Alibaba Aktie: Anthropic-Bann im Büro
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 10:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Alibaba zieht die Reißleine bei einem der populärsten KI-Coding-Tools der Branche. Ab dem 10. Juli dürfen Mitarbeiter Claude Code, den Programmier-Assistenten von Anthropic, nicht mehr in Firmenumgebungen nutzen. Der Grund: angebliche Sicherheitsrisiken durch eingebaute Hintertüren.
Die Entscheidung folgt einem Bericht des chinesischen Finanzmediums Yicai, das genau solche "Backdoor"-Risiken in dem Tool identifiziert haben will. Alibaba selbst hat sich zu den Details bislang nicht öffentlich geäußert.
Ein Konflikt mit Vorgeschichte
Der Bann kommt nicht aus dem Nichts. Zwischen Alibaba und Anthropic brodelt es schon seit einigen Wochen. Anthropic hatte im Juni Vorwürfe erhoben, wonach Alibaba-nahe Akteure und die hauseigene KI-Einheit Qwen über gefälschte Accounts systematisch versucht haben sollen, Fähigkeiten aus den Claude-Modellen zu extrahieren. Alibaba hat diese Anschuldigungen bislang nicht kommentiert.
Der Streit fügt sich in ein größeres Bild wachsender Kontrolle rund um KI-Modelle ein. Erst vergangene Woche hatte die US-Regierung den Zugang zu Anthropics Spitzenmodellen für eine begrenzte Gruppe vertrauenswürdiger Organisationen wieder freigegeben, nachdem sie zuvor aus Gründen der nationalen Sicherheit eingeschränkt worden war. Cross-Border-Zugriffe auf KI-Modelle stehen damit branchenweit stärker unter Beobachtung.
Für Alibaba hat das Thema auch strategische Relevanz. Der Konzern hat massiv in die eigene Qwen-Modellfamilie investiert, um sich im Wettbewerb mit DeepSeek, Tencent und Baidu zu behaupten. Ein interner Bann von Konkurrenz-Tools wie Claude Code passt in dieses Bild einer zunehmend abgeschotteten KI-Strategie chinesischer Tech-Konzerne.
An der Börse in Hongkong reagierten die Alibaba-Aktien zunächst leicht schwächer und blieben damit hinter dem breiteren Hang-Seng-Index zurück, der an diesem Tag deutlicher zulegte. Der Bann selbst betrifft zunächst nur interne Arbeitsabläufe – ob und wie sich der Konflikt mit Anthropic auf die Qwen-Entwicklung oder internationale Partnerschaften auswirkt, bleibt vorerst offen.
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