Chamenei und Trump verschÀrfen den Iran-Konflikt
18.01.2026 - 18:05:05Aktualisierung: Aussage von Irans PrÀsident Peseschkian)
WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - Nach Drohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump und persönlichen Angriffen von Irans oberstem FĂŒhrer Ali Chamenei wĂ€chst die Sorge vor einer militĂ€rischen Eskalation. Trump sprach sich fĂŒr einen Regierungswechsel im Iran aus. Irans PrĂ€sident Massud Peseschkian erklĂ€rte, jede Aggression gegen Chamenei wĂ€re gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation.
Chamenei hatte zuvor den US-PrĂ€sidenten als "Verbrecher" bezeichnet. Er machte ihn fĂŒr Opfer und SchĂ€den bei den jĂŒngsten Massenprotesten verantwortlich. Amerika mĂŒsse zur Verantwortung gezogen werden, so Chamenei. Das US-AuĂenministerium warnte den Iran vor Angriffen auf US-StĂŒtzpunkte und kĂŒndigte fĂŒr diesen Fall eine entschlossene Reaktion an.
Irans Justiz widersprach Trumps Behauptung, die Hinrichtungen von 800 Menschen seien gestoppt worden. Trump hatte dies unter anderem als BegrĂŒndung fĂŒr den Verzicht auf einen MilitĂ€rschlag angegeben. Der Teheraner Staatsanwalt Ali Salehi sagte laut der staatlichen Rundfunkagentur Iribnews: "Trump redet immer viel sinnlosen Unsinn." Die Reaktion der Justiz werde entschlossen, abschreckend und schnell sein.
Ein Justizsprecher erklÀrte danach laut Iribnews, es seien bislang keine Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten verhÀngt worden. Dies sei "ein strenger und langwieriger Prozesse", der Monate oder Jahre dauern könne.
Tausende Tote bei Niederschlagung der Proteste
Trotz einer am 8. Januar verhĂ€ngten Internetsperre dringen immer mehr SchĂ€tzungen der Zahl mutmaĂlicher Todesopfer infolge des gewaltsamen Vorgehens von SicherheitskrĂ€ften an die Ăffentlichkeit. Das in den USA ansĂ€ssige Aktivistennetzwerk Hrana berichtete auf der Plattform X, 3.308 TodesfĂ€lle seien bestĂ€tigt. Weitere 4.382 wĂŒrden geprĂŒft. Mindestens 24.266 Menschen seien festgenommen worden.
Nach Informationen der britischen Zeitung "The Sunday Times" sollen 16.500 bis 18.000 Menschen getötet worden sein. Mitarbeiter in acht groĂen Augenkliniken und 16 Notaufnahmen im Land hĂ€tten die Zahlen zusammengestellt. Demnach sollen weitere 330.000 bis 360.000 Menschen verletzt worden sein.
Irans oberster FĂŒhrer Ali Chamenei hatte am Samstag erstmals eingerĂ€umt, dass es Tausende Tote wĂ€hrend der Proteste gegeben habe. Einige Menschen seien auf "unmenschliche, brutale Weise" getötet worden. Der oberste FĂŒhrer machte dafĂŒr die "AufstĂ€ndischen" verantwortlich.
Alle Angaben können nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
Trump will neue FĂŒhrung in Teheran
In einem Interview mit dem Nachrichtenportal "Politico" sagte Trump: "Es ist Zeit, nach einer neuen FĂŒhrung im Iran zu suchen." Die Machthaber in Teheran stĂŒtzten ihre Herrschaft auf UnterdrĂŒckung und Gewalt.
Zuvor hatte Chamenei den US-PrÀsidenten beschuldigt, er habe persönlich in die Unruhen eingegriffen und die "AufstÀndischen" ermutigt, weiterzumachen und keine Angst zu haben.
Ajatollah Chamenei ist seit Juni 1989 und damit seit fast 37 Jahren an der Macht als geistliches und politisches Oberhaupt der autoritÀr regierten Islamischen Republik.
Spekulationen ĂŒber möglichen US-Angriff
Trumps Aussagen fĂŒhrten umgehend zu Spekulationen ĂŒber weitere US-Schritte. Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel, schrieb auf X, Trumps Worte bei "Politico" und Chameneis Provokationen gegenĂŒber Trump auf X lieĂen ihn vermuten, "dass Trump diese Woche versuchen wird, den obersten FĂŒhrer zu töten". Der in der Region erwartete FlugzeugtrĂ€gerverband wĂŒrde es den USA erleichtern, Angriffe durchzufĂŒhren und sich auf GegenschlĂ€ge vorzubereiten.
Der FlugzeugtrĂ€ger "USS Abraham Lincoln" und Begleitschiffe sind US-Medienberichten zufolge auf dem Weg in die Region. Auch wĂŒrden zusĂ€tzliche Kampfjets und Raketenabwehrsysteme dorthin verlegt. Beamte in der Region hielten einen Angriff weiterhin fĂŒr möglich, schrieb das "Wall Street Journal".
Iran-Experten warnen Trump vor einer gezielten Tötung Chameneis. So schrieb der israelische Iran-Kenner Danny Citrinowicz auf X, es sei auĂerordentlich gefĂ€hrlich, hochrangige FĂŒhrer im Nahen Osten - insbesondere religiöse FĂŒhrer - ins Visier zu nehmen. Chamenei sei nicht nur eine politische AutoritĂ€t, sondern auch ein religiöses Symbol und ideologischer Anker der Islamischen Republik. Ein Angriff auf ihn hĂ€tte weitreichendere Konsequenzen als eine konventionelle MilitĂ€roperation.
Die Vereinigten Staaten wĂ€ren nicht in der Lage, einen gefĂŒgigen FĂŒhrer in Teheran zu installieren, argumentiert Citrinowicz. Sie hĂ€tten gleichzeitig MĂŒhe, radikale Elemente - insbesondere die Islamische Revolutionsgarde - daran zu hindern, die Kontrolle ĂŒber den Staat zu ĂŒbernehmen.
Die Proteste hatten Ende Dezember wegen der schweren Wirtschaftskrise und hoher Inflation begonnen. Rasch entwickelten sie sich zu landesweiten Demonstrationen gegen das politische System. SicherheitskrĂ€fte gingen nach Angaben von Aktivisten Ă€uĂerst brutal dagegen vor.

