APA Höhere ZinssĂ€tze bewirken RĂŒckgang im KreditgeschĂ€ft - BILD
04.04.2024 - 10:53:34Aktuelle Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigen, dass im Jahr 2023 die Kredit- und EinlagenzinssĂ€tze der österreichischen Banken weiter anstiegen. Dies fĂŒhrte zu einem RĂŒckgang im KreditgeschĂ€ft mit Kunden. Bei privaten Haushalten gingen insbesondere Kredite fĂŒr Wohnbauzwecke im Jahresvergleich um -2,6% auf 131 Mrd. EUR zurĂŒck, nachdem sie in den vergangenen Jahren ĂŒberdurchschnittlich stark gewachsen waren. Die höheren Marktzinsen schlugen stark auf die variabel verzinsten Wohnbaukredite durch, was zu vermehrten Umschichtungen hin zu fix verzinsten Krediten fĂŒhrte. Bei Einlagen sind bereits bei kurzer Bindung deutlich höhere ZinssĂ€tze lukrierbar, was viele Ăsterreicherinnen und Ăsterreicher dazu bewog, ihre Einlagen in gebundene Sparprodukte umzuschichten.
Im Rahmen einer Pressekonferenz erlĂ€uterte OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber, dass sich die EZB-Leitzinsanhebungen deutlich auf die MarktzinssĂ€tze im Einlagen- und KreditgeschĂ€ft der Banken ĂŒbertrugen: "Die Leitzinsanhebungen der EZB waren der bestimmende Faktor fĂŒr die Entwicklung der MarkzinssĂ€tze im letzten Jahr, sowohl auf der Einlagenseite als auch im KreditgeschĂ€ft." Im NeugeschĂ€ft mit privaten Haushalten und den Unternehmen erreichten die ZinssĂ€tze Ende 2023 sowohl bei Krediten (November: 5,10 %) als auch bei Einlagen (Oktober: 3,66 %) die höchsten Niveaus seit der Finanzkrise 2008. Seitdem sanken die KreditzinssĂ€tze im JĂ€nner 2024 leicht auf 4,99 % und die EinlagenzinssĂ€tze auf 3,48 %.
Im Zuge der gestiegenen Kreditzinsen ging das Wachstum von Kundenkrediten (mit Unternehmen und Haushalten) im Jahr 2023 stark zurĂŒck und betrug im JĂ€nner 2024 nur mehr 0,1 %. WĂ€hrend das Kreditwachstum bei Unternehmen weiterhin im positiven Bereich (2,0 %) lag, kam es bei privaten Haushalten erstmals seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1998 zu einer rĂŒcklĂ€ufigen Entwicklung (-1,8 %).
"Die rĂŒcklĂ€ufige Entwicklung von Krediten privater Haushalte ist insbesondere auf Wohnbaukredite zurĂŒckzufĂŒhren, welche sich in Ăsterreich im vergangenen Jahr um -2,6 % auf 131 Mrd EUR reduzierten," ergĂ€nzte Vize-Gouverneur Gottfried Haber. WĂ€hrend diese in den vergangenen Jahren ĂŒberdurchschnittlich stark gewachsen waren, kam es aufgrund der gestiegenen Zinsniveaus und der daraus resultierenden schwierigeren Finanzierbarkeit seit der Zinswende zu deutlichen RĂŒckgĂ€ngen bei den Neukreditvergaben. Das Volumen neu vergebener Wohnbaukredite an private Haushalte erreichte mit 10,4 Mrd EUR (verglichen mit 23,2 Mrd EUR im Jahr 2022) den geringsten Wert seit 2011. Gottfried Haber verweist darauf, dass diese markanten Reduktionen auch im gesamten Euroraum zu beobachten waren.
Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik in der OeNB, ging in weiterer Folge auf die ZinssĂ€tze fĂŒr Wohnbaukredite ein. "Variable Verzinsung bei neuen Krediten ist aktuell teurer als mit Bindung," erlĂ€uterte er. Der durchschnittliche Zinssatz eines neu vergebenen variablen Wohnbaukredites lag im JĂ€nner 2024 bei 4,34 %, jener fĂŒr neue gebundene Kredite bei 4,02 %. Bei der Verzinsung des aushaftenden Kreditbestandes schlugen die höheren Marktzinsen bei österreichischen Wohnbaukreditnehmern aufgrund des weiterhin ĂŒberdurchschnittlich hohen Anteils variabel verzinster Kredite stark durch. "Die Ăsterreicher reagierten jedoch auf die steigenden variablen ZinssĂ€tze und schichteten ihre bestehenden variablen Kredite in Produkte mit lĂ€ngeren Zinsbindungsfristen um," erlĂ€uterte Johannes Turner. Waren 2018 mit 73 % der aushaftenden Wohnbaukredite noch rund drei Viertel variabel verzinst, so ging dieser Wert bis Ende 2023 kontinuierlich auf 43 % zurĂŒck. Somit wiesen am aktuellen Rand bereits 57 % der bestehenden Wohnbaukredite einen (ĂŒber ein Jahr) gebundenen Zinssatz auf.
Auf der Einlagenseite legten die ZinssĂ€tze im NeugeschĂ€ft im Jahr 2023 deutlich zu. Von Privaten neu abgeschlossene Einlagen mit vereinbarter Laufzeit erreichten im Oktober 2023 mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,52 % den höchsten Wert seit 2008. Seither ist (wie bei den KreditzinssĂ€tzen) ein leichter RĂŒckgang zu erkennen. Im JĂ€nner 2024 belief sich der Wert auf 3,18 %, wobei man bereits fĂŒr kurze Bindung deutlich höhere Zinsen (3,25% fĂŒr 1 Jahr) als fĂŒr tĂ€glich fĂ€llige Spareinlagen (1,75 %) erzielen konnte. Folglich nahm auch die Nachfrage privater Haushalte nach gebundenen Einlagen stark zu, wĂ€hrend tĂ€glich fĂ€llige Einlagen abgebaut wurden. Insgesamt wurden im Jahr 2023 von österreichischen Haushalten 54,8 Mrd EUR neue gebundene Einlagen bei inlĂ€ndischen Banken veranlagt. Dies war der höchste Wert seit 2013.
Neben den statistischen Daten ist ein ĂŒbersichtlicher Marktvergleich ĂŒber Sparprodukte ohne Bedingung mit der Transparenzplattform auf der Homepage der OeNB möglich. Diese zeigt die tagesaktuellen Zinskonditionen fĂŒr derzeit rund 370 österreichische Banken und ist ĂŒber folgenden Link erreichbar: https:/www.oenb.at/Statistik/sparzinsen-oesterreich.html
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
RĂŒckfragehinweis: Statistik Hotline Tel.: +43-1-404 20-5555 Statistik.hotline@oenb.at
Pressesprecherin Mag. Maria-Elisabeth Faulmann Tel.: +43-1-404 20-6900 maria-elisabeth.faulmann@oenb.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0074 2024-04-04/10:47

