World Financial Planning Day 2026 in Köln
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:20 Uhr | pressetext, AD HOC NEWSFrankfurt am Main/Köln (pts018/08.10.2026/11:20) - Prof. Dr. Rolf Tilmes stellte als Keynote-Speaker auf dem World Financial Planning Day in Köln erstmals den Datenreport 2026 vor – Die aktuelle Umfrage des FPSB Deutschland zeigt: Immer mehr Finanzplaner arbeiten mit Künstlicher Intelligenz – Anteil KI-gestützter Prozesse soll sich binnen 24 Monaten vervielfachen – Die Technik wird immer smarter, die Beratung zugleich wichtiger
Soll ich jetzt in ETFs investieren? Wie sichere ich mein Vermögen für die Kinder ab? Und lohnt sich das geplante Altersvorsorgedepot für mich? Solche und ähnliche Fragen stellen immer mehr Menschen nicht zuerst ihrem Berater, sondern einem KI-Chatbot. Doch auch die Finanzberater selbst arbeiten zunehmend mit Künstlicher Intelligenz. Das zeigt der aktuelle Datenreport 2026 "Künstliche Intelligenz im Financial Planning & Estate Planning" des FPSB Deutschland, für den 1.046 zertifizierte Finanzplanerinnen und Finanzplaner befragt wurden.
Erstmals vorgestellt hat Prof. Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland, die Ergebnisse in seiner Keynote auf dem World Financial Planning Day am 7. Oktober in Köln. Zum weltweiten Aktionstag der internationalen Dachorganisation der Financial Planner hatten der FPSB Deutschland und FONDS professionell zu einem eigenen Premium-Event in die "Flora", Palais im Park, geladen.
Laut dem Report geben 85,6 Prozent der CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professionals an, dass sie KI in ihrem Berufsalltag nutzen. "KI ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie verändert bereits heute, wie wir beraten, analysieren und Vermögen über Generationen hinweg strukturieren", sagte Prof. Tilmes in seiner viel beachteten Keynote.
Welche Aufgaben KI in der Finanzplanung übernimmt
Allerdings schöpfen viele Finanzplaner laut dem Report die enormen technologischen Möglichkeiten bislang noch nicht voll aus. Das dürfte sich rasch ändern: Den Umfrageergebnissen zufolge wird sich der Anteil KI-gestützter Prozesse in der professionellen Finanzplanung innerhalb der nächsten 24 Monate voraussichtlich versechsfachen. Potenzial sehen die Befragten vor allem bei administrativen Aufgaben, der Datenanalyse und der Vorbereitung komplexer Finanzstrategien.
"Dass KI die Branche nachhaltig verändern wird, belegt auch eine Untersuchung des CFP Board aus den USA", so Tilmes. "Demnach wird langfristig nur derjenige erfolgreich sein, der jenseits der Daten die dahinterliegenden Themen erkennt und sie intensiv mit den Kunden bespricht, um ihnen Guidance und Orientierung zu geben." Das zeigen auch weitere Ergebnisse des FPSB-Datenreports. So glauben immerhin zwei Drittel der Berater, dass Empathie in der Beratung durch KI-Einsatz nicht abnehmen, sondern zunehmen wird.
Internationale Leitlinien für den verantwortungsvollen KI-Einsatz
Einen ethischen und praktischen Kompass für die Branche bietet die "Practice Guidance Note – Use of Artificial Intelligence in Financial Planning", die das internationale Financial Planning Standards Board im Juni 2026 veröffentlicht hat. Die Leitlinien zeigen CFP®-Professionals weltweit, wie sie KI verantwortungsvoll in ihre Beratung integrieren können – zum Nutzen der Kunden. Denn KI kann Effizienz, Erkenntnisgewinn und Servicequalität steigern. Sie birgt aber auch Risiken wie mangelnden Datenschutz, fehlende Transparenz, algorithmische Verzerrungen oder fehlerhafte Ergebnisse, sogenannte "Halluzinationen".
Die Guidance Note formuliert deshalb acht Prinzipien für den KI-Einsatz, von Kundenzentrierung, Integrität und Objektivität über Fairness und Professionalität bis hin zu Kompetenz, Vertraulichkeit und Sorgfalt. Dazu gehört unter anderem, die Nutzung von KI gegenüber Kunden offenzulegen, KI-Ergebnisse stets kritisch zu prüfen und keine Kundendaten in öffentliche KI-Tools einzugeben. "KI ist ein unterstützendes Werkzeug und kein Ersatz für menschliche Expertise und Urteilsvermögen. Die Verantwortung für die Beratung bleibt stets beim Finanzplaner", verdeutlichte Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch Academic Director Finance, Wealth Management & Sustainability an der EBS Executive School, ist.
Chatbot statt Berater? Wo KI an ihre Grenzen stößt
Zugleich warnte Tilmes Privatanleger davor, KI als alleinige Entscheidungsinstanz zu nutzen. "KI fragt nicht strukturiert nach. Sie verarbeitet, was im Prompt steht", erklärt Tilmes. Risikobereitschaft, Zeithorizont, und finanzielle Verpflichtungen muss der Anleger selbst aktiv angeben. Doch selbst dann ist die Einschätzung nur eine Momentaufnahme ohne Prüfung. "Historische Muster kann KI erkennen, künftige und persönliche Risiken dagegen nur eingeschränkt beurteilen", erläuterte der FPSB-Vorstand.
Hinzu kommt: Wie eine Anlageempfehlung ausfällt, hängt sehr stark davon ab, wie die Frage gestellt wird, und zwar systematisch, nicht zufällig. Zudem sind falsche oder erfundene Angaben bei KI ein strukturelles Problem. Ohne Live-Suche sind die Informationen veraltet, und auch mit Live-Suche gibt es keine Garantie dafür, dass sie korrekt sind.
Kritisch sieht Tilmes auch die Frage der Unabhängigkeit. Bei allgemeinen Chatbots ist die Interessenlage strukturell ungeschützt: Werbung oder kommerzielle Kooperationen können die Empfehlungen beeinflussen, und ein Transparenzhinweis hilft nachweislich nicht. "Bei einem frei zugänglichen Chatbot gibt es keine Aufsicht und keinen Entschädigungsfonds", warnte er.
Warum KI die Finanzplanung besser machen kann
Gerade weil KI zwar schnelle, aber auch unzuverlässige Antworten liefert, sollte professionelle Unterstützung in der Finanzplanung an Bedeutung gewinnen. "Ein Chatbot kann informieren und beim Lernen helfen, eine individuelle Finanz- und Nachfolgeplanung ersetzt er aber nicht", sagte Prof. Tilmes. Qualifizierte Finanzplaner fragen strukturiert nach und erfassen die gesamte Lebens- und Vermögenssituation. Sie prüfen Ergebnisse kritisch und übernehmen die Verantwortung für ihre Empfehlungen. CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professionals sind dabei den ethischen Prinzipien des FPSB verpflichtet, die ausdrücklich auch den Einsatz von KI regeln.
KI macht die Beratung also nicht überflüssig, sondern besser. Sie übernimmt die administrative Routine, wie Datenanalyse, Dokumentation, Dokumentenverarbeitung und die Vorbereitung komplexer Kundenentscheidungen. "Sie räumt die Werkbank auf, damit mehr Zeit für Beratung bleibt. Die freiwerdenden Stunden gehören dem Kunden", sagte Prof. Tilmes. Der Mehrwert liegt künftig vor allem in der strategischen Sparringspartnerschaft und in komplexen Strukturierungen wie der Nachfolgeplanung, Family-Office-Dienstleistungen oder Stiftungsvermögen.
"Wer seine Finanzen und die Weitergabe seines Vermögens langfristig planen will, braucht mehr als eine schnelle Antwort aus dem Chat. Er braucht eine Beratung, die Orientierung gibt und Verantwortung übernimmt", betonte Tilmes. Nur so lassen sich die individuellen Ziele optimal erreichen. Denn Finanzplanung ist Lebensplanung!
Über den FPSB Deutschland e.V. Das Financial Planning Standards Board Ltd. - FPSB ist ein globales Netzwerk mit derzeit 29 Mitgliedsländern und über 236.000 CFP®-Professionals. Dessen Ziel ist es, den weltweiten Berufsstandard für Financial Planning zu verbreiten und das öffentliche Vertrauen in Financial Planner zu fördern. Das Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland) mit Sitz in Frankfurt/ Main gehört seit 1997 als Vollmitglied dieser Organisation an. Zentrale Aufgabe des FPSB Deutschland ist die Zertifizierung von Finanz- und Nachfolgeplanern nach international einheitlich definierten Regeln. Wichtige Gütesiegel sind der CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professional, der CERTIFIED FOUNDATION AND ESTATE PLANNER, der EFPA European Financial Advisor® EFA und der CGA® CERTIFIED GENERATIONS ADVISOR. Der FPSB Deutschland hat ferner den Anspruch, Standards zur Methodik der ganzheitlichen Finanzberatung zu setzen. Dafür arbeitet der FPSB Deutschland eng mit Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, Wissenschaft und Forschung, Verbraucherschützern sowie Presse und interessierter Öffentlichkeit zusammen.
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