Netanjahu verteidigt Kriege bei UN
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSInternationale VorwĂŒrfe gegen sein Land wies er zurĂŒck und griff zugleich seine Kritiker an. "Israel des Völkermords zu bezichtigen, ist die gröĂte LĂŒge des Jahrhunderts", sagte er in New York.
Wenige Stunden zuvor hatte PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas Israel in seiner per Video vor den UN gezeigten Rede einen "Völkermordkrieg" im Gazastreifen vorgeworfen. Kritik gab es auch rund um das UN-Hauptquartier im Osten Manhattans: Dutzende Menschen protestierten dort gegen Netanjahus Teilnahme an der UN-Generaldebatte. Als er im UN-GebĂ€ude an das Podium trat, standen zahlreiche Delegationen im Zuhörerraum auf und verlieĂen den Saal.
Netanjahu steht wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen international weitgehend isoliert da. Auch viele westliche Partner gingen auf Distanz zu Netanjahu und seiner Regierung. Der israelische MinisterprÀsident wollte sich nur einige Stunden und damit ungewöhnlich kurz in den USA aufhalten. Am Rande der UN-Vollversammlung hielt er nur wenige Treffen mit hochrangigen Politikern anderer LÀnder ab.
Netanjahu: "Israel hat einen Völkermord verhindert"
"Israel hat keinen Völkermord begangen. Israel hat einen Völkermord verhindert", betonte Netanjahu in seiner Rede. Das sei nÀmlich genau das, was die islamistische Terrororganisation Hamas getan hÀtte, hÀtte Israel sie nicht gestoppt.
Die islamistische Hamas und Terroristen anderer extremistischer Organisationen hatten wÀhrend des Massakers am 7. Oktober 2023 mehr als 250 Menschen aus Israel in den Gazastreifen verschleppt. Der beispiellose Angriff mit rund 1.200 Toten in Israel löste den Gaza-Krieg aus.
Seitdem wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 73.900 PalÀstinenser getötet. In der Statistik wird nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten KÀmpfern unterschieden. Weltweit gibt es heftige Kritik am harten Vorgehen des israelischen MilitÀrs.
Auch Israels Beziehungen zu den UN sind seit dem Gaza-Krieg auf einem Tiefpunkt. UN-Vertreter und von den UN eingesetzte Untersuchungskommissionen werfen Israel schwere VerstöĂe gegen das Völkerrecht vor. Ein UN-Bericht kam zu dem Schluss, das Land begehe im Gazastreifen und im Westjordanland Völkermord und Kriegsverbrechen. Israel weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck und beschuldigt die Weltorganisation seit Jahren der Voreingenommenheit.
Auf Konfrontationskurs mit New Yorker BĂŒrgermeister
In New York holte Netanjahu auch gegen Zohran Mamdani aus, den er als "antisemitischen BĂŒrgermeister von New York" bezeichnete. Mamdani gehört zu den schĂ€rfsten Kritikern Netanjahus in den USA. Er bezeichnet den israelischen Regierungschef als Kriegsverbrecher und wirft Israel einen Völkermord an den PalĂ€stinensern im Gazastreifen vor. Netanjahu war wegen Abstimmungsschwierigkeiten und der Sorge, Mamdani könne versuchen, ein lĂ€ngeres Abstellen der israelischen Regierungsmaschine am Flughafen JFK zu verhindern, nicht in New York, sondern in New Jersey gelandet, schrieb die israelische Zeitung "ynet".
Fast zeitgleich zur Rede Netanjahus teilte Mamdani auf der Plattform X mit, er habe in der vorigen Nacht einen Olivenbaum mit einer palĂ€stinensischen Familie aus Gaza an seinem Amtssitz gepflanzt. SpĂ€ter lieĂ er mitteilen, Netanjahu habe "seine Rede dazu genutzt, unbegrĂŒndete LĂŒgen zu wiederholen, mit denen er seinen Völkermord an den PalĂ€stinensern reinwaschen will."
Hunderte propalÀstinensische Protestierende zogen durch Manhattan und demonstrierten anlÀsslich der Teilnahme Netanjahus an der UN-Generaldebatte gegen sein Vorgehen im Gaza-Krieg. Unweit dessen hatte sich auch eine kleine Gruppe proisraelischer Demonstrierender versammelte. Bei Demonstrationen vor den UN seien auch mehrere Menschen in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher der Polizei NYPD. Darunter waren Medienberichten zufolge auch die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder.
Netanjahu rechtfertigt auch Israels Vorgehen im Iran
Neben dem israelischen Vorgehen im Gazastreifen verteidigte Netanjahu auch die Angriffe auf iranische Atomanlagen. "Die Zerstörung der iranischen Atomanlagen war schwierig, es war ein sehr schwieriges Unterfangen, doch fĂŒr mich war es eine der leichtesten Entscheidungen, die ich als MinisterprĂ€sident je treffen musste - denn hĂ€tten wir es nicht getan, wĂ€ren wir alle tot", sagte er.
"Ich habe mir geschworen, Irans mörderische Diktatur daran zu hindern, Atombomben zu entwickeln - Atomwaffen, die auf die Vernichtung Israels abzielen, Atomwaffen, die die ganze Welt bedrohen könnten", sagte er weiter. "Genau das haben wir getan."
Das tatsÀchliche Ausmaà der dauerhaften SchwÀchung des iranischen Atomprogramms bewerten die Internationale Atomenergie-Behörde, Geheimdienste und Experten unterschiedlich. Im nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste stand, es habe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung zum Bau einer Atombombe im Iran gegeben.
Israelische Medien hatten vor Netanjahus Rede berichtet, diese werde sich auch an das heimische Publikum richten. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewĂ€hlt. Laut Umfragen könnte es fĂŒr Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
