Alkohol, Arbeitsplatz

Alkohol am Arbeitsplatz: 2,16 Millionen Deutsche sind abhÀngig

27.04.2026 - 01:16:49 | boerse-global.de

2,16 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhĂ€ngig. Die DHS fordert stĂ€rkere PrĂ€vention am Arbeitsplatz und neue Strategien fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte.

Alkohol am Arbeitsplatz: 2,16 Millionen Deutsche sind abhĂ€ngig - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Alkohol am Arbeitsplatz: 2,16 Millionen Deutsche sind abhĂ€ngig - Foto: ĂŒber boerse-global.de

** Rund 2,16 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhĂ€ngig, weitere 1,7 Millionen konsumieren missbrĂ€uchlich. Mit 10,6 Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr liegt die Bundesrepublik weit ĂŒber dem europĂ€ischen Durchschnitt.

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Alkoholpolitik nur den vorletzten Platz unter 18 untersuchten LĂ€ndern. Dr. Carolin Kilian, Mitautorin des „Jahrbuch SUCHT 2026", mahnt: BewĂ€hrte Maßnahmen konsequent umgesetzt, könnten Konsum und Folgekosten deutlich senken.

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Unternehmen zahlen die Zeche

FĂŒr die Wirtschaft sind die Folgen massiv. Rund 20 Prozent aller ArbeitsunfĂ€lle gehen auf Alkoholeinfluss zurĂŒck. Suchtbedingte Fehlzeiten kosten jĂ€hrlich ĂŒber 57 Milliarden Euro – ein Großteil davon entfĂ€llt auf ProduktivitĂ€tsverluste.

Die DHS fordert daher eine stĂ€rkere Verankerung der SuchtprĂ€vention im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). FĂŒhrungskrĂ€fte sollen frĂŒhzeitig auf Warnsignale reagieren.

Neue Strategie fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte

Bereits Ende 2025 veröffentlichte die DHS eine ĂŒberarbeitete Praxishilfe fĂŒr Vorgesetzte. Das Handbuch, entwickelt mit der DAK-Gesundheit, verknĂŒpft SuchtprĂ€vention enger mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM).

Dr. Francesca Borlak, Suchtmedizinerin und Mitautorin, stellt klar: „Es gibt keine medizinisch unbedenkliche Menge Alkohol." FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen auffĂ€lliges Verhalten wie sinkende Leistung oder hĂ€ufige Kurzzeitfehlzeiten frĂŒhzeitig ansprechen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Azubis. Das Rauschtrinken bei jungen Erwachsenen hat nach der Pandemie wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Spezielle Kapitel in der Handreichung sollen Betrieben helfen, bereits zum Berufsstart ein Bewusstsein fĂŒr Suchtrisiken zu schaffen.

Psychische Erkrankungen steigen

Die Diskussion wird durch aktuelle Krankenstandsdaten befeuert. BeschÀftigte waren 2025 durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgeschrieben. Psychische Erkrankungen legten um 6,9 Prozent zu.

DAK-Chef Andreas Storm fordert einen „Krankenstands-Gipfel" im Kanzleramt. Sein Vorschlag: Teilkrankschreibungen nach skandinavischem Vorbild.

Suchtexperten sehen einen direkten Zusammenhang: Alkohol wird oft als vermeintliches Stressmittel eingesetzt. In einer Arbeitswelt mit steigendem Leistungsdruck wÀchst das AbhÀngigkeitsrisiko.

Das Homeoffice-Problem

Hybride Arbeitsstrukturen verschĂ€rfen die Situation. Im Homeoffice fehlt die soziale Kontrolle – Kollegen bemerken weder Alkoholfahne noch VerhaltensĂ€nderungen. Die notwendige Intervention verzögert sich oft um Jahre.

Moderne BGM-Konzepte setzen daher auf digitale Screenings und KI-gestĂŒtzte Analysen. FĂŒhrungskrĂ€fte sollen als Gesundheitsmultiplikatoren agieren, nicht als Kontrolleure. Ziel: Eine Unternehmenskultur, in der offen ĂŒber Sucht gesprochen werden kann.

Paradigmenwechsel in der Suchthilfe

Der DHS-Bericht markiert einen Wendepunkt. Sucht am Arbeitsplatz galt lange als Privatsache. Heute fordern Experten einen prÀventiven Ansatz statt reaktiver Krisenintervention.

Die aktualisierte DGUV Information 206-009 (Mai 2025) liefert klare Handlungsempfehlungen. Arbeitgeber sind im Rahmen ihrer FĂŒrsorgepflicht in der Verantwortung. Ein reines Alkoholverbot reicht nicht – flankierende Beratungsangebote und Schulungen fĂŒr Vorgesetzte sind nötig.

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Aktionswoche Alkohol 2026

Vom 13. bis 21. Juni findet die 10. bundesweite „Aktionswoche Alkohol" statt. Motto: „Alkohol? Weniger ist besser!" Geplant sind Informationsveranstaltungen und Aktionstage in Unternehmen.

Niedrigschwellige Formate wie Saftbars in Kantinen oder Rauschbrillen zur Simulation von BeeintrÀchtigungen sollen GesprÀchsanlÀsse schaffen. Die Organisatoren erwarten eine Rekordbeteiligung.

Der Druck auf die Politik dĂŒrfte angesichts der neuen Datenlage weiter steigen. Die DHS fordert Steuererhöhungen und Werbeverbote fĂŒr Alkohol.

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