AKTIE IM FOKUS 2: Thyssenkrupp drehen trotz Abbruch von Stahlverkauf ins Plus
Veröffentlicht am: 04.05.2026 um 11:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neu: Ăberschrift, Kursentwicklung mit zusĂ€tzlicher Einordnung, weitere ExperteneinschĂ€tzungen.)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die auf Eis gelegte Trennung vom StahlgeschÀft hat die Thyssenkrupp DE0007500001-Anleger am Montag nicht nachhaltig beeindruckt. Die vorbörslich schwachen Titel drehten nach Handelsbeginn im freundlichen Marktumfeld schnell ins Plus und setzten ihre am Donnerstag begonnene Rally fort. Nach einem Hoch seit Anfang MÀrz Euro behaupteten sie gegen Mittag ein Plus von 0,9 Prozent auf 10,175 Euro.
Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von knapp 10 Prozent zu Buche - beim MDax DE0008467416 der mittelgroĂen deutschen Unternehmen sind es nur 0,7 Prozent. Im Februar, noch vor Beginn des Nahostkriegs, hatten die Aktien mit 12,475 Euro ein Hoch seit 2018 erreicht. AnschlieĂend verloren sie bis Ende MĂ€rz wieder ĂŒber 40 Prozent an Wert, konnten sich jĂŒngst aber wieder merklich stabilisieren.
Dass der Industriekonzern und der indische Konkurrent Jindal am Wochenende bekannt gaben, die seit September vergangenen Jahres laufenden VerkaufsgesprĂ€che abzubrechen, begrĂŒndete Thyssenkrupp mit besseren Rahmenbedingungen fĂŒr Stahlhersteller in Europa und Fortschritten bei der Sanierung der Sparte. Deren Neuaufstellung solle aus eigener Kraft vorangetrieben werden, um den Stahlbereich erfolgreich und profitabel aufzustellen, hieĂ es. Mittelfristig bleibt es aber bei den VerkaufsplĂ€nen.
Der Kasus Knaxus fĂŒr diese Entscheidung sei wohl die Bewertung der Sparte angesichts einer verbesserten Ausgangslage in Europa und den Restrukturierungserfolgen gewesen, kommentierte ein Börsianer. Protektionismus seitens der EU soll der Branche in Europa helfen. Die Analysten der US-Bank JPMorgan hatten nach Bekanntwerden der PlĂ€ne im Vorjahr von einer "Renaissance der Branche" gesprochen.
"Die Nachricht ist formal neu, kommt unseres Erachtens aber nicht völlig ĂŒberraschend", schrieb Dirk Schlamp von der DZ Bank zum Abbruch der VerkaufsgesprĂ€che. Denn "bereits im Vorfeld hatten Medienberichte auf Probleme im Due-Diligence- beziehungsweise Verhandlungsprozess hingewiesen, insbesondere bei Pensionslasten, kĂŒnftigem Investitionsbedarf und Energiekosten". Die Aussetzung der VerkaufsplĂ€ne sei "daher eher die BestĂ€tigung eines bekannten Risikos als ein völlig neuer negativer Impuls". Ăberraschend sei weniger die Pause selbst als die positive BegrĂŒndung durch Thyssenkrupp mit besseren Marktbedingungen und dem eigenen Wertsteigerungspotenzial.
Ein HĂ€ndler hatte am frĂŒhen Morgen ebenfalls konstatiert, der GesprĂ€chsabbruch komme nicht aus heiterem Himmel, diesen aber mit Blick auf die vorbörslichen Kursverluste als recht negativ gewertet. Denn der Verkauf des StahlgeschĂ€fts könnte fĂŒr Thyssenkrupp ein "Gamechanger" werden, der nun erst einmal nicht realisiert werde.
