neuigkeiten wenig beeindruckt: Die im MDax DE0008467416 notierte Aktie lag zuletzt leicht im Minus. Seit Jahresbeginn hat sie allerdings rund die HĂ€lfte an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 100 Euro vor fĂŒnf Jahren belĂ€uft sich das Minus auf rund zwei Drittel. 2021 war die Aktie wegen des weltweiten E-Commerce-Booms in der Corona-Pandemie und der entsprechend hohen Nachfrage nach Lagerautomatisierung stark gefragt.
Die Frankfurter hatten bereits vor rund zwei Wochen vorlĂ€ufige Zahlen fĂŒr das dritte Quartal vorgelegt, die nun bestĂ€tigt wurden. Mitte Oktober hatte Kion zudem seine Jahresprognose gesenkt und das Erreichen des mittelfristigen Ziels einer zweistelligen Marge auf einen spĂ€teren Zeitpunkt verschoben. Im abgelaufenen Jahresviertel verdienten die Frankfurter knapp 102 Millionen Euro und damit rund 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
FĂŒr 2026 erwartet das Management um Rob Smith mittlerweile einen Umsatz zwischen 11,45 und 11,75 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei 815 bis 875 Millionen Euro liegen. Und das ursprĂŒnglich fĂŒr nĂ€chstes Jahr avisierte Ziel einer zweistelligen operativen Marge wird erst nach 2027 zu erreichen sein.
Lucas Ferhani von Jefferies merkte an, dass Analysten momentan selbst fĂŒr 2030 lediglich eine konzernweite Marge von 9,8 Prozent auf dem Zettel haben. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die fĂŒr Kion ziemlich holprig verlaufenen vergangenen Jahre: Im Stapler-Segment konnte die zweistellige Marge zwar zwischenzeitlich erreicht, aber nicht gehalten werden.
Und im GeschĂ€ft mit Automationssystemen fĂŒr Lager litt Kion lange Zeit darunter, in bestehenden VertrĂ€gen keine Preisklauseln fĂŒr Inflationsanpassungen gehabt zu haben. Der GroĂteil dieser verlustbringenden VertrĂ€ge ist zwar mittlerweile abgearbeitet, aber noch nicht alle.
