Vogelgrippe, FLI

Vogelgrippe breitet sich aus - FLI erhöht Risikostufen

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 07:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Mit sinkenden Temperaturen und nach dem Einsetzen des Vogelzugs nimmt das Vogelgrippe-Infektionsgeschehen wieder Fahrt auf.

Nachdem es bis September relativ ruhig gewesen sei, nĂ€hmen die FĂ€lle bei Wildvögeln und auch in GeflĂŒgelhaltungen seit Oktober wieder zu, stellte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald fest. "Dies gilt nicht nur fĂŒr Deutschland, sondern fĂŒr ganz Europa."

Mit seiner gerade veröffentlichten RisikoeinschĂ€tzung stufte das fĂŒr Tiergesundheit zustĂ€ndige Bundesforschungsinstitut mehrere Risikobewertungen eine Stufe höher. Demnach wird das Risiko eines Eintrags sowie der Aus- und Weiterverbreitung zwischen Wildvögeln in Deutschland nun als hoch eingeschĂ€tzt. Das gilt auch fĂŒr das Risiko von EintrĂ€gen in deutsche Haltungen durch direkte und indirekte Kontakte zu Wildvögeln (beides zuvor "moderat"). Andere Risiken, etwa des Verschleppens zwischen Haltungen innerhalb der EU und Deutschlands, werden jetzt als moderat eingeschĂ€tzt (zuvor "gering").

JĂŒngste Nachweise in norddeutschen Betrieben

Zuvor hatte es wiederholt Nachweise des Erregers in norddeutschen Betrieben gegeben. Vor wenigen Tagen wurde der Nachweis der Vogelgrippe - auch GeflĂŒgelpest genannt - in einem Putenbestand mit 6.000 Tieren im niedersĂ€chsischen Landkreis Aurich gemeldet. Die Tiere wurden gekeult. Ebenfalls in der zurĂŒckliegenden Woche wurde ein Nachweis in einer Haltung im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein gemeldet. In dem Kreis war bereits Ende Oktober ein Betrieb betroffen.

Am Freitag wurde schließlich der erste Nachweis dieser Saison in einer Haltung in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Im Landkreis Rostock war eine Putenhaltung mit insgesamt rund 6.000 Tieren betroffen.

Ein Nachweis zieht in der Regel die Tötung des ganzen Bestands sowie die Einrichtung von Schutz- beziehungsweise Überwachungszonen nach sich, in denen besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten.

KĂ€lte spielt dem Virus in die Karten

Auch das FLI bestÀtigte, dass momentan vor allem FÀlle in Norddeutschland auftreten. Es werde angenommen, dass die zunehmende Bewegung der Tiere wÀhrend des Vogelzugs sowie ihre Ansammlung etwa an RastplÀtzen eine Rolle spielen. "Gerade der Oktober ist ein sehr aktiver Monat in Bezug auf den Wildvogelzug", erklÀrte die Sprecherin.

"Momentan kommt hinzu, dass die Temperaturen nach einem milden FrĂŒhherbst deutlich sinken", so die Sprecherin. Je kĂ€lter und feuchter es sei, desto lĂ€nger bleibe das Virus in der Umwelt, etwa in Ausscheidungen infizierter Vögel, aktiv. "Sollte es zu KĂ€lteeinbrĂŒchen kommen, ist verstĂ€rkt mit Bewegung bei Wildvogelpopulationen zu rechnen, die in wĂ€rmere Regionen abwandern. Die Mischungen verschiedener Populationen aus unterschiedlichen Regionen begĂŒnstigen die VirusĂŒbertragung."

Prognose schwierig

So dramatisch wie im Herbst des Vorjahres, als unter anderem in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß Kraniche betroffen waren, ist die Situation bislang nicht. "Insbesondere im Vergleich zum sehr starken Vorjahr bleibt die Situation aktuell verhalten", so die Einordnung der Experten. "Allerdings ist gerade jetzt aufgrund der WitterungsverhĂ€ltnisse im Zusammenspiel mit etwaigen Wildvogelbewegungen mit weiteren FĂ€llen zu rechnen."

Eine Prognose, wie stark das Infektionsgeschehen in dieser Saison ausfallen werde, sei nicht möglich. Dies hÀnge von vielen Faktoren ab. Nachweise der Vogelgrippe, besonders bei Wildvögeln, gibt es inzwischen ganzjÀhrig in Deutschland.

Die Vogelgrippe ist eine bei vielen Vogel- und GeflĂŒgelarten hĂ€ufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Weltweit gibt es unterschiedliche AusprĂ€gungen. Bei hoher Infektionsdosis ist das Virus prinzipiell auch auf den Menschen ĂŒbertragbar. In Deutschland ist dem Robert Koch-Institut zufolge aber noch kein Fall bei einem Menschen bekanntgeworden.

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