Rettung von 13.200 ArbeitsplÀtzen in der Bauwirtschaft: 4-Punkte-Förder-Programm macht's möglich
18.01.2024 - 10:30:00Wohnbau im freien Fall
Die Baubewilligungen fĂŒr den Wohnbau gehen seit 2020 massiv zurĂŒck: Wurden 2020 noch insgesamt 63.600 Wohneinheiten in neuen GebĂ€uden bewilligt, belĂ€uft sich diese Zahl in 2023 auf lediglich 33.900 Einheiten. Davon ist naturgemÀà auch das Ein- und Zweifamilienhaus betroffen: Mit vermutlich 11.200 bewilligten HĂ€usern in 2023 hat sich die Anzahl im Vergleich zu 2020 (19.400) um 42 Prozent reduziert. FĂŒr das Jahr 2024 ist noch mit keiner Trendwende zu rechnen.
Die GrĂŒnde sind hinlĂ€nglich bekannt: Massive Erhöhung der ZinssĂ€tze seit Ende 2022 mit gestiegenen Finanzierungskosten, restriktive Vergabe von Immobilienkrediten durch KIM-Verordnung (erforderlicher Eigenmittelanteil von 20 Prozent der Investitionssumme, Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent des Haushaltseinkommens) und parallel dazu die (zu den Baukosten unverhĂ€ltnismĂ€Ăig) gestiegenen Baupreise um rund ein Drittel. Bei den GrundstĂŒckspreisen ist der Preisauftrieb bereits seit 2015 markant. Die skizzierten Faktoren in Kombination bewirken, dass sowohl fĂŒr gewerbliche als auch private Bauherren die Kosten nicht mehr zu stemmen sind.
Erich Benischek, EigentĂŒmer und GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Ausstellungszentrums Blaue Lagune und Auftraggeber der Studie, fordert die Politik zum Handeln auf: "Dieses 4-Punkte-Programm ist nahezu kostenneutral, schafft jedoch dringend gebrauchten Wohnraum, AuftrĂ€ge fĂŒr die Baubranche und den Erhalt von tausenden ArbeitsplĂ€tzen."
Wie groĂ ist der volkswirtschaftliche Schaden in Zukunft?
Im Rahmen der von BRANCHENRADAR Marktanalyse im Dezember 2023 durchgefĂŒhrten Studie wurden der volkswirtschaftliche Schaden sowie die Auswirkungen auf die BeschĂ€ftigungslage fĂŒr den gesamten Wohnbau untersucht, das Thema Sanierung zur etwaigen Abfederung beleuchtet und in einem dritten Schritt ein 4-Punkte-Förder-Programm fĂŒr den Bereich Ein- und Zweifamilienhaus entwickelt, das zu einer Win-win-Situation fĂŒr alle Beteiligten fĂŒhrt. Hier die Ergebnisse:
Massiver Einbruch der Bauproduktion
Der Bauproduktionswert im Wohnungsneubau ist bereits 2023 auf 15 Mrd. EUR (-1,1 Mrd. im Vergleich zu 2022) gesunken. Dieser Negativ-Trend wird sich noch verstĂ€rken: So gehen in den Folgejahren (2024 â 2026) kumuliert weitere 10,3 Mrd. EUR an Neubau-Volumen verloren, davon 4,8 Mrd. EUR im Bereich Ein- und Zweifamilienhaus.
Arbeitslosigkeit wird rasant steigen
Diese Entwicklung hat dramatische Auswirkungen auf die BeschĂ€ftigung: Waren in den Jahren 2020 bis 2022 im Wohnungsneubau im Jahresdurchschnitt knapp 90.000 Mitarbeitende (VollzeitĂ€quivalent) beschĂ€ftigt, wird sich diese Zahl bis 2026 auf rund 55.000 BeschĂ€ftigte reduzieren. Erschwerend kommt hinzu, dass steigende Material- und Personalkosten die Unternehmen zu OptimierungsmaĂnahmen nötigen, zumal der Markt keine weitere Teuerung mehr akzeptiert. DarĂŒber hinaus ist zu bedenken, dass eine mögliche Abwanderung der BeschĂ€ftigten in andere Branchen (vgl. Situation Gastgewerbe und Hotellerie in der Pandemie) auch langfristig negative Auswirkungen auf die Bauwirtschaft haben könnte.
Erhöhte Sanierungsrate kann Entwicklung nicht abfangen
Rund 5,51 Mrd. EUR flieĂen 2023 im Hochbau in die Erneuerung der GebĂ€udehĂŒlle sowie andere thermisch-energetische BestandsmaĂnahmen. Selbst bei deutlich steigender Nachfrage ist nicht davon auszugehen, dass der Bauproduktionswert in der Sanierung um mehr als 700 Mio. EUR jĂ€hrlich steigen wird â die subjektive Verunsicherung in der Bevölkerung (Weltlage), fehlende Dringlichkeit und steigende Preise sprechen eher dagegen. Den Verlust von 10,3 Mrd. EUR Bauvolumen in den Jahren 2024 bis 2026 kann ein zusĂ€tzliches Sanierungsvolumen von max. 3,6 Mrd. EUR nur bedingt abfangen.
Ein- und Zweifamilienhaus â quo vadis?
Im Bereich des Eigenheim-Neubaus gehen, wenn von der Politik keine MaĂnahmen ergriffen werden, in den Jahren 2024 bis 2026 (bezogen auf das Referenzjahr 2023) 4,8 Mrd. EUR an Bauproduktion verloren. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind fatal: Waren im Durchschnitt von 2021 bis 2023 rund 65.000 Arbeitnehmer dem Ein- und Zweifamilienhaussektor (Bauunternehmen sowie vorgelagerte Wertschöpfungssegmente wie Baustoffhandel und Baustoffindustrie) zurechenbar, wird sich diese Zahl bis ins Jahr 2026 auf 42.000 BeschĂ€ftigte â also ein Verlust von 23.000 BeschĂ€ftigen â reduzieren. Dies fĂŒhrt zu einem massiven Einbruch von Steuern und Abgaben sowie einem substanziellen Mehraufwand fĂŒr die ArbeitslosenunterstĂŒtzung â ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 3,2 Mrd. EUR droht!
4-Punkte-Förder-Programm bringt Win-win-Situation
FĂŒr das Segment Ein- und Zweifamilienhaus konnte BRANCHENRADAR Marktanalyse ein 4-Punkte-Förderprogramm bis 2026 entwickeln, das kurzfristig die Wohnbauproduktion ankurbelt und somit auch weitere Arbeitslosigkeit verhindert. Die 4 Punkte sind: Partielle Lockerung der KIM-Verordnung (einkommensabhĂ€ngig), GewĂ€hrung einer InvestitionsprĂ€mie von 20 Prozent der Baukosten (gedeckelt und zeitlich gestaffelt), Bonus fĂŒr Gemeinden fĂŒr Bau-Bewilligungen im Bereich Ein- und Zweifamilienhaus sowie eine verbindliche Absenkung der Baupreise in Relation zu den Baukosten.
Auswirkungen dieser MaĂnahmen*
Bis 2026 wĂ€re mit zusĂ€tzlich 15.000 bewilligten Wohneinheiten zu rechnen, wovon 13.000 innerhalb des Programmzeitraums in Bau gesetzt werden könnten. Die Folge: Erhöhung des Bauproduktionswertes um insgesamt 4,8 Mrd. EUR und Erhalt von 13.200 ArbeitsplĂ€tzen (Jahresmittelwert) im Bausektor (Bauwirtschaft, Baustoffhandel, Zulieferindustrie). Die Netto-Programmkosten dafĂŒr belaufen sich auf rd. 143 Mio. EUR â hierbei wurde noch nicht der Kaufkraftverlust von Personen in Arbeitslosigkeit und dessen Auswirkungen auf den Konsum berĂŒcksichtigt. Es ist also davon auszugehen, dass die berechneten Netto-Programmkosten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Tragen kommen und das 4-Punkte-Programm somit ausschlieĂlich nutzenspendend wĂ€re.
*AbschÀtzung durch eigens entwickeltes Simulationsmodell mit Verarbeitung von langjÀhrigen Daten zu EffektivitÀt von staatlichen Förderungen (EU und innerstaatliche Institutionen) sowie Panelbefragungen in den Zielgruppen.
Die Studie steht auch hier (siehe Datei-Download) zur VerfĂŒgung: http://www.blauelagune.at/k/vier-punkte-foerder-programm-bauwirtschaft
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