AfD-nahes Zentrum erstmals in VW-Betriebsrat gewÀhlt
15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.deDie rechtspopulistische AfD-nahe Arbeitnehmervereinigung âZentrumâ hat erstmals in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns einen Sitz in einem Betriebsrat erobert. Die Wahl im MĂ€rz 2026 markiert eine politische ZĂ€sur in den deutschen Arbeitsbeziehungen. Sie fĂ€llt in eine Phase tiefgreifender UmbrĂŒche, Elektroauto-Krise und massiver JobĂ€ngste bei VW.
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Durchbruch im VW-Werk Braunschweig
Der historische Einzug gelang im VW-Komponentenwerk Braunschweig. Die als alternative Gewerkschaft auftretende Vereinigung âZentrumâ errang dort 6,49 Prozent der Stimmen und sicherte sich zwei der 35 Sitze im örtlichen Betriebsrat. Beide ihrer Kandidaten zogen ein.
Die etablierte IG Metall verteidigte ihre klare Mehrheit am Standort mit 78,5 Prozent und 28 Mandaten. Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) kam auf 15 Prozent und fĂŒnf Sitze. FĂŒr IG Metall-Vertreter ist das Gesamtergebnis ein Beleg dafĂŒr, dass eine groĂe Mehrheit der Belegschaft trotz sozialer Polarisierung auf traditionelle Tarifpartnerschaft setzt.
Gemischtes Bild in Zwickau und Wolfsburg
In anderen SchlĂŒsselwerken fiel die Stimmabgabe unterschiedlich aus. Im sĂ€chsischen Elektroauto-Werk Zwickau, wo ein massiver Rechtsruck erwartet worden var, kam das als AfD-nah geltende âBĂŒndnis freie BetriebsrĂ€teâ auf 11,5 Prozent und vier Sitze. Die IG Metall behauptete mit 81 Prozent und 29 Mandaten ihre dominante Stellung.
Am Konzernsitz Wolfsburg verteidigte die IG Metall unter Gesamtbetriebsratsvorsitzender Daniela Cavallo die Spitzenposition mit 74,8 Prozent und 52 von 67 Mandaten. Allerdings verlor sie deutlich gegenĂŒber 2022 (85,5 %). Die zweitstĂ€rkste Kraft wurde âDie Andere Listeâ von Ex-IG-Metall-FunktionĂ€r Frank Patta, die auf 14,1 Prozent und zehn Sitze zulegte â mit einer Kampagne scharfer Kritik an der aktuellen Betriebsratsspitze.
Wer ist das âZentrumâ?
Die Vereinigung âZentrumâ hat ihre Wurzeln auĂerhalb von VW. Sie wurde 2009 als âZentrum Automobilâ von Oliver Hilburger im Mercedes-Benz-Werk Stuttgart-UntertĂŒrkheim gegrĂŒndet. Seit Jahren versucht sie, in SĂŒd- und Ostdeutschland FuĂ zu fassen. Sie positioniert sich als scharfe Alternative zu den etablierten Gewerkschaften, die sie als zu kompromissbereit darstellt.
Bis zum Braunschweiger Erfolg scheiterten die Versuche, bei VW einzuziehen, oft vor Gericht. Erst im August 2025 wies das Arbeitsgericht Braunschweig eine Klage des Zentrums gegen VW Group Services in IsenbĂŒttel ab. Der Grund: Es konnte keine eigenen Mitglieder an dem Standort nachweisen. Der Wahlerfolg ist daher ein strategischer Durchbruch und verschafft der Gruppe erstmals offizielle Mitbestimmungsrechte in einem VW-Stammwerk.
Hintergrund: Konzernkrise schĂŒrt Unmut
Die politische Fragmentierung der Belegschaft ist eng mit der schweren Krise des Volkswagen-Konzerns verknĂŒpft. VW kĂ€mpft mit schwacher Nachfrage nach Elektroautos, harscher internationaler Konkurrenz und massiven ĂberkapazitĂ€ten. Die KonzernfĂŒhrung plant deshalb den Abbau von rund 35.000 ArbeitsplĂ€tzen in Deutschland bis 2030.
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Im Vorzeige-E-Werk Zwickau wurden bereits etwa 1.200 Stellen durch Fluktuation, Abfindungen und auslaufende VertrĂ€ge abgebaut. Der Betrieb wurde vom Drei- auf einen Zwei-Schicht-Betrieb zurĂŒckgefahren. Experten sehen in der Angst vor weiteren ProduktionskĂŒrzungen und unsicheren Standortgarantien nach 2030 einen NĂ€hrboden fĂŒr populistische KrĂ€fte, die radikalen Widerstand gegen die Konzernstrategie versprechen.
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Zwei-Fronten-Krieg fĂŒr die IG Metall
Der Einzug AfD-naher Vertreter verĂ€ndert die historisch konsensorientierten Arbeitsbeziehungen bei VW grundlegend. Zwar hĂ€lt das âZentrumâ nur einen Bruchteil der Sitze in einem Werk. Doch die formale PrĂ€senz verschafft ihr Zugang zu internen Informationen, Gremien und eine geschĂŒtzte Plattform vor der Belegschaft.
Die kommenden Jahre werden von harten Verhandlungen ĂŒber die Ăberlebensstrategie des Konzerns und den Erhalt der ArbeitsplĂ€tze geprĂ€gt sein. FĂŒr die IG Metall bedeutet dies einen Zwei-Fronten-Krieg: Sie muss einerseits komplexe Restrukturierungsdeals mit dem Vorstand aushandeln. Gleichzeitig muss sie diese Kompromisse gegen scharfe ideologische Kritik von der rechten Seite der eigenen Belegschaft verteidigen. Der Kampf um die Zukunft der deutschen Autoindustrie wird auch in den BetriebsrĂ€ten ausgefochten.
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