ROUNDUP, Verwerfungen

Ärzte warnen vor Verwerfungen in der Versorgung

Veröffentlicht am: 11.05.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Protestwelle gegen ihr Sparpaket ebbt so schnell nicht ab.

Das dĂŒrfte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auch an diesem Dienstag bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetags in Hannover zu spĂŒren bekommen. VerbĂ€nde der Praxis- und KlinikĂ€rzte machen Front gegen Limits fĂŒr VergĂŒtungsanstiege und ein Aus fĂŒr mehrere Extra-Zahlungen - und warnen vor Folgen fĂŒr das Behandlungsangebot. "Einsparungen im Gesundheitswesen bleiben nicht abstrakt, sondern wirken sich unmittelbar auf die Versorgung aus", sagte ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur.

Die GesetzesplÀne, mit denen Warken drohende nÀchste Defizite bei den gesetzlichen Krankenkassen abwenden will, kommen jetzt in die Beratungen im Bundestag. Da könnte sich auch auf Druck von Branchen noch einiges Àndern.

"Maßstab muss der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf der Bevölkerung sein", mahnte Reinhardt. "Andernfalls drohen erhebliche Verwerfungen in der Versorgung, die langfristig sogar zu steigenden Kosten fĂŒhren können." Eine "einseitige Orientierung" der Kassenausgaben an der Steigerungsrate der Einnahmen greife deshalb zu kurz. Geplant ist, dass fĂŒr VergĂŒtungsanstiege in allen Bereichen eine solche Obergrenze kommt.

"Geht nicht um das Ob, sondern das Wie"

Reinhardt sagte, es stehe außer Frage, dass die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden mĂŒssen. "Ein Anstieg der SozialversicherungsbeitrĂ€ge gefĂ€hrdet die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und damit auch die gesellschaftliche StabilitĂ€t. Es geht bei den SparbemĂŒhungen also nicht um das Ob, sondern um das Wie."

Warken will die Kassen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro und soll neue Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge verhindern. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat als Vorgabe fĂŒr die Parlamentsberatungen formuliert, dass dieser Spar-Puffer nicht mehr kleiner werden dĂŒrfe. Geplant sind zudem Ausgabenbremsen bei der Pharmabranche und etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.

"Nationaler Kraftakt" - ohne den Bund?

Der ÄrzteprĂ€sident betonte: "Es ist wichtig, die Lasten breit zu verteilen." Und wĂŒrde sich auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an diesem nationalen Kraftakt beteiligen, wĂ€re das Spargesetz nicht nötig - indem der Bund die Kassen von versicherungsfremden Leistungen fĂŒr BĂŒrgergeldbezieher befreit.

Die sind generell gesetzlich versichert. Nur deckt die bisher vom Bund gezahlte Pauschale die Kosten nicht. Die vom Kabinett auf den Weg gebrachten PlĂ€ne sehen vor, dass es mehr Steuergeld gibt: 250 Millionen Euro fĂŒr 2027, dann soll der Betrag soll bis 2031 auf zwei Milliarden Euro im Jahr aufwachsen. Laut einer Expertenkommission mĂŒssten es aber zwölf Milliarden Euro sein. Und zugleich soll der regulĂ€re Bundeszuschuss um zwei Milliarden Euro gekappt werden - als Beitrag zur Etatsanierung. FĂŒr 2027 ergĂ€be sich so ein Minus von 1,75 Milliarden Euro, monierte Reinhardt. "Das ist ein finanzpolitischer Taschenspielertrick."

Kinder vor Risiken von Social Media schĂŒtzen

Vor dem Ärztetag fordert er auch einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken sozialer Medien. "In der besonders sensiblen Phase der IdentitĂ€tsentwicklung sollte die Nutzung von Social Media komplett vermieden werden, danach nur unter klaren Schutzvorkehrungen erfolgen." Plattformbetreiber seien stĂ€rker in die Pflicht zu nehmen - fĂŒr verlĂ€ssliche AltersĂŒberprĂŒfungen und Anpassungen ihrer Algorithmen, um suchtfördernde Mechanismen und gefĂ€hrliche Inhalte von jungen Menschen fernzuhalten.

ÜbermĂ€ĂŸiger Medienkonsum könne die körperliche und psychische Gesundheit gefĂ€hrden und stehe in Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen und Konzentrationsproblemen. Besonders junge MĂ€nner seien gefĂ€hrdet, sagte Reinhardt. "Wenn sie ihren Alltag nicht mehr ohne Smartphone, Streaming und Scrollen bewĂ€ltigen können, verlieren sie den Anschluss an das reale Leben."

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