Polizei rÀumt Hörsaal nach Protesten an der Uni Kassel
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEinem Sprecher der Polizei Kassel zufolge hielten sich seit dem Abend etwa 40 bis 50 Personen in dem Hörsaal auf und verlieĂen diesen auch in der Nacht nicht.
Die Protestierenden seien aus dem Hörsaal herausgetragen worden und hĂ€tten dabei "teils erheblichen Widerstand" geleistet, sagte der Polizeisprecher. "Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden bei den EinsatzmaĂnahmen sechs Polizeibeamte leicht verletzt", hieĂ es in einer Mitteilung der Polizei.
Strafanzeigen und Ermittlungen
Gegen "drei Personen aus dem Kreis der Besetzer" habe es Strafanzeigen wegen tĂ€tlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gegeben, hieĂ es in der Mitteilung. Bei 44 Menschen sei die IdentitĂ€t festgestellt worden, sie seien danach entlassen worden. "Gegen alle 47 Personen wird zudem wegen Hausfriedensbruchs und VerstoĂes gegen das Hessische Versammlungsfreiheitsgesetz ermittelt." Die UniversitĂ€tsleitung habe vor der RĂ€umung Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt, teilte die Polizei mit.
Hessens Innenminister Roman Poseck sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei richtig und wichtig, das RĂ€umungsersuchen zeitnah umzusetzen. "Mein MitgefĂŒhl gilt den verletzten Beamten. Gewalt gegen EinsatzkrĂ€fte ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte der CDU-Politiker. "Die Ereignisse in Kassel sind fĂŒr mich ein weiteres Beispiel fĂŒr die Radikalisierung am linken Rand. Dem mĂŒssen wir mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegentreten."
Worum geht es bei dem Streit?
Der Senat der UniversitĂ€t Kassel hatte die Klausel am Mittwoch in der neuen PrĂ€ambel der Grundordnung aufgeweicht, die bislang Forschung, Lehre und Entwicklung zur Ausrichtung auf ausschlieĂlich zivile Zwecke und friedliche Ziele verpflichtete.
Ein Sprecher der UniversitÀt hatte am Mittwoch erklÀrt, mit dem neuen Text der PrÀambel werde der "Friedensauftrag an die UniversitÀt prÀzisiert". Die Betonung liege darauf, dass Forschung, Lehre und Transfer an der UniversitÀt friedlichen Zwecken dienen und gehe auch "nochmal genau auf die Schwierigkeit ein zwischen zivilen und militÀrischen Zwecken innerhalb dieser Forschungsinstitution".
Etwa die Initiative "Zivilklausel bleibt" hatte frĂŒher bereits fĂŒr den Erhalt der Klausel in ihrer bisherigen Form gekĂ€mpft. Mit der Abschaffung habe sich der Senat dem Druck der RĂŒstungskonzerne gebeugt und das Vertrauen seiner Studierenden und BeschĂ€ftigten missbraucht, teilte sie nach der Entscheidung mit.
Ein Polizeisprecher sagte am Morgen: "Es stehen nach wie vor, wie auch die ganze Nacht schon, Personen vor dem GebÀude." Eine genaue Zahl könne er nicht sagen. Die Polizei hindere die Personen daran, erneut ins GebÀude zu kommen. "Unsere KrÀfte bleiben weiterhin vor Ort."
