Air Baltic beantragt GlÀubigerschutz - Flugbetrieb lÀuft weiter
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Antrag erfolge freiwillig nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts, teilte das Unternehmen in Riga mit. Es handle sich um ein Verfahren zur finanziellen Restrukturierung unter gerichtlicher Aufsicht. Flugbetrieb und FlugplĂ€ne seien nicht betroffen, hieĂ es in der Mitteilung des Staatsunternehmens, das sich seit lĂ€ngerem in finanzieller Schieflage befindet. Der US-GlĂ€ubigerschutz ist durch niedrige rechtliche HĂŒrden auch fĂŒr Unternehmen auĂerhalb der USA zugĂ€nglich.
Air Baltic fliegt in Deutschland die fĂŒnf gröĂten FlughĂ€fen in Berlin, DĂŒsseldorf, Frankfurt, Hamburg und MĂŒnchen an. Das Unternehmen sitzt in Riga und ist die gröĂte Fluggesellschaft in den baltischen Staaten. Sie fliegt von ihrem Drehkreuz Riga zu mehr als 70 Zielen, bietet aber weder FlĂŒge in die USA noch innerhalb der Staaten an. GröĂter Anteilseigner ist mit mehr als 88 Prozent der lettische Staat. Die Lufthansa DE0008232125 ist seit vergangenem Jahr mit zehn Prozent an der Airline beteiligt.
Sicherung des Betriebs mit neuem Kapital
"Wir werden den GeschĂ€ftsbetrieb wie gewohnt fortfĂŒhren", betonte Unternehmenschef Erno HildĂ©n auf einer Pressekonferenz in Riga. "Unser Ziel ist es, unsere Schulden grundlegend zu restrukturieren und mit unseren Vertragspartnern eine Einigung ĂŒber diese Verpflichtungen zu erzielen." Angesichts der internationalen Ziele und Vertragspartner habe man sich dazu fĂŒr ein Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts entschieden.
Zusammen mit der Einleitung des GlĂ€ubigerschutzverfahrens erhielt Air Baltic von Kreditgebern die verbindliche Zusage, 350 Millionen Euro an neuen Finanzmitteln zu einem Zinssatz von 12 Prozent bereitzustellen. Damit sollen die LiquiditĂ€t und der laufende Betrieb des Unternehmens gesichert werden, teilten die Fluggesellschaft und die Staatskanzlei in Riga mit. Air Baltic geht den Angaben zufolge davon aus, das Verfahren bis etwa Juni 2027 abzuschlieĂen.
Regierungschef begrĂŒĂt Verfahren
"Ich betrachte diese Lösung als eine der besten Möglichkeiten, die ĂberlebensfĂ€higkeit von Air Baltic sicherzustellen, da sie die notwendigen Instrumente und Zeit bietet, um den entwickelten Restrukturierungsplan umzusetzen", teilte der lettische Regierungschef Andris Kulbergs mit. Das Unternehmen beginne damit die seit Jahren aufgeschobene Bereinigung seiner Schulden und Verbindlichkeiten.
Lettlands Regierung musste mit Kapitalerhöhungen wiederholt das Ăberleben des Unternehmens sichern, das durch Folgen der Corona-Pandemie und durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine in finanzielle Schieflage geraten war. Der seit lĂ€ngerem geplante Börsengang wurde mehrmals verschoben.
