Wer Datenschutz nur als Pflicht sieht, ist kĂŒnftig im Nachteil
23.09.2025 - 07:40:00 | pressetext.deDSGVO als Basis: neue EU-Gesetze im Anmarsch
Seit 2018 gilt die DSGVO als Goldstandard. Doch jetzt kommt die nĂ€chste Welle an Regulierungen: AI Act, NIS-2, Cyber Resilience Act, Data Act. "All diese Regeln bauen auf einem funktionierenden Datenschutzsystem auf", erklĂ€rt Raabe-Stuppnig. Unternehmen, die das nicht haben, geraten ins Hintertreffen - juristisch wie wirtschaftlich. Diese neuen Gesetzgebungen verschĂ€rfen die Anforderungen an Unternehmen - ĂŒber alle Branchen hinweg. Die zentrale Herausforderung: Rechtliche Vorgaben, technische Sicherheit und InnovationsfĂ€higkeit in Einklang zu bringen.
DatenĂŒbertragung in die USA: Vertrauen ist keine Strategie
Trotz Angemessenheitsbeschluss bleibt der Datentransfer in die USA fragil. "Das Framework basiert auf einem politischen Dekret - das kann morgen wieder Geschichte sein", warnt Raabe-Stuppnig. Eine Klage gegen das Abkommen ist bereits anhĂ€ngig. Die US-Aufsichtsbehörde PCLOB - zustĂ€ndig fĂŒr die Kontrolle staatlicher ĂberwachungsmaĂnahmen - ist derzeit nicht richtig arbeitsfĂ€hig: Mehrere FĂŒhrungspositionen sind unbesetzt, nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump drei der fĂŒnf Leitungspersonen entlassen hatte. Die Folge: Wichtige Datenschutzmechanismen, auf die sich das Data Privacy Framework stĂŒtzt, sind de facto blockiert.
VerschlĂŒsselung: Anspruch und RealitĂ€t klaffen auseinander
Besonders heikel: Auch bei Serverstandorten in der EU kann ein Zugriff durch US-Behörden nicht ausgeschlossen werden - etwa ĂŒber Muttergesellschaften. Zwar fordern europĂ€ische Behörden externe Key-Management-Lösungen, die die Kontrolle ĂŒber VerschlĂŒsselung garantieren. "Diese Art der VerschlĂŒsselung funktioniert meist nur bei Backup-Daten", erklĂ€rt Raabe-Stuppnig. "FĂŒr operative Systeme fehlt oft die nötige Technik."
EuropÀische Alternativen: Der Data Act als HoffnungstrÀger
Wie dringend solche Alternativen gebraucht werden, zeigt ein aktuelles Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs: Microsoft verweigerte die Herausgabe von E-Mails in einem internationalen Verfahren - gestĂŒtzt auf US-Gesetzgebung. FĂŒr viele gilt das als Warnsignal: Ohne digitale EigenstĂ€ndigkeit drohen nicht nur Compliance-Risiken, sondern auch EinschrĂ€nkungen bei demokratischer Rechtsprechung und staatlicher HandlungsfĂ€higkeit.
Trotz dieser Unsicherheiten blickt Raabe-Stuppnig optimistisch nach vorn. Sie sieht im EU Data Act einen zentralen Hebel fĂŒr mehr digitale SouverĂ€nitĂ€t. Multicloud-Strategien sollen gefördert, Anbieterwechsel erleichtert und Wechselkosten gesenkt werden. "Wir brauchen europĂ€ische Alternativen â und wir brauchen sie jetzt", sagt sie. "Mit gezielter Förderung können wir echte Konkurrenz zu den US-Hyperscalern schaffen."
Die gute Nachricht: Einige EU-Staaten handeln bereits. DĂ€nemark etwa verabschiedet sich derzeit schrittweise von US-Cloud-Lösungen â zugunsten von sicheren EU-Open-Source-Lösungen.
Fazit: Datenschutz als strategisches Element VerschlĂŒsselung
Die Debatte zeigt: Datenschutz ist lÀngst nicht mehr nur eine Compliance-Frage, sondern ein strategisches Element der digitalen WettbewerbsfÀhigkeit. Unternehmen, die ihre Datenprozesse strukturiert und vorausschauend absichern, stÀrken nicht nur ihren Rechtsrahmen, sondern auch ihre Marktposition.
Podcast-Tipp: Die vollstÀndige Diskussion mit Mag. Katharina Raabe-Stuppnig ist im Podcast von sproof abrufbar: https://open.spotify.com/show/4KuGms2KGAXBTbiPo1taUx
Ăber Mag. Katharina Raabe-Stuppnig Katharina Raabe-Stuppnig ist RechtsanwĂ€ltin mit ĂŒber 15 Jahren Erfahrung in Datenschutz-, Medien- und IT-Recht. Sie ist MitgrĂŒnderin eines Datenschutz-Advisory Boards, engagiert sich in Grundsatzverfahren vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof â unter anderem an der Seite von Max Schrems â und berĂ€t Unternehmen strategisch bei der Umsetzung europĂ€ischer Digitalgesetze. Ihre Kanzlei in Wien zĂ€hlt zu den gefragten Anlaufstellen fĂŒr praxisorientierten Datenschutz auf höchstem juristischen Niveau.
Ăber sproof GmbH sproof ist Anbieter von digitalen Signatur- und IdentitĂ€tslösungen mit Sitz in Salzburg und Wien. Mit einem klaren Fokus auf rechtskonforme Digitalisierung entwickelt sproof Technologien, die Effizienz, Sicherheit und Datenschutz vereinen.
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