Dax-Konzerne machen RekordgeschÀfte - und streichen Jobs
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 12:43 Uhr | dpa.de(Aktualisierung: EinschÀtzung)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutschlands gröĂte Börsenkonzerne haben im zweiten Quartal insgesamt RekordgeschĂ€fte gemacht, bauen aber zugleich Tausende Stellen ab. Die 40 Dax DE0008469008-Konzerne steigerten ihren Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zum Vorjahreszeitraum um fast 16 Prozent oder 7 Milliarden Euro auf zusammen 52,6 Milliarden Euro, zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY. Das sei so viel wie noch nie in einem zweiten Quartal und zehn Prozent mehr als der bisherige Höchstwert von 2024 - trotz des Iran-Kriegs und Zollstreits mit den USA.
Den höchsten operativen Quartalsgewinn meldete demnach die Deutsche Telekom (6,9 Milliarden Euro), gefolgt von Allianz (4,9 Mrd.), VW DE0007664039 (3,5 Mrd.) und Siemens DE0007236101 (3,4 Mrd.). Das stÀrkste Gewinnwachstum erzielten Bayer DE000BAY0017 und der Immobilienkonzern Vonovia DE000A1ML7J1. Auch der Umsatz der Dax-Unternehmen erreichte mit rund 463 Milliarden Euro in Summe einen Bestwert; er stieg um 4,6 Prozent oder knapp 20,5 Milliarden Euro.
Auch nach EinschĂ€tzung der Deutschen Bank lĂ€uft es bei vielen Konzernen im Leitindex rund. Im zweiten Quartal habe es das höchste Gewinnwachstum seit mindestens zehn Quartalen gegeben, heiĂt es in einer Studie. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die Deutsche Bank DE0005140008, dass die Gewinne im Dax zweistellig zulegen und damit deutlich mehr als in den vergangenen zwei Jahren.
Boom bei RĂŒstung und KI, Flaute in der Autobranche
Allerdings wurde das Wachstum laut EY im zweiten Quartal von relativ wenigen Branchen getragen, die derzeit eine Sonderkonjunktur erleben - von der RĂŒstungsindustrie ĂŒber die Profiteure KI-Booms bis hin zu Chemieunternehmen, die wegen des Iran-Kriegs und LieferengpĂ€ssen in Asien die Preise anheben konnten. Zudem verbuchten Banken und Versicherungen zuletzt Rekordgewinne.
"Bei vielen klassischen Industriekonzernen, allen voran in der Autobranche, ist von einer Trendwende dagegen nichts zu spĂŒren", schreibt EY in der Studie, fĂŒr die Quartalszahlen und Pressemitteilungen analysiert wurden.
So verzeichneten die Autokonzerne im zweiten Quartal einen UmsatzrĂŒckgang um 1,2 Prozent und einen operativen Gewinneinbruch um 12 Prozent. Das gröĂte Minus beim Betriebsgewinn musste BMW DE0005190003 mit minus 39 Prozent verkraften, bei VW und Daimler Truck DE000DTR0CK8 ging es je um 9 Prozent bergab.
"Wer nur auf die Rekordsummen schaut, könnte meinen, die Krise sei ĂŒberstanden - aber das Gegenteil ist der Fall", sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung bei EY. "Zum einen bleibt die Nachfrage am Heimatstandort Deutschland schwach, das Gewinn- und Umsatzwachstum findet in erster Linie im Ausland statt." Zum anderen sei die Lage in weiten Teilen der Industrie fragil.
Jobabbau besonders in der Autobranche
Die Folge der Wirtschaftsflaute zeigt sich auch bei den BeschĂ€ftigten. Zum 30. Juni beschĂ€ftigten die Dax-Konzerne rund 3,49 Millionen Menschen - 1,2 Prozent oder 41.000 weniger als ein Jahr zuvor. 21 von 37 Unternehmen, die Angaben zur BeschĂ€ftigung machen, bauten Jobs auf, 16 reduzierten sie. Vor allem der Stellenabbau in der Autobranche drĂŒckt die BeschĂ€ftigung, wĂ€hrend etwa der RĂŒstungskonzern Rheinmetall DE0007030009 krĂ€ftig Personal einstellte.
Die Krise der Autobranche sei nicht ausgestanden, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Hier gebe es weiter erheblichen Restrukturierungsbedarf "und wir werden einen weiteren BeschĂ€ftigungsrĂŒckgang sehen".
