WDH/ ROUNDUP 2/ Iran-Krieg und Grönland-Abkommen: Trumps Agenda in New York
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 14:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neues ergÀnzt: aktuelle Aussagen aus dem Iran)
NEW YORK (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump inszeniert sich auf internationaler BĂŒhne gern als Friedensstifter - doch bei seiner Rede zum Auftakt der UN-Generaldebatte heute in New York wird dieses Bild besonders vom Iran-Krieg ĂŒberschattet. Wie wird sich Trump in der wichtigsten UN-Woche des Jahres zu dem Krieg Ă€uĂern, den er vor fast sieben Monaten gemeinsam mit Israel begann? Und wird ein Treffen des PrĂ€sidenten mit den Golfstaaten am Rande der UN-Veranstaltung Bewegung in den festgefahrenen Konflikt bringen? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die sich zu Beginn der Generaldebatte stellen.
Neben dem Iran-Krieg dĂŒrfte in New York auch ein Fokus auf dem russischen Krieg gegen die Ukraine liegen - sowie auf der erwarteten Unterzeichnung eines Abkommens im Grönland-Streit, zu dem bislang wenig bekannt ist.
Iran-Krieg lÀsst Trump nicht los
Trump wollte den Iran-Krieg eigentlich auf wenige Wochen begrenzen. Mehr als ein halbes Jahr spÀter lÀsst sich sagen: Eine dauerhafte Beilegung ist noch immer nicht in Sicht. Zwar ist Irans PrÀsident Massud Peseschkian auch zur UN-Generalversammlung nach New York angereist, zu einem möglichen GesprÀch mit Trump wurde zunÀchst aber nichts bekannt.
Der gröĂte Streitpunkt zwischen Washington und Teheran ist aktuell die Kontrolle um die umkĂ€mpfte StraĂe von Hormus. Der Iran brachte den Schiffsverkehr in der fĂŒr den internationalen Ălhandel wichtigen Meerenge schon kurz nach Kriegsbeginn mit Drohungen und Angriffen faktisch zum Erliegen. Weltweit stiegen daraufhin die Ăl- und Treibstoffpreise - eine Kriegsfolge, die viele der in New York anwesenden Staats- und Regierungschefs betrifft.
Der Iran reagierte seit Kriegsbeginn Ende Februar zudem immer wieder mit Gegenangriffen in der Region. Von Trumps heutigem Treffen mit Vertretern der Golfstaaten, die von den Folgen des Krieges besonders betroffen sind, erwarteten Experten im Vorfeld keinen Durchbruch.
Die iranische StaatsfĂŒhrung stellte unterdessen einen neuen diplomatischen Anlauf in Aussicht. "Diplomatie bedeutet keine Kapitulation, sondern die Umwandlung der StĂ€rke auf dem Feld in politische Errungenschaften", sagte ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf laut iranischen Medienberichten. Er signalisierte allerdings keine Bereitschaft zu schnellen ZugestĂ€ndnissen. An Trump gerichtet sagte Ghalibaf: "Er muss wissen, dass er dem iranischen Volk und den StreitkrĂ€ften seine Macht nicht aufzwingen kann." Beobachter spekulierten auch ĂŒber mögliche Treffen der iranischen Delegation mit Vermittlern oder US-Regierungsvertretern.
UN-BĂŒhne als Plattform fĂŒr Einigung im Grönland-Streit
Direkt nach seiner Rede will Trump die BĂŒhne in New York nutzen, um eine Einigung in einem Streit zu prĂ€sentieren, den er selbst ĂŒberhaupt erst auslöste. Der US-PrĂ€sident hatte in der Vergangenheit mehrfach mit der Annexion Grönlands gedroht - und damit nicht nur den Nato-Partner DĂ€nemark brĂŒskiert, sondern auch Zweifel an der Geschlossenheit der weltgröĂten MilitĂ€rallianz und gegenseitigen BĂŒndnistreue geweckt.
Nach langem Streit um die strategisch bedeutsame Arktisinsel verkĂŒndeten die USA, DĂ€nemark und Grönland vor wenigen Tagen einen Durchbruch. An diesem Dienstag soll nun eine Einigung unterzeichnet werden. Trump zufolge sichern sich die USA mit der Vereinbarung weitreichende Befugnisse und Kontrolle ĂŒber die weltgröĂte Insel. Die dĂ€nische und grönlĂ€ndische Seite bestĂ€tigten die Darstellungen Trumps zu diversen Vorteilen fĂŒr die USA in dieser Form bisher nicht - und sprachen von einem Deal, der "auch gut fĂŒr die Nato und Europa ist".
Trump soll Selenskyj, Burnham und RodrĂguez treffen
Am Rande der Generaldebatte ist an diesem Dienstag auch ein Treffen zwischen Trump und dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj verabredet. Dabei soll es unter anderem um eine mögliche Teilwaffenruhe im Krieg mit Russland gehen, die fĂŒr Angriffe auf Energieanlagen und zur See gelten wĂŒrde. Trump hatte im Wahlkampf vor seiner zweiten Amtszeit behauptet, als PrĂ€sident könne er den russischen Angriffskrieg innerhalb von 24 Stunden beenden. Bislang fĂŒhrten die VermittlungsbemĂŒhungen der USA allerdings nicht zu wirklichen Fortschritten.
In New York ist auch geplant, dass sich Trump erstmals zu zweit mit dem britischen Premierminister Andy Burnham sowie Venezuelas geschĂ€ftsfĂŒhrender PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez trifft. Das US-MilitĂ€r nahm Venezuelas autoritĂ€ren Staatschef NicolĂĄs Maduro im Januar bei einem MilitĂ€reinsatz in Caracas fest. Seither arbeitet Trumps Regierung verstĂ€rkt mit RodrĂguez zusammen - auch beim Zugang zu Venezuelas riesigen Ălvorkommen, die die USA zu ihren Gunsten nutzen wollen.
Was am ersten Tag der UN-Debatte noch wichtig ist
Bei der Generaldebatte sollen neben Trump am ersten Tag unter anderem auch die PrĂ€sidenten der TĂŒrkei, Brasiliens und Frankreichs sprechen.
Deutschland wird von AuĂenminister Johann Wadephul (CDU), Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (beide SPD) vertreten. Vor dem Hintergrund der Spekulationen ĂŒber einen möglichen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung sagte Kanzler Friedrich Merz seine Reise nach New York vergangene Woche kurzfristig ab.
