GröĂte MilitĂ€rparade unter Macron - Ukraine im Fokus
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 16:25 Uhr, dpa.de(Aktualisierung: Reaktion Selenskyj 4. Absatz.)
PARIS (dpa-AFX) - Lange Kolonnen von Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und MilitĂ€rflugzeuge, an deren Spitze die Kunstflugstaffel "Patrouille de France" Kondensstreifen in den französischen Nationalfarben blau, weiĂ und rot in den Himmel zieht: Mit seiner letzten MilitĂ€rparade zum französischen Nationalfeiertag zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat PrĂ€sident Emmanuel Macron "die strategische AufrĂŒstung Frankreichs" und "das strategische Erwachen Europas" betonen wollen. Insbesondere aber setzte die MilitĂ€rparade ein mĂ€chtiges Zeichen der UnterstĂŒtzung der Ukraine.
An der Spitze der Parade auf den Pariser Champs-ĂlysĂ©es marschierten 500 Soldaten aus MitgliedslĂ€ndern der sogenannten Koalition der Willigen, die das von Russland angegriffene Land unterstĂŒtzen, darunter auch Truppen aus Deutschland. 25 ukrainischen Soldaten marschierten ebenfalls ĂŒber die PrachtstraĂe. Und die Kunstflugstaffel wurde von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung begleitet. Jets dieses Typs hatte Paris der Ukraine zur VerfĂŒgung gestellt.
Auf der EhrentribĂŒne wohnte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj der Parade bei, im Schulterschluss mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs der Koalition der Willigen sowie EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gehörte zu den EhrengĂ€sten, zuletzt war 2019 die damalige Kanzlerin Angela Merkel bei der Parade in Paris dabei. Frankreich erinnert am Nationalfeiertag an den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, der als symbolischer Beginn der Französischen Revolution angesehen wird.
"Es ist eine groĂe Ehre fĂŒr uns, hier zu sein", reagierte Selenskyj nach der Parade. "Emmanuels Einladung an unsere Verteidiger ist ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung der StĂ€rke der Ukraine, unseres Volkes und unserer StreitkrĂ€fte", meinte Selenskyj. "Wir danken unseren Soldaten. Wir danken Frankreich und all unseren Partnern, die der Ukraine zur Seite stehen."
Koalition der Willigen stĂ€rkt Ukraine den RĂŒcken
Die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine beschrĂ€nkte sich in Paris allerdings nicht auf das militĂ€rische Schaulaufen bei der Parade: Am Vorabend hatte die von Frankreich und GroĂbritannien angefĂŒhrte Koalition der Willigen bei einem Treffen in der französischen Hauptstadt ihren Willen zur weiteren militĂ€rischen UnterstĂŒtzung der Ukraine bekrĂ€ftigt. Neben der Zusage weiterer Waffenlieferungen und einer Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr kĂŒndigte Macron ĂŒberraschend erste gemeinsame Manöver der multinationalen Schutztruppe an, mit der die Koalition einen möglichen Waffenstillstand und Friedensschluss in der Ukraine absichern will.
Wie der polnische MinisterprĂ€sident Donald Tusk in Paris sagte, sollen diese MilitĂ€rmanöver in diesem Herbst in Polen stattfinden. Beteiligt seien Truppen aus Frankreich, GroĂbritannien und Polen. Die Ăbungen sollten die Koalition auf "konkrete Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine, aber auch fĂŒr die Region vorbereiten", sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge.
Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz sagte, sein Land sei auch zu einer stĂ€ndigen Stationierung von Truppen aus Frankreich und GroĂbritannien bereit. "Wenn wir mehr Verantwortung fĂŒr die Nato-Ostgrenze tragen, dann kommen die, die weit davon entfernt leben, nach Polen", sagte er PAP zufolge in Warschau.
Deutschland bei Ukraine-Schutztruppe zurĂŒckhaltend
Bundeskanzler Merz hatte den deutschen Beitrag fĂŒr eine multinationale Truppe fĂŒr die Ukraine bisher offen gelassen. Auf die angekĂŒndigten Manöver ging er in einem Statement am Montagabend in Paris nicht ein. Er sprach lediglich davon, dass die Koalition der Willigen bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine "wichtige Rolle" zu spielen in enger Zusammenarbeit mit den USA.
Macrons letzte MilitĂ€rparade in seiner Amtszeit war mit fast 6.800 beteiligten Soldatinnen und Soldaten nach Angaben des ĂlysĂ©e-Palasts so groĂ wie nie zuvor. Auch die Zahl der beteiligten Fahrzeuge war deutlich gröĂer als sonst. Abbilden sollte die Parade im XXL-Format auch Frankreichs gesteigerte Verteidigungsausgaben, die sich seit 2017, als Macron erstmals als PrĂ€sident antrat, verdoppelt haben.
Parade mit europÀischem Akzent
Auch Macrons starkem Bekenntnis zu Europa trug die Parade Rechnung - dass am Nationalfeiertag derart viele Truppen aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern ĂŒber die Champs-ĂlysĂ©es marschieren, ist nicht jedes Jahr der Fall. Deutschland war mit vier Flugzeugen sowie 21 Soldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt an der Parade beteiligt. Das Bataillon untersteht der Deutsch-Französischen Brigade.
Von den Kommentatoren des französischen Fernsehens, das die Parade jeweils in ganzer LĂ€nge direkt ĂŒbertrĂ€gt, wurden die deutschen Soldaten beim Durchmarsch vor der EhrentribĂŒne mit derselben WertschĂ€tzung angekĂŒndigt, wie alle anderen auslĂ€ndischen Truppen. Dabei waren deutsche Soldaten am 14. Juli 1994 zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder an einer MilitĂ€rparade auf französischem Boden beteiligt. Frankreichs damaliger PrĂ€sident François Mitterrand wollte damit ein Zeichen fĂŒr die deutsch-französische Aussöhnung setzen.
