Ărzte warnen vor Verwerfungen durch Spargesetz
Veröffentlicht am: 28.04.2026 um 12:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerĂŒcksichtigt werden mĂŒsse, "dass eine verlĂ€ssliche und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung fĂŒr den gesellschaftlichen Zusammenhalt ebenso von Bedeutung ist, ihren eigenen Wert hat und auch nicht durch solche MaĂnahmen gefĂ€hrdet werden darf", sagte KammerprĂ€sident Klaus Reinhardt in Berlin.
Zugleich verwies er auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und rĂ€umte ein: "Das muss man schon tatsĂ€chlich berĂŒcksichtigen." Die Bundesregierung will voraussichtlich an diesem Mittwoch ein Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Kabinett auf den Weg bringen.
"HochbĂŒrokratisch" und "unangemessen"
Konkret forderte Reinhardt, eine Finanzierung der ĂŒber die Telefonnummer 116117 erreichbaren offenen Sprechstunden weiter sicherzustellen und die bisherige Refinanzierung von Tarifsteigerungen bei Klinikpersonal nicht ohne tragfĂ€hige Alternative zu streichen.
Reinhardt kritisierte auch das geplante verpflichtende Zweitmeinungsverfahren bei bestimmten planbaren Eingriffen. Der ĂrzteprĂ€sident sprach von ĂŒber 200.000 Eingriffen pro Jahr an HĂŒften oder Knien. Hier das Einholen einer zweiten Meinung zur Pflicht zu machen, sei hoch bĂŒrokratisch und unangemessen.
Reinhardt forderte, die Gesundheitsversorgung der Bezieher von Grundsicherung kĂŒnftig aus Steuermitteln zu finanzieren. Generell bemĂ€ngelte er, dass sich die Ausgaben kĂŒnftig allein an der Grundlohnsumme orientieren sollten. Die HĂ€ufigkeit von Erkrankungen orientiere sich natĂŒrlich nicht hieran. Werde eine Reform auf den Weg gebracht, mĂŒsse sehr minuziös geprĂŒft werden, ob es Verwerfungen gebe bei der Patientenversorgung und -sicherheit.
Generell mĂŒssten Reformen prĂ€zise gesteuert und Folgen beobachtet werden. Reinhardt kritisierte die kurze Beratungsfrist der PlĂ€ne von Ministerin Warken. Es gebe zwar Handlungsbedarf, aber es sei keine MaĂnahme, "die in wenigen Tagen ĂŒber die BĂŒhne gebracht werden muss".
130. Deutscher Ărztetag
Drei Wochen vor dem 130. Deutscher Ărztetag in Hannover setzte sich Reinhardt zudem fĂŒr Strukturreformen ein, die mehr Kooperation im Gesundheitswesen bewirken sollen. Die Verantwortung fĂŒr ErsteinschĂ€tzungen mĂŒsse trotz fortschreitender Digitalisierung weiter beim Arzt liegen und durch ein persönliches GesprĂ€ch wahrgenommen werden.
Der Ărztetag, auf dem Delegierte aus ganz Deutschland unter anderem Positionen der Ărzteschaft festlegen, setzt sich mit den Reformen und ihren Auswirkungen auseinander. Er findet vom 12. bis 15. Mai statt.
