Trump entmachtet Maduro und will Venezuela fĂŒhren
03.01.2026 - 22:23:53(Aktualisierung: Venezuelas VizeprĂ€sidentin RodrĂguez und Statement Merz)
WASHINGTON/CARACAS (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump forciert den Machtwechsel in Venezuela - auch mit militĂ€rischer Gewalt. Die USA griffen auf Befehl Trumps das ölreiche sĂŒdamerikanische Land in der Nacht zum Samstag an. Spezialeinheiten nahmen wĂ€hrend der Operation "Absolute Resolve" ("Absolute Entschlossenheit") Venezuelas PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro und dessen Frau Cilia Flores fest. Beide sind auf einem US-Kriegsschiff auf dem Weg nach New York, wo ihnen wegen VorwĂŒrfen des "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden soll.
"Wir werden das Land so lange fĂŒhren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemĂ€Ăen und umsichtigen Ăbergang gewĂ€hrleisten können", sagte Trump vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida.
Trump: Venezuelas VizeprÀsidentin will Zusammenarbeit
Bei dem US-Angriff um 2.00 Uhr (Ortszeit) am Morgen kamen nach Regierungsangaben aus Caracas Soldaten und Zivilisten ums Leben. "Wir verurteilen diesen Angriff auf unser Volk, der Beamten, Soldaten, Unschuldigen und Zivilisten das Leben gekostet hat", sagte Venezuelas VizeprĂ€sidentin Delcy RodrĂguez im Staatsfernsehen.
Trump sagte, Rodriguez sei zur Zusammenarbeit mit den USA bereit. "Wir haben gerade ein GesprĂ€ch mit ihr gefĂŒhrt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir fĂŒr notwendig halten, um Venezuela wieder groĂ zu machen, ganz einfach", sagte Trump. "Ich finde, sie war sehr zuvorkommend, aber sie hat wirklich keine andere Wahl."
RodrĂguez forderte etwas spĂ€ter die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Ehefrau. Die VizeprĂ€sidentin, die laut Verfassung bei einem Ausfall des Staatschefs bis zu Neuwahlen die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbernehmen soll, nannte Maduro den "einzigen PrĂ€sidenten" von Venezuela und den US-Angriff einen "schrecklichen Fleck" in den bilateralen Beziehungen. "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte sie und bezeichnete den Angriff einen VerstoĂ gegen die UN-Charta.
FriedensnobelpreistrÀgerin: Gonzålez soll PrÀsident werden
Nach der Verfassung mĂŒsste RodrĂguez bei einem Ausfall des Staatschefs bis zu Neuwahlen die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbernehmen. Als AuĂenministerin (2014-2017) prĂ€gte RodrĂguez den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als VizeprĂ€sidentin fortsetzte.
FriedensnobelpreistrĂ€gerin MarĂa Corina Machado fordert nach der Festnahme Maduros die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo GonzĂĄlez Urrutia als Nachfolger. Er habe die PrĂ€sidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmĂ€Ăiges Amt nun unverzĂŒglich antreten, heiĂt es in einer auf der Plattform X veröffentlichten Mitteilung Machados.
Trump: Haben keine Angst vor US-Truppen in Venezuela
Trump machte klar, dass die USA auch militĂ€risch bereit seien, ihre Interessen in Venezuela durchzusetzen. "Wir haben keine Angst vor Bodentruppen. Und wir mĂŒssen welche haben, wir hatten vergangene Nacht Bodentruppen vor Ort. Wir werden sicherstellen, dass dieses Land ordnungsgemÀà regiert wird", sagte er.
US-AuĂenminister Marco Rubio betonte, der durch US-Spezialeinheiten gefasste venezolanische Staatschef NicolĂĄs Maduro habe die Wahl gehabt. "Er hĂ€tte jetzt woanders leben und sehr glĂŒcklich sein können, aber stattdessen wollte er den starken Mann spielen." Gegen Maduro lag ein US-Haftbefehl vor. Laut Justizministerin Pam Bondi werden Maduro und seiner Frau unter anderem "Verschwörung zum Drogenterrorismus" sowie "Verschwörung zum Kokainimport" vorgeworfen.
FĂŒr die USA war Maduro zu Unrecht an der Macht
Nach seiner von BetrugsvorwĂŒrfen ĂŒberschatteten Wiederwahl 2024 erkannte die Regierung in Washington den Linkspolitiker nicht mehr als rechtmĂ€Ăigen Staatschef an. Wegen der mutmaĂlichen DrogengeschĂ€fte Maduros setzten die USA fĂŒr Informationen, die zu seiner Festnahme fĂŒhren, eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) aus.
US-AuĂenminister Marco Rubio rechtfertigte ein Einsatz. Die MaĂnahmen seien "zum Schutz und zur Verteidigung" derer, die den Haftbefehl gegen Maduro vollstreckten, nötig gewesen.
Nach Darstellung des Juristen Kai Ambos haben die USA damit gegen das Völkerrecht verstoĂen. Vom WDR zu dem Vorgehen befragt, sagte Ambos: "Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei RechtfertigungsgrĂŒnde fĂŒr Anwendung militĂ€rischer Gewalt gibt." Nach Worten des Professors der Uni Göttingen sind dies entweder Selbstverteidigung oder ein Mandat der Vereinten Nationen. Ăhnlich Ă€uĂerte sich die Professorin der Notre Dame Law School im US-Bundesstaat Indiana, Mary Ellen O'Connell. Sie sprach von Kidnapping.
Trump: Machen Venezuela "reich, unabhÀngig und sicher"
Laut Trump sollen groĂe US-Ălkonzerne nun Milliarden Dollar investieren, um die nach seinen Worten "schwer beschĂ€digte" venezolanische Ăl-Infrastruktur zu modernisieren. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhĂ€ngig und sicher" machen. Millionen Venezolaner im Exil - auch in den USA - wĂŒrden von den geplanten MaĂnahmen profitieren.
Die venezolanische Regierung warf den USA eine Verletzung der Charta der Vereinten Nationen vor. Ziel der USA sei es, sich die BodenschĂ€tze - wie die groĂen Ălvorkommen - Venezuelas anzueignen und eben einen Regierungswechsel zu erzwingen. "Das wird ihnen nicht gelingen", hieĂ es in der Mitteilung.
Elite-Spezialeinheit Delta Force im Einsatz
Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf US-Beamte, Maduro sei von der US-Elite-Spezialeinheit Delta Force gefangen genommen worden. Die Luftangriffe richteten sich Berichten zufolge vor allem gegen MilitĂ€rstĂŒtzpunkte, FlugplĂ€tze, Kommunikationsanlagen und HĂ€fen. Unter anderem wurde auch Fuerte Tiuna - die wichtigste MilitĂ€rbasis des Landes - in Caracas angegriffen worden sein.
In venezolanischen Medien und sozialen Netzwerken waren Aufnahmen von Explosionen und RauchsĂ€ulen in der Hauptstadt zu sehen. Ein Video des Senders VPItv zeigte, wie mehrere Hubschrauber ĂŒber die nĂ€chtliche Stadt fliegen. Nahe dem PrĂ€sidentenpalast Miraflores waren gepanzerte Fahrzeuge der SicherheitskrĂ€fte zu sehen.
Bundesregierung verfolgt Situation "mit gröĂter Sorge"
VerbĂŒndeten der USA hielten sich mit einer Bewertung der VorgĂ€nge zunĂ€chst zurĂŒck. "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit", Ă€uĂerte sich etwa Bundeskanzler Friedrich Merz. GrundsĂ€tzlich mĂŒssten im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten. "Jetzt darf in Venezuela keine politische InstabilitĂ€t entstehen. Es gilt, einen geordneten Ăbergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung zu gewĂ€hrleisten." Merz sagte weiter, NicolĂĄs Maduro habe sein Land ins Verderben gefĂŒhrt.
Das AuswĂ€rtige Amt weitete die Reisewarnung fĂŒr Venezuela aus. "FĂŒr ganz Venezuela gilt nun eine Reisewarnung", teilte eine Sprecherin mit. "Deutsche Staatsangehörige im Land sind aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben."

