ROUNDUP, US-GefÀngnis

Nachfolgerin stellt sich gegen Trump

04.01.2026 - 17:39:10

(aktualisierte Fassung)WASHINGTON/CARACAS - Venezuelas VizeprĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez gibt den USA Kontra: Der von PrĂ€sident Donald Trump forcierte Machtwechsel in dem ölreichen sĂŒdamerikanischen Land stĂ¶ĂŸt auf Widerstand.

(aktualisierte Fassung)

WASHINGTON/CARACAS (dpa-AFX) - Venezuelas VizeprĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez gibt den USA Kontra: Der von PrĂ€sident Donald Trump forcierte Machtwechsel in dem ölreichen sĂŒdamerikanischen Land stĂ¶ĂŸt auf Widerstand. Rodriguez gehört zur Machelite um PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro, den US-Elitetruppen am Samstag spektakulĂ€r in der venezolanischen Hauptstadt Caracas quasi aus dem Bett heraus festnahmen und außer Landes brachten.

Maduro sitzt inzwischen in einem GefÀngnis in New York, wo er und seine Frau Cilia Flores - gegen die US-Haftbefehle vorlagen - auf ihren Prozess unter anderem wegen "Drogenterrorismus" warten. Der linksautoritÀre Maduro war seit 2013 an der Macht, die er auch mit WahlfÀlschungen sicherte.

Operation "Absolute Entschlossenheit": Angriff auf Venezuela

Am Freitagabend 22.46 Uhr (US-OstkĂŒstenzeit) hatte Trump den Beginn des MilitĂ€reinsatzes angeordnet. Bei der Operation "Absolute Resolve" (deutsch: "Absolute Entschlossenheit") waren nach US-Darstellung mehr als 150 Bomber, Kampfjets, AufklĂ€rer, Hubschrauber und Drohnen im Einsatz. Dem Einsatz ging nach US-Angaben monatelange Planung voraus.

Um 2.01 Uhr Ortszeit Caracas (7.01 Uhr MEZ) erreichten nach der Schilderung von Generalstabschef Dan Caine US-Hubschrauber Maduros Anwesen. Nach Information der US-Sender CBS und CNN nahmen Soldaten der US-Spezialeinheit Delta Force das Ehepaar Maduro gefangen. Die beiden wurden zum Kriegsschiff "USS Iwo Jima" geflogen. SpĂ€ter ging es vom US-StĂŒtzpunkt GuantĂĄnamo auf Kuba mit dem Flugzeug nach New York.

Laut Trump gab es bei der Operation nur wenige, nicht schwerwiegend Verletzte aufseiten der EinsatzkrÀfte. Die Behörden in Venezuela sprachen von mehreren Dutzend Toten und Verletzten - Soldaten wie Zivilisten.

Rodriguez: "Wir werden nie wieder Sklaven sein"

Nach der gewaltsamen Entmachtung Maduros ĂŒbernahm VizeprĂ€sidentin RodrĂ­guez auf Anordnung des Obersten Gerichtshofes geschĂ€ftsfĂŒhrend das PrĂ€sidentenamt bis zu Neuwahlen.

Sie nannte bei einer Sitzung des Verteidigungsrates Maduro den "einzigen PrĂ€sidenten". "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte sie Richtung Trump und bezeichnete den US-Angriff als Verstoß gegen die UN-Charta.

Trump: FĂŒhren Venezuela - notfalls mit Hilfe des MilitĂ€rs

Die Aussagen Rodriguez' stehen im Widerspruch zu den Worten Trumps, dass sie zur Zusammenarbeit bereit sei. "Wir haben gerade ein GesprĂ€ch mit ihr gefĂŒhrt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir fĂŒr notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach", sagte er bei einer Pressekonferenz in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida. "Wir werden das Land so lange fĂŒhren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemĂ€ĂŸen und umsichtigen Übergang gewĂ€hrleisten können." Details nannte er nicht.

Trump machte aber klar, dass die USA auch militĂ€risch bereit seien, ihre Interessen in Venezuela durchzusetzen. "Wir haben keine Angst vor Bodentruppen. Und wir mĂŒssen welche haben, wir hatten vergangene Nacht Bodentruppen vor Ort."

Auch dass die USA wirtschaftliche Interessen in dem ölreichen Venezuela haben, betonte Trump. Eine Partnerschaft werde Venezuela "reich, unabhĂ€ngig und sicher" machen. Millionen Venezolaner im Exil - auch in den USA - wĂŒrden von den geplanten Maßnahmen profitieren. Das sĂŒdamerikanische Land verfĂŒgt ĂŒber die grĂ¶ĂŸten Ölreserven der Welt.

FriedensnobelpreistrÀgerin: Gonzålez soll PrÀsident werden

Es war unklar, ob und wann es Neuwahlen gibt. Venezuelas FriedensnobelpreistrĂ€gerin MarĂ­a Corina Machado forderte die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo GonzĂĄlez Urrutia als Nachfolger. Er habe die PrĂ€sidentenwahl vor eineinhalb Jahren gegen Maduro gewonnen und sollte sein verfassungsmĂ€ĂŸiges Amt nun unverzĂŒglich antreten, heißt es in einer auf X veröffentlichten Mitteilung Machados.

Kritik Russlands und Chinas an Trumps MilitÀroperation

Russland forderte die US-FĂŒhrung auf, ihre Position zu ĂŒberdenken und den "rechtmĂ€ĂŸig gewĂ€hlten PrĂ€sidenten eines souverĂ€nen Landes und seine Ehefrau" freizulassen, wie das Außenministerium mitteilte.

Auch China rief die USA zur sofortigen Freilassung Maduros und seiner Ehefrau auf. Die Vereinigten Staaten sollten Versuche, die venezolanische Regierung zu destabilisieren, einstellen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Jurist zweifelt RechtmĂ€ĂŸigkeit der US-Operation an

Nach Darstellung des Juristen Kai Ambos haben die USA gegen das Völkerrecht verstoßen. Dem WDR sagte Ambos: "Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei RechtfertigungsgrĂŒnde fĂŒr Anwendung militĂ€rischer Gewalt gibt." Entweder sei das die Selbstverteidigung oder ein Mandat der Vereinten Nationen.

US-Außenminister Marco Rubio rechtfertigte den Einsatz. Die Maßnahmen seien "zum Schutz und zur Verteidigung" derer, die den Haftbefehl gegen Maduro vollstreckten, nötig gewesen. Die USA hatten fĂŒr Informationen, die zu seiner Festnahme Maduros fĂŒhrt, eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) ausgesetzt.

Merz: Brauchen Zeit zur Einordnung

Die Bundesregierung erbat Zeit fĂŒr die Bewertung der Operation. "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex", Ă€ußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz.

Das AuswĂ€rtige Amt weitete die Reisewarnung fĂŒr Venezuela aus.

@ dpa.de