Evonik, BASF

Evonik lehnt BASF-Angebot über elf Milliarden Euro weiter ab

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Evoniks Interimschef Claus Rettig hält trotz des milliardenschweren BASF-Angebots an der Eigenständigkeit des Spezialchemiekonzerns fest. Er verweist auf eigene Wachstumspläne und mögliche Beteiligungen an der Branchen-Konsolidierung.

Evoniks Börsenkurs und Übernahmestrategie

  • Claus Rettig führt Evonik interimistisch für den erkrankten Christian Kullmann.
  • BASF bot 24 Euro je Aktie und bewertete Evonik damit mit mehr als elf Milliarden Euro.
  • Evonik ging 2013 mit einem Platzierungspreis von 32,20 Euro je Aktie an die Börse.
  • Rettig sieht derzeit kein Gegenangebot und weist Gerüchte über mögliche weitere Käufer zurück.
Evonik Industries (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Evonik hält an Eigenständigkeit gegenüber BASF fest

Evoniks Interims-Vorstandsvorsitzender Claus Rettig verteidigt die Ablehnung des Übernahmeangebots von BASF. Der Chemiekonzern BASF hatte 24 Euro je Evonik-Aktie geboten und den Spezialchemiekonzern damit mit mehr als elf Milliarden Euro bewertet.

Rettig setzt auf eigenen Wachstumskurs

Rettig verwies darauf, dass Größe allein kein entscheidender Vorteil sei und Evonik die von BASF angebotene Perspektive mit eigenen Planungen übertreffen könne. Der Konzern habe eine klare Vorstellung davon, wie er seinen Wert steigern wolle.

Bei der weiteren Konsolidierung der Chemieindustrie wolle Evonik selbst aktiv bleiben, sagte der Interimschef. Dafür gebe es Ideen und Vorbereitung, sofern eine Übernahme zusätzlichen Wert schaffe und Wachstum ermögliche.

Keine proaktive Suche nach Übernahmen

Wachstumschancen sieht Rettig in Deutschland, Europa und den USA. Evonik verfüge über ausreichende finanzielle Möglichkeiten, verfolge Übernahmen bislang aber nicht proaktiv.

Gerüchte um Ashland bleiben unbeantwortet

Zu Spekulationen über ein mögliches Interesse an dem US-Konkurrenten Ashland wollte sich Rettig nicht äußern. Marktbeobachter hatten ein solches Interesse teilweise als mögliche Abwehrmaßnahme gegen BASF interpretiert.

Rettig wies die Vorstellung zurück, Evonik könne eine sogenannte Giftpille einsetzen. Solche Maßnahmen würden am Ende dem eigenen Unternehmen schaden, sagte er.

Rettig weist weitere Übernahmespekulationen zurück

Auch Sorgen vor einem Einstieg arabischer Investoren, falls BASF sein Interesse verlieren sollte, bezeichnete der Interimschef als unbegründet. Ein Gegenangebot gebe es nicht.

Mit Blick auf den Börsenkurs erklärte Rettig, ein Angebot in Richtung des Ausgabepreises von 32,20 Euro je Aktie würde die Lage komplizierter machen. Von diesem Kurs sei Evonik aus eigener Kraft derzeit noch ein gutes Stück entfernt.

Das Angebot von BASF fällt in eine Phase, in der die europäische Chemieindustrie unter hohen Energie- und Standortkosten, schwacher Nachfrage in wichtigen Abnehmerbranchen und einem intensiven globalen Wettbewerb steht. Zusammenschlüsse können in solchen Situationen Skalenvorteile schaffen, zugleich aber Geschäftsbereiche, Arbeitsplätze und Investitionsentscheidungen stärker bündeln.

Für Evonik steht deshalb nicht allein die Höhe des Angebots im Mittelpunkt. Der Konzern verweist auf eine eigenständige Strategie, eigene Wachstumspläne und die Möglichkeit, selbst an der weiteren Konsolidierung der Branche teilzunehmen. Die Aussagen des Interimschefs markieren damit eine klare Verteidigung des bisherigen Kurses: Ein Zusammenschluss soll nur dann erfolgen, wenn er nach Einschätzung des Managements zusätzlichen Wert und Wachstum erzeugt.

Bewertung und nächste Schritte

Das BASF-Angebot von 24 Euro je Aktie bewertet Evonik mit mehr als elf Milliarden Euro. Der von Evonik genannte Börsenplatzierungspreis von 32,20 Euro aus dem Jahr 2013 liegt darüber; Rettig räumt zugleich ein, dass der Konzern noch ein gutes Stück davon entfernt sei, diesen Kurs aus eigener Kraft zu erreichen.

Damit bleibt die Situation für Aktionäre und Beschäftigte von der weiteren Strategie und der Entwicklung des Aktienkurses abhängig. Ein Gegenangebot liegt nach den Angaben Rettigs nicht vor. Sollte BASF sein Interesse nicht weiterverfolgen, könnte der Druck auf Evonik dennoch bestehen bleiben, den angekündigten eigenständigen Wachstumspfad und mögliche eigene Übernahmen konkret zu unterlegen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

stern: „Chemieindustrie: Evonik-Interimschef bekräftigt Ablehnung von BASF-Angebot“ (05.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Ablehnung des BASF-Angebots durch Evonik und stellt die Aussagen des Interimschefs in den Mittelpunkt. Der Schwerpunkt liegt damit ähnlich wie bei der Meldung auf der Haltung des Managements; die weitere Entwicklung des Übernahmevorstoßes bleibt offen.

Frankfurter Rundschau: „BASF will Evonik. Was will der Mittelstand?“ (05.11.2026)

Der Artikel greift den Übernahmevorstoß und die Position des Evonik-Interimschefs auf. Anders als die reine Meldung richtet er den Blick stärker auf die strategische Frage, wie sich ein eigenständiger deutscher Chemiekonzern in der Konsolidierung behaupten kann.

Beide Beiträge bestätigen den Konflikt zwischen BASFs Übernahmeinteresse und Evoniks Festhalten an der Eigenständigkeit. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Managementaussagen gegenüber der größeren Branchen- und Strategieperspektive.

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