EU berĂ€t ĂŒber Konter nach Trumps Zoll-Drohung
18.01.2026 - 19:59:42(aktualisierte Fassung)
BERLIN/BRĂSSEL/WASHINGTON (dpa-AFX) - Vertreter der EU-Staaten sind wegen der von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten Strafzölle im Grönland-Konflikt am Abend zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Bei dem Treffen auf Botschafterebene in BrĂŒssel dĂŒrften die verschiedenen Möglichkeiten, auf Trumps offenen Erpressungsversuch zu reagieren, diskutiert worden sein.
Trump will die zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel Grönland den USA einverleiben und hatte zusĂ€tzliche Zölle gegen Deutschland und weitere sieben europĂ€ischen Nato-Partner angekĂŒndigt, um seinen Plan durchzusetzen. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent fĂŒr in die USA gesendete Waren fĂ€llig werden, ab dem 1. Juni 25 Prozent.
Nutzt die EU die "Handels-Bazooka"?
Die europĂ€ischen Staaten wollen das nicht hinnehmen. Erwogen wird wohl auch ein EU-Sondergipfel, möglicherweise als Online-Schalte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kĂŒndigten am Sonntag jedenfalls eine geeinte und koordinierte Reaktion an. Im Raum steht etwa, ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu nutzen.
Frankreich hatte signalisiert, die Aktivierung des sogenannten Anti-Coercion Instrument (ACI) beantragen zu wollen, wie es aus dem Umfeld von PrĂ€sident Emmanuel Macron hieĂ. Das Instrument wird auch als "Handels-Bazooka" bezeichnet, weil es der EU weitreichende und flexible Möglichkeiten gibt.
Das Gesetz ermöglicht, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren zu verhĂ€ngen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge ausgeschlossen werden - oder fĂŒr bestimmte Produkte Ein- und AusfuhrbeschrĂ€nkungen erlassen werden.
AuĂenminister Wadephul: "Gift fĂŒr das transatlantische VerhĂ€ltnis"
ZunĂ€chst reagierten die Staats- und Regierungschefs der acht betroffenen LĂ€nder mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung. "Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation", heiĂt es in der Stellungnahme von Deutschland, DĂ€nemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und GroĂbritannien. Man sei entschlossen, die eigene SouverĂ€nitĂ€t zu wahren. Merz meldete sich mit Ă€hnlichem Wortlaut auch auf der Plattform X.
AuĂenminister Johann Wadephul schloss dafĂŒr auch Gegenzölle nicht aus. Wenn die USA weitere MaĂnahmen ergriffen, "dann wird es eine europĂ€ische Antwort geben mĂŒssen", sagte der CDU-Politiker im "Bericht aus Berlin" der ARD. Es werde intensive GesprĂ€che mit Washington geben. Insgesamt wĂ€ren Zölle "die falsche Antwort zwischen VerbĂŒndeten" und "Gift fĂŒr das transatlantische VerhĂ€ltnis", meinte der CDU-Politiker.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte bei einem Termin in Rheinland-Pfalz: "Wir dĂŒrfen uns nicht erpressen lassen von dem, was da gerade passiert." Den Weg, den Trump einschlage, könne man nicht mitgehen. "FĂŒr mich ist wichtig, dass es eine gemeinsame deutliche Antwort der EuropĂ€er gibt. Sie muss klar in den USA gehört werden."
Nato-Chef spricht mit Trump
Am Abend Ă€uĂerte sich erstmals nach den AnkĂŒndigungen Trumps auch Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte. Er habe mit dem US-PrĂ€sidenten ĂŒber die Sicherheitslage in Grönland und der Arktis geredet, teilte Rutte auf X mit. "Wir werden weiter daran arbeiten", sagte er und fĂŒgte hinzu, dass er sich auf ein Treffen mit Trump in Davos freue. In Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt, zu dem am Mittwoch auch Trump erwartet wird.
Trump begrĂŒndet seine Forderung mit der Sicherheit fĂŒr die Region und die US-Bevölkerung, er macht eine Bedrohung durch China und Russland geltend. AnstoĂ nahm Trump an der militĂ€rischen Erkundungsmission der acht von der Zoll-Drohung betroffenen LĂ€nder auf Grönland. Diese soll Bedingungen fĂŒr gemeinsame Ăbungen vorbereiten und wohl auch ein Engagement fĂŒr die von Trump herausgestellte Sicherheit in der Arktis demonstrieren. Die erst am Freitag gelandeten 15 beteiligten Bundeswehr-Soldaten reisten nach offiziellen Angaben am Sonntag wieder ab - das Team habe den Auftrag erfĂŒllt, die Ergebnisse wĂŒrden in den nĂ€chsten Tagen ausgewertet.
"FĂŒr niemanden eine Bedrohung"
In der gemeinsamen ErklĂ€rung der acht Staaten hieĂ es: "Als Alliierte der Nato sind wir der StĂ€rkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse." Die von DĂ€nemark koordinierte Ăbung "Arctic Endurance" diene der Sicherheit in der Arktis. "Die Ăbung stellt fĂŒr niemanden eine Bedrohung dar", erklĂ€rten die acht LĂ€nder.
Und weiter: "Wir stehen in voller SolidaritÀt an der Seite des Königreichs DÀnemark und der Bevölkerung Grönlands. Aufbauend auf dem letzte Woche begonnenen Prozess sind wir bereit, in einen Dialog einzutreten, auf Grundlage der Prinzipien der SouverÀnitÀt und territorialen IntegritÀt. Wir stehen fest zu diesen Prinzipien."
DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen begrĂŒĂte die UnterstĂŒtzung und sagte, man suche keinen Konflikt mit den USA. Aber: "Europa lĂ€sst sich nicht erpressen."
Italien will vermitteln
Unterdessen bot Italien an, zu vermitteln. AuĂenminister Antonio Tajani sagte: "Ich glaube, dass Italien aufgrund seiner Natur, seiner VermittlungsfĂ€higkeit und seiner FĂ€higkeit, mit allen zu sprechen, eine positive Rolle dabei spielen kann, Vereinbarungen zu finden." MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni stehe dazu "im Dialog mit den Vereinigten Staaten, aber auch mit den EuropĂ€ern".
Die rechte Regierungschefin selbst hatte nach den Zoll-Drohungen von Trump zuvor schon vor einer Eskalation gewarnt. Rom hatte keine Soldaten zur Erkundungsmission acht anderer europĂ€ischer Staaten unter dĂ€nischer FĂŒhrung auf Grönland entsendet. Meloni gilt im Kreis der europĂ€ischen Regierungschefs als eine derjenigen, die guten Zugang zu Trump haben.
Errungener Zoll-Deal wohl zunÀchst auf Eis gelegt
Ebenfalls diese Woche steht im Europaparlament eine Abstimmung ĂŒber den schon vor Monaten zwischen der EU und USA ausgehandelten Zolldeal an, der fĂŒr die USA sehr gĂŒnstige Bedingungen brĂ€chte. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent fĂŒr die meisten europĂ€ischen Produkte gelten. Zölle auf US-IndustriegĂŒter dagegen sollen vollstĂ€ndig abgeschafft werden und Barrieren fĂŒr den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.
DafĂŒr ist nun keine Mehrheit mehr in Sicht, da die gröĂten Fraktionen im EU-Parlament bereits deutlich machten, dem Deal nach Trumps Drohungen nicht mehr zustimmen zu wollen - womöglich ein Hebel fĂŒr die EuropĂ€er in dem Konflikt.
Widerstand auch in den USA
Die GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte, mit der Androhung von Gegenzöllen zu antworten. Die Linken-AuĂenpolitikerin Lea Reisner sagte: "Auch Friedrich Merz sollte doch endlich erkennen, dass die USA kein VerbĂŒndeter mehr sind."
Auch im US-Kongress in Washington regt sich von den oppositionellen Demokraten Widerstand gegen Trumps Zollandrohung. Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, will die angedrohten Zölle nach eigenen Worten per Gesetz blockieren, "bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren VerbĂŒndeten in Europa weiteren Schaden zufĂŒgen", wie er erklĂ€rte.

