Abivax Aktie: Centerview reaktiviert für Übernahme-Gespräche
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 17:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das französische Biotech-Unternehmen Abivax steht Berichten zufolge erneut im Zentrum von Übernahmeüberlegungen durch große Pharmakonzerne. Wie La Lettre berichtet, hat das Unternehmen die Investmentbank Centerview reaktiviert, um Gespräche über einen möglichen Verkauf oder strategische Partnerschaften zu führen. Diese Entwicklung folgt auf eine Phase, in der Verhandlungen mit Branchengrößen wie AstraZeneca und Eli Lilly im vergangenen Monat vorerst ausgesetzt worden waren.
Strategische Neuausrichtung nach Kapitalerhöhung
Die Wiederaufnahme der Gespräche mit potenziellen Käufern erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlich gestärkten finanziellen Position. Medienberichten zufolge hatte Abivax die Verhandlungen mit AstraZeneca und Eli Lilly pausiert, nachdem durch eine Kapitalerhöhung rund 800 Millionen Euro eingenommen wurden. Diese neuen Mittel stärken die Verhandlungsposition des Unternehmens gegenüber den sogenannten „Big Pharma“-Akteuren erheblich.
Parallel zur strategischen Beratung durch Centerview zeigen auch institutionelle Investoren verstärktes Interesse. Dorsey Wright & Associates erhöhte seine Beteiligung an Abivax im ersten Quartal um 41,1 % auf 23.452 Aktien. Auch andere Häuser wie GHP Investment Advisors, die Bank of America und Caitong International bauten ihre Positionen zuletzt aus. Das institutionelle Eigentum an dem Unternehmen wird derzeit mit knapp 47,91 % angegeben. Der Kapitalmarkt honorierte die langfristige Entwicklung des Titels bereits deutlich: Mit einem Schlusskurs von 120,90 € verzeichnet das Papier eine Entwicklung von 1.289,66 % innerhalb der letzten zwölf Monate.
Klinische Daten von Obefazimod im Fokus
Der Haupttreiber für das Übernahmeinteresse ist der Hoffnungsträger Obefazimod (ABX464), der zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa entwickelt wird. Die Daten der Phase-3-Studien ABTECT 1 und 2 untermauern das Potenzial des Wirkstoffs. In einer 44-wöchigen Untersuchung erreichten 50,8 % der Patienten in der 25-mg-Gruppe und 51,3 % in der 50-mg-Gruppe eine klinische Remission. Im Vergleich dazu lag die Remissionsrate in der Placebo-Gruppe lediglich bei 10,4 %.
Trotz dieser starken Wirksamkeitsdaten wurde die Stimmung zuletzt durch Berichte über seltene bösartige Tumorerkrankungen während der Studien getrübt. Obwohl diese Ereignisse als nicht mit der Behandlung zusammenhängend eingestuft wurden, löste die Nachricht zeitweise Kursrücksetzer von über 27 % im nachbörslichen Handel aus. Dennoch bleibt das langfristige Vertrauen der Analysten hoch: Das durchschnittliche Kursziel wird derzeit mit 148,54 US-Dollar angegeben, wobei die Mehrheit der Experten die Aktie mit „Moderate Buy“ bewertet. Der aktuelle Abstand zum 52-Wochen-Tief, das bei 8,59 € liegt, beträgt 1.307,45 %.
Finanzielle Stabilität bis Ende 2027
Abivax verfügt über eine solide Liquiditätsreserve, um die laufenden Forschungsaktivitäten voranzutreiben. Zum 30. September 2025 wurde die Cash-Position mit 589,7 Millionen Euro angegeben. Zusammen mit den Nettoerlösen aus der ADS-Emission im Juli 2025 in Höhe von rund 700,3 Millionen US-Dollar (ca. 597,2 Millionen Euro) ist die Finanzierung des Unternehmens bis in das vierte Quartal 2027 gesichert.
Das operative Geschäft zeigt sich ebenfalls resilient. Im ersten Quartal meldete das Unternehmen einen Verlust pro Aktie von 0,71 US-Dollar, was die Markterwartungen von minus 0,94 US-Dollar übertraf. Der Umsatz lag mit 1,56 Millionen US-Dollar deutlich über den Schätzungen von 0,40 Millionen US-Dollar. Zum 6. Juli 2026 belief sich die Gesamtzahl der ausgegebenen Aktien auf 87.177.069, nachdem Ende Juni eine Tranche von 7,36 Millionen neuen Aktien emittiert wurde. Mit einer Marktkapitalisierung von 10,44 Milliarden Euro bleibt Abivax ein gewichtiger Akteur im europäischen Biotech-Sektor, dessen weitere Eigenständigkeit nun maßgeblich von den Ergebnissen der Gespräche mit Centerview abhängen dürfte.
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