Trump-Gesandter Witkoff reist nach Russland
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWitkoff werde heute fĂŒr GesprĂ€che mit der russischen FĂŒhrung nach St. Petersburg fliegen, sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr StĂžre am gestrigen Abend. Dabei wolle der Vertraute von US-PrĂ€sident Donald Trump den Russen jene VorschlĂ€ge prĂ€sentieren, "die europĂ€ische und amerikanische Kollegen erarbeitet haben".
Die US-Regierung hoffe darauf, dass der ausgearbeitete Friedensvorschlag "den Weg zu direkten trilateralen und dann auch breiter angelegten multilateralen Verhandlungen ebnet", sagte ein US-Beamter dem Nachrichtenportal "Axios". Die Ukraine habe in Oslo neue Ideen und VorschlĂ€ge prĂ€sentiert, die im Detail besprochen worden seien. Es habe "bedeutsame Fortschritte" und "starke Ăbereinstimmungen auf Arbeitsebene" gegeben.
StĂžre Ă€uĂerte die Hoffnung, dass Witkoffs Termin in St. Petersburg "ein Treffen auf höchster politischer Ebene" vorbereiten könnte - also eine Zusammenkunft zwischen Spitzenvertretern der Ukraine, Russlands und der USA, wie sie der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj schon mehrmals vorgeschlagen hat. Bislang war Russlands Regierung stets dagegen oder empfahl als Treffpunkt Moskau, was fĂŒr die Ukraine inakzeptabel ist.
StammgÀste in Moskau, selten zu Besuch in Kiew
Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-PrÀsident Trump, sind schon mehrfach nach Russland gereist. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew waren sie dagegen zum ersten Mal Anfang September - also gut viereinhalb Jahre nach Kriegsbeginn und mehr als anderthalb Jahre nach Beginn von Trumps zweiter Amtszeit. Wie zu hören ist, soll Kushner zu den GesprÀchen in St. Petersburg diesmal nur aus der Ferne zugeschaltet werden.
Bei seinen diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Kriegs setzt US-PrĂ€sident Trump vor allem die Ukraine unter Druck. WĂ€hrend er Kremlchef Wladimir Putin nur selten kritisiert und zuletzt sogar Sanktionen gegen Russland lockerte, ging er den ukrainischen Staatschef Selenskyj öffentlich hart an, empfahl ihm einen Amtsverzicht und lieĂ verlauten, mit Putin könne man viel besser verhandeln. Kritiker werfen Trump vor, den Kremlchef trotz seines Angriffskriegs zu hofieren und die beim Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren auf westliche Hilfe angewiesenen Ukrainer im Stich zu lassen.
Seit seinem Amtsantritt hat Trump die EuropĂ€er als traditionelle VerbĂŒndete der USA bei seinen FriedensbemĂŒhungen weitgehend auĂen vor gelassen. Dabei sei es Europa, das mit den Konsequenzen des Kriegs in der Ukraine leben mĂŒsse, sagte Norwegens Regierungschef StĂžre bei dem Treffen in Oslo. Also mĂŒssten die europĂ€ischen Staaten auch eine zentralere Rolle in den Verhandlungen spielen als bisher.
"Wir verlieren Menschenleben und Zeit"
Die norwegische Hauptstadt ist ein neuer Schauplatz der bislang erfolglosen FriedensbemĂŒhungen - und auch das am Dienstag gewĂ€hlte Format war neu. Neben Selenskyj und der US-Delegation waren nach Angaben norwegischer Medien Vertreter mehrerer europĂ€ischer LĂ€nder dabei, von denen einige - etwa aus Deutschland sowie seitens der EU und der Nato - per Video zugeschaltet wurden.
Bei den GesprĂ€chen wurden unter anderem Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europĂ€ische Sicherheit nach einem Kriegsende diskutiert, wie StĂžre sagte. Ziel war laut der norwegischen Regierung, "die diplomatischen BemĂŒhungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken".
"Wir sind bereit fĂŒr Verhandlungen", betonte Selenskyj nach dem Treffen. "Wir verlieren den Krieg nicht, aber wir verlieren Menschenleben. Und weil Russland angreift, verlieren wir Menschenleben und Zeit."
Ukraine vermisst US-Hilfe, Trump Gegenleistungen
Trumps Vorstellung, er könne den Ukraine-Krieg rasch - gar binnen 24 Stunden, wie er sich mehrfach brĂŒstete - beenden, hat sich nach seinem Amtsantritt nicht bewahrheitet. Unter ihm sehen sich die USA nicht mehr als VerbĂŒndeten Kiews, sondern eher als Vermittler, der vor allem eigene Interessen im Blick hat. Trump hebt auch immer wieder den angeblichen Friedenswillen Putins hervor, wĂ€hrend er den Widerstand der Ukraine gegen einen ĂŒbermĂ€chtigen Gegner abtut und ihr erhebliche Mitschuld an dem jahrelangen Krieg gibt. AuĂerdem wirft er der Ukraine fehlende Gegenleistungen fĂŒr die Hilfe der USA vor, womit er sein transaktionales VerstĂ€ndnis von AuĂen- und Friedenspolitik zeigt.
In den vergangenen Tagen traf Trump Ă€uĂerst umstrittene Vereinbarungen mit Moskau, bei denen es unter anderem um Sanktionsstopps und russische Diesel-Exporte geht, von denen er sich Aufwind vor den wichtigen US-Parlamentswahlen in zwei Wochen erhofft. Zugleich stocken wichtige militĂ€rische Hilfsleistungen fĂŒr die Ukraine. In Kiew wurden zuletzt fehlende Warnungen der USA vor dem Start ballistischer Raketen und Probleme beim US-Satelliteninternet Starlink beklagt, die den ukrainischen StreitkrĂ€ften die Abwehr russischer Angriffe erschwere.
Wer lieĂ Starlink drosseln?
In Sachen Starlink gibt es unterschiedliche Darstellungen dazu, wer fĂŒr die Drosselung des Internetdienstes verantwortlich ist. Das WeiĂe Haus und Elon Musk, Besitzer der Betreiberfirma SpaceX, wiesen VorwĂŒrfe einer gezielten FunktionseinschrĂ€nkung zurĂŒck. Musk verwies zudem darauf, dass der PrĂ€sident und das MilitĂ€r der USA ĂŒber die Begrenzung des militĂ€rischen Starlink-Ablegers Starshield zu entscheiden hĂ€tten.
US-Medien berichten nun unter Berufung auf angebliche Insider, dass Musk selbst die Drosselung angeordnet habe. Vor der Entscheidung fĂŒhrte er dem Sender CBS News zufolge GesprĂ€che mit Regierungsvertretern, um abzuklĂ€ren, wo Trump in dieser Sache steht. Laut dem "Wall Street Journal" telefonierten Musk und Trump nach der Drosselung dann auch direkt miteinander.
Seit rund einer Woche wird aus der Ukraine ĂŒber Probleme beim Einsatz des Satelliteninternets berichtet. Die ukrainische Armee kommuniziert in groĂen Teilen ĂŒber Starlink und steuert darĂŒber Drohnen, die russische Kampfdrohnen abfangen oder MilitĂ€rziele in den besetzten Gebieten angreifen. Derzeit hĂ€lt die ukrainische Armee den Vormarsch der Russen in Schach, doch ein Verlust der Kommunikation kann die Lage an der Front rasch verĂ€ndern - und Europa ist mangels gleichwertiger Ersatztechnik nicht in der Lage einzuspringen.
