Keine KĂŒrzung gesetzlicher Renten
26.04.2026 - 17:13:31 | dpa.de(aktualisierte Fassung)
MARBURG (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Forderung nach einer StĂ€rkung der privaten Altersvorsorge bekrĂ€ftigt, zugleich aber Abstriche bei der gesetzlichen Rente ausgeschlossen. "Es wird mit uns keine KĂŒrzungen der gesetzlichen Renten geben", sagte der CDU-Vorsitzende am Samstag bei der Bundestagung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im hessischen Marburg. "Unser Ziel ist und bleibt ein starkes und solidarisches Deutschland auch in der Altersversorgung."
Der Kanzler hatte Anfang vergangener Woche mit einer ĂuĂerung zur gesetzlichen Rentenversicherung fĂŒr Empörung unter anderem beim Koalitionspartner SPD gesorgt. "Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein fĂŒr das Alter", hatte er gesagt. "Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern." Ihm wurde daraufhin - auch aus der eigenen Partei - vorgeworfen, er verunsichere die BĂŒrger.
Merz bekrÀftigt: StÀrkeres Gewicht auf private Vorsorge
In Marburg rĂŒckte Merz zwar nicht von seiner ĂuĂerung ab, erlĂ€uterte aber, wie er sie gemeint hat. Die gesetzliche Altersvorsorge bleibe Basis fĂŒr das Rentensystem, er wolle sie auch nicht einschrĂ€nken, sagte er. "Das war ĂŒbrigens immer klar, das war auch im Wahlkampf klar, obwohl die SPD versucht hat, im Wahlkampf eine andere Geschichte zu erzĂ€hlen."
Man dĂŒrfe aber nicht mehr nur ĂŒber Haltelinien bei der gesetzlichen Rente sprechen, sondern mĂŒsse alle drei SĂ€ulen - gesetzlich, betrieblich und privat - in den Blick nehmen und in ein neues VerhĂ€ltnis zueinander setzen. "Wir mĂŒssen hier eine stĂ€rkere Gewichtung auf die kapitalmarktgedeckten Altersversorgungssysteme legen, damit die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland auch die Chance haben, an der gesamten Vermögensentwicklung unserer Volkswirtschaft teilzunehmen."
CDA-Chef warnt vor "schwarzmalerischer Rhetorik"
Der Kanzler erhielt fĂŒr seine Rede in Marburg viel Applaus. Dass die zahlreichen ReformvorschlĂ€ge verunsichern wĂŒrden, wurde allerdings in der anschlieĂenden Debatte moniert.
CDA-Chef Dennis Radtke ging den Kanzler zwar nicht frontal an, mahnte seine Partei aber mit deutlichen Worten zu einer besseren Kommunikation in der Reformdebatte. Er hatte schon unmittelbar nach der viel kritisierten Kanzler-ĂuĂerung zur Rente davor gewarnt, den Menschen Angst zu machen. Das wiederholte er in Marburg: "Wenn wir auch als Union wieder erfolgreicher werden wollen, mĂŒssen wir mit schwarzmalerischer Rhetorik, mit angstmachender Rhetorik aufhören."
Merz' ĂuĂerungen zur gesetzlichen Rente als Basisabsicherung hĂ€tten "fĂŒr eine Menge Unruhe gesorgt, weil sie interpretationsbedĂŒrftig waren", sagte Radtke im WDR. Merz habe aber bei der CDA-Bundestagung die Gelegenheit genutzt, sie "klarzustellen und richtig einzusortieren".
In seiner Rede kritisierte Radtke auch ĂuĂerungen aus der CDU zur Erhöhung des Arbeitspensums. "Wenn bei dieser Diskussion der Eindruck entsteht, viele in unserem Land hĂ€tten einfach keinen Bock und wĂŒrden sich einfach nicht anstrengen und gehen gar nicht mehr runter von der Couch, das ist einfach fatal", sagte der Chef des ArbeitnehmerflĂŒgels der Union. "Weil dann fĂŒhlen sich einfach auch die Falschen in dieser Debatte getriggert."
Der hessische MinisterprĂ€sident, Boris Rhein (CDU), mahnte: "Wir brauchen keine Dauerreformdebatte ĂŒber immer weitergehende Einschnitte in die Mitte unserer Gesellschaft". Notwendig sei vielmehr ein Plan fĂŒr ein leistungsfĂ€higes und insbesondere auch gerechtes Land.
Schulze: Im Osten haben die meisten nur die staatliche Rente
Mahnende Töne kamen auch aus Sachsen-Anhalt, wo MinisterprĂ€sident Sven Schulze im September mit der CDU eine Landtagswahl gewinnen möchte. "In Ostdeutschland ist die Rente nicht die Basisabsicherung, sondern oft die einzige Basis fĂŒr ein Altern in WĂŒrde", sagte der CDU-Politiker dem "Stern".
Die meisten Menschen hÀtten nur die staatliche Rente. Es gebe deutlich weniger Menschen mit Betriebsrente. Sie hÀtten auch nicht das Geld, um in eine private Altersvorsorge einzuzahlen. Zudem gebe es deutlich weniger Vermögen, Immobilien oder Erbschaften, um sich gegen Altersarmut abzusichern.
Umfrage zeigt Problembewusstsein in der Bevölkerung
Auch bundesweit zweifeln viele Menschen an der Auskömmlichkeit der gesetzlichen Altersvorsorge. Mehr als drei Viertel der Deutschen glaubt nicht, dass die gesetzliche Rente ausreichend sein wird, um ihren aktuellen Lebensstandard im Alter zu sichern. Auf eine entsprechende Frage Ă€uĂerten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey fĂŒr den Sozialverband Deutschland 82 Prozent der Befragten Zweifel. 11 Prozent der Befragten glauben, dass ihre kĂŒnftige Rente dafĂŒr reichen wird, wie die "Bild am Sonntag" berichtete.
Die Umfrage wurde zwischen dem 24. MĂ€rz und 8. April durchgefĂŒhrt und damit vor der umstrittenen ĂuĂerung des Kanzlers zur Rente.
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