StÀnderat, Patientenzugang

StÀnderat setzt den Patientenzugang aufs Spiel

13.06.2024 - 14:50:00

Basel - Der heutige Entscheid des StĂ€nderats, sogenannte Kostenfolgemodelle einseitig und ohne weitere AbklĂ€rungen einzufĂŒhren, gefĂ€hrdet den Zugang von Patientinnen und Patienten zu innovativen Medikamenten. Interpharma nimmt dies irritiert zur Kenntnis und unterstreicht, dass Kostenfolgemodelle nur als integraler Teil einer ganzheitlichen Modernisierung der Preisbildung fĂŒr Medikamente gangbar sind. Die Pharmabranche erwartet von BAG und Parlament, dass sie diese Modernisierung gesamthaft und weitsichtig angehen. Der Nationalrat muss nun dringend korrigieren. Es geht nicht zuletzt darum, ob innovative Medikamente auch in Zukunft auf den Schweizer Markt kommen oder nicht.

In der Beratung des zweiten KostendĂ€mpfungspakets des Bundesrates (KP2) hat sich der StĂ€nderat heute dafĂŒr ausgesprochen, eine Gesetzesgrundlage fĂŒr Mengenrabatte fĂŒr Medikamente mit grossem Marktvolumen (sogenannte Kostenfolgemodelle) einzufĂŒhren. Demnach soll das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) die Zulassungsinhaberin zu einer Ausgleichszahlung verpflichten können, wenn ein Medikament einen gewissen Umsatz ĂŒberschreitet. Solche Kostenfolgemodelle waren weder Bestandteil der Vernehmlassung noch der entsprechenden Botschaft des Bundesrats. Das Vorgehen sowie die bereits angewendete Praxis des BAG sind daher staatspolitisch fragwĂŒrdig. Interpharma nimmt den Entscheid irritiert zur Kenntnis. Der Nationalrat wird hier korrigieren mĂŒssen, sollen die Patientinnen und Patienten nicht auf der Strecke bleiben.

Wir erwarten, dass neben der EinfĂŒhrung von Kostenfolgemodellen der gesamte veraltete Preisfestsetzungsmechanismus modernisiert wird, wie dies die involvierten Stakeholder vorgeschlagen haben. Falls diese ParallelitĂ€t nicht eingehalten wird, lehnen wir die alleinige Verabschiedung von Kostenfolgemodellen ab und erwarten von der Verwaltung ein staatspolitisch konformes Vorgehen mit einer ordentlichen Vernehmlassung.

Zugang ab «Tag 0» droht ein Papiertiger zu werden

Interpharma begrĂŒsst grundsĂ€tzlich, dass neben dem National- auch der StĂ€nderat den Patientenzugang ab «Tag 0» der Zulassung als richtig und wichtig betrachtet. Die vom StĂ€nderat verabschiedete Variante enthĂ€lt aber grosse MĂ€ngel, weshalb diese fĂŒr die Patientinnen und Patienten so wichtige Errungenschaft zu einem Papiertiger zu werden droht. Auch hier muss der Nationalrat nachjustieren.

Die Pharmaindustrie ĂŒbernimmt Verantwortung fĂŒr ein nachhaltig finanziertes Gesundheitswesen und trĂ€gt zu umfangreichen Einsparungen bei – sei es durch die regelmĂ€ssigen PreisĂŒberprĂŒfungen mit jĂ€hrlich wiederkehrenden Einsparungen von 1.5 Mrd. Franken, sei es mit weiteren Einsparungen im Rahmen des KostendĂ€mpfungspakets 2, die zusĂ€tzlich mehrere hundert Millionen Franken an Einsparungen bringen. Doch KostendĂ€mpfung darf nicht auf Kosten der Gesundheitsversorgung gehen. Oberstes Ziel der forschenden Pharmaunternehmen ist, dass alle Patientinnen und Patienten rasch und gleichberechtigt Zugang zu benötigten neuen Medikamenten haben. Dazu braucht es moderne, klare und effiziente Prozesse bei der Preisfestsetzung. Der aktuell gĂŒltige, aber veraltete Prozess zur VergĂŒtung von Medikamenten hinkt dem medizinischen Fortschritt seit Jahren hinterher. Die Folge ist, dass Patientinnen und Patienten immer lĂ€nger auf den Zugang zu teils lebensnotwendigen Arzneimitteln warten mĂŒssen: Im Jahr 2023 erreichte die Verzögerung von der Marktzulassung bis zur VergĂŒtung durch die Krankenkasse ein trauriges Allzeithoch von 301 Tagen. Interpharma hat Lösungswege skizziert ( https://www.interpharma.ch/blog/was-es-braucht-um-den-patientenzugang-in-der-schweiz-zu-verbessern/ )und erwartet von BAG, KrankenkassenverbĂ€nden und Parlament, dass diese Diskussionen nun ernsthaft gefĂŒhrt und gesamthaft verabschiedet werden.

Dazu René Buholzer:

«Die forschenden Pharmaunternehmen leisten mit ihren Innovationen und dem Mittragen umfangreicher KostendĂ€mpfungsmassnahmen einen grossen Beitrag fĂŒr das Schweizer Gesundheitswesen. Soll unser Gesundheitssystem zukunftsfĂ€hig bleiben, braucht es jetzt eine Gesamtmodernisierung anstelle von politischen SchnellschĂŒssen. Ansonsten bleibt der Patientenzugang auf der Strecke.»

(Ende)

Aussender: Interpharma Ansprechpartner: Georg DĂ€rendinger Tel.: +41 61 264 34 00 E-Mail: [email protected] Website: www.interpharma.ch

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