UnterhÀndler schlagen Preiserhöhung ab 2027 vor
25.03.2025 - 21:30:57(Aktualisierung: Greenpeace)
BERLIN (dpa-AFX) - UnterhÀndler von CDU, CSU und SPD wollen das Deutschlandticket im Nahverkehr langfristig sichern - das Ticket soll aber von 2027 an teurer werden. Das geht aus dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Papier der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen hervor. Demnach soll das Deutschlandticket zum bisherigen Preis von 58 Euro im Monat in den Jahren 2025 bis 2026 abgesichert werden. Das bedeutet, es soll in diesen Jahren keine Preiserhöhung geben. Ab 2027 soll laut Papier der Anteil der Nutzerfinanzierung "schrittweise und sozialvertrÀglich" erhöht werden.
Um Planungssicherheit fĂŒr die Kunden, aber auch fĂŒr Bund und LĂ€nder bei der Finanzierung zu gewĂ€hrleisten, sollen die Kosten fĂŒr das Ticket nach einem festen SchlĂŒssel aufgeteilt werden, wie es im Papier heiĂt.
Das bedeutet, es könnte ab 2027 eine erhebliche Preiserhöhung des Tickets geben. In den Koalitionsverhandlungen gibt es aber noch keine endgĂŒltige Einigung - ĂŒber den Vorschlag der Arbeitsgruppe beraten nun die Chefverhandler der Parteien. Generell stehen zudem VorschlĂ€ge aus den Arbeitsgruppen unter Finanzierungsvorbehalt.
Im Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD hieĂ es: "Wir beraten ĂŒber die Fortsetzung des Deutschlandtickets sowie den Ausbau und die Modernisierung des Ăffentlichen Personennahverkehrs."
Zukunft des Tickets bisher offen
Die Finanzierung des bundesweit gĂŒltigen Tickets durch Bund und LĂ€nder ist nur bis Ende des Jahres gesichert. Nur noch fĂŒr dieses Jahr sind Bundesmittel festgeschrieben. Der Bund gibt pro Jahr einen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro, um EinnahmeausfĂ€lle bei Verkehrsbetrieben auszugleichen - denn die meisten ĂPNV-Abos waren zuvor deutlich teurer. Die LĂ€nder geben ebenfalls insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Festgeschrieben ist das im Regionalisierungsgesetz. FĂŒr eine FortfĂŒhrung des Tickets ĂŒber 2025 hinaus mĂŒsste das Gesetz geĂ€ndert werden.
Preiserhöhung
Zum Januar stieg der Monatspreis des Tickets um fast ein FĂŒnftel von 49 Euro auf 58 Euro. Seit Mai 2023 ermöglicht das Deutschland-Abo bundesweit Fahrten in sĂ€mtlichen Bussen und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs zum einheitlichen Monatspreis. Es hat die unĂŒbersichtliche Tarifstruktur im öffentlichen Verkehrssektor erheblich vereinfacht.
Union sieht Konstruktionsfehler
Die Union hatte vor der Bundestagswahl die Zukunft des Tickets offen gelassen. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, hatte im Februar gesagt, aus bayerischer Sicht mĂŒsse der Bund die Kosten kĂŒnftig ganz ĂŒbernehmen. Das Deutschlandticket sei ein Wunsch des Bundes gewesen. Bernreiter ist Mitglied der Arbeitsgruppe Verkehr in den Koalitionsverhandlungen.
Ebenfalls Mitglied der AG ist Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange. Der CSU-Politiker hatte im Dezember mit Blick auf das Ticket nach 2025 gesagt, es gebe "Spielraum fĂŒr alles Weitere oder Neue". Das Ticket habe eine Vielzahl von Konstruktionsfehlern und sei nicht solide finanziert. Der Bund mische sich in eine LĂ€nderaufgabe ein, der lĂ€ndliche Raum werde benachteiligt. Das Auto bleibe Verkehrsmittel Nummer eins, vor allem im lĂ€ndlichen Raum.
SPD fĂŒr Fortsetzung
Im SPD-Wahlprogramm hieĂ es: "Das Deutschlandticket ist ein groĂer Erfolg, den wir erhalten wollen. PrioritĂ€t hat dabei VerlĂ€sslichkeit: Wir wollen das Deutschlandticket dauerhaft anbieten." Der gĂŒnstige Preis und die einfache Nutzung seien das Erfolgsrezept des Tickets. Die SPD wolle, dass der Preis dauerhaft auf aktuellem Niveau bleibe.
Lob und Warnung von Greenpeace
Die Umweltorganisation Greenpeace reagierte zwiegespalten auf die PlĂ€ne der UnterhĂ€ndler. "Gut, dass Union und SPD merken, welchen Schatz sie mit dem Deutschlandticket erben und es fortfĂŒhren wollen", erklĂ€rte Greenpeace-Verkehrsexpertin Lena Donat. Sie warnte allerdings, nach dem saftigen Preissprung zu Jahresbeginn gleich die nĂ€chste Verteuerung an die Wand zu malen, "stöĂt die Menschen vor den Kopf und setzt viele der knapp 14 Millionen Abos aufs Spiel". Donat empfahl der kommenden Regierung, das Angebot um ein Sozialticket zu erweitern sowie Bus und Bahn auszubauen.

