Palantir Aktie: KGV 155 bremst trotz 85-Prozent-Wachstum
15.05.2026 - 01:46:43 | boerse-global.deStarke Nachfrage, schwacher Aktienkurs: Bei Palantir klaffen GeschÀftsentwicklung und Börsenstimmung weit auseinander. Der KI-Softwareanbieter wÀchst so schnell wie nie seit dem Börsengang. Trotzdem wird die Aktie verkauft, weil der Markt die extreme BewertungsprÀmie nicht mehr einfach durchwinkt.
Am Donnerstag notiert die Aktie bei 113,94 Euro und liegt damit 2,54 Prozent im Plus. Seit Jahresanfang bleibt dennoch ein Minus von 20,38 Prozent stehen.
Der Abstand zum Hoch aus dem November betrÀgt rund 37 Prozent. Auch zum langfristigen Durchschnitt fehlt weiter deutlich Luft, die Aktie liegt 18,52 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Die annualisierte MonatsvolatilitÀt von knapp 54 Prozent zeigt, wie nervös der Handel bleibt.
Operativ lÀuft Palantir stark
Im ersten Quartal 2026 steigerte Palantir den Umsatz um 85 Prozent auf 1,633 Milliarden Dollar. Das ist ein Tempo, das selbst im KI-Sektor auffÀllt.
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Besonders stark lief das US-KommerzgeschÀft mit einem Plus von 133 Prozent. Der Rule-of-40-Wert erreichte 145, der Nettogewinn vervierfachte sich auf 870,5 Millionen Dollar. Operativ liefert das Unternehmen also genau die Dynamik, die Wachstumsinvestoren suchen.
Auch der Auftragsbestand spricht fĂŒr anhaltende Nachfrage. Der verbleibende Vertragswert kletterte auf 11,8 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 98 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum.
Das Management hob die Umsatzprognose fĂŒr 2026 auf 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar an. Damit liegt Palantir ĂŒber den bisherigen Markterwartungen. Die Börse reagierte dennoch kĂŒhl.
Die Bewertung bleibt das Problem
Der Kern der SchwÀche liegt weniger im GeschÀft als im Preis der Aktie. Palantir kam mit extremen Bewertungskennzahlen ins Jahr: einem Kurs-Gewinn-VerhÀltnis von 155, einem Kurs-Umsatz-VerhÀltnis von 62 und einem erwarteten KGV von 97.
Solche Multiples lassen kaum Raum fĂŒr EnttĂ€uschungen. Wenn der breite Markt nahe RekordstĂ€nden handelt, flieĂt Kapital oft in NachzĂŒgler statt in Aktien, die bereits eine lange Rally hinter sich haben. Palantir zĂ€hlt klar zur zweiten Gruppe.
Hinzu kommt Insider-Verkauf. Zuletzt lagen VerkÀufe von Insidern rund neunmal höher als KÀufe; Peter Thiel gab im MÀrz mehr als zwei Millionen Aktien ab. Das muss nicht automatisch ein Misstrauenssignal sein, verstÀrkt aber den Bewertungsdruck.
Auch aktienbasierte VergĂŒtung bleibt ein Thema. Im GeschĂ€ftsjahr 2025 summierte sie sich auf rund 684 Millionen Dollar, wĂ€hrend RĂŒckkĂ€ufe nur etwa 75 Millionen Dollar erreichten. FĂŒr AktionĂ€re bedeutet das: VerwĂ€sserung bleibt ein struktureller Gegenwind.
KI-Konkurrenz rĂŒckt nĂ€her
Ein weiterer Punkt ist der Wettbewerb durch KI-Labore. Anthropic, OpenAI und Àhnliche Anbieter greifen stÀrker in Bereiche vor, in denen Palantir bisher mit seiner FÀhigkeit zur schnellen Implementierung komplexer Unternehmenslösungen punktete.
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Morningstar hĂ€lt den fairen Wert fĂŒr Palantir bei 153 Dollar und hob die durchschnittliche jĂ€hrliche Wachstumsannahme auf 45 Prozent von zuvor 42 Prozent. Langfristig preist die Analyse aber intensiveren Wettbewerb ein.
Die Analystenspanne zeigt, wie gespalten der Markt bleibt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 186,89 Dollar, die Bandbreite reicht von 70 bis 255 Dollar. Selten liegen WachstumserzÀhlung und Bewertungszweifel so weit auseinander.
CEO Alex Karp formulierte die Nachfrageseite selbstbewusst: âUnser gröĂtes Problem in den USA ist derzeit, dass wir die Nachfrage nicht bedienen können.â Genau dieser Satz erklĂ€rt die Faszination der Aktie. Er erklĂ€rt aber nicht den Preis, den der Markt dafĂŒr zahlen will.
Der nĂ€chste konkrete PrĂŒfstein sind die Zahlen fĂŒr das zweite Quartal 2026. Palantir peilt dafĂŒr einen Umsatz von 1,797 bis 1,801 Milliarden Dollar an; bis dahin dĂŒrfte die Aktie vor allem an einer Frage gemessen werden: ob auĂergewöhnliches Wachstum eine auĂergewöhnliche Bewertung weiter tragen kann.
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