Alkoholfreies Bier allein kann Brauereien nicht retten
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:12 Uhr | dpa.deIn der ersten HÀlfte des laufenden Jahres haben sie mit 3,85 Milliarden Litern noch einmal 2,2 Prozent weniger Bier verkaufen können als im ohnehin schon sehr schwachen Vorjahr. Im Inland ist der Absatz trotz eines leichten Aufschwungs im Juni noch stÀrker um 3,1 Prozent abgesackt, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.
Die energieabhÀngige Branche kÀmpft seit Jahren mit sich Àndernden Konsumgewohnheiten und steigenden Kosten. Nach EinschÀtzung von Veltins-Chef Volker Kuhl steckt sie in einer "manifesten Strukturkrise".
Der Manager des westfĂ€lischen GroĂbrauers rechnet mit einer fortgesetzten Pleitewelle: "Die Betriebsaufgaben werden sich hĂ€ufen, weil dem Bierbrauen in vielen technisch lĂ€ngst ĂŒberholten BraustĂ€tten die Wirtschaftlichkeit verloren geht. Das Ergebnis: Es sind mehr denn je SanierungsfĂ€lle zu beobachten, die immer hĂ€ufiger in Insolvenzen mĂŒnden."
Gefloppte FuĂball-WM
Weil auch die enttĂ€uschend verlaufene FuĂball-Weltmeisterschaft sich fĂŒr die meisten Brauereien zum Flop entwickelt hat, bleibt als wichtigster HoffnungstrĂ€ger das alkoholfreie Bier. Laut Brauerbund hat es inzwischen einen Marktanteil von 11 Prozent am gesamten Bierkonsum erreicht.
750 Millionen Liter bedeuteten im vergangenen Jahr einen Rekord und einen Zuwachs um 7,6 Prozent. Sie werden nicht in der amtlichen Steuerstatistik erfasst. "Alkoholfreie Biere sind lÀngst kein Nischenprodukt mehr, sondern ein zentraler Wachstumstreiber unserer Branche", jubelt Brauer-Bund-PrÀsident Christian Weber.
Laut einer Yougov-Umfrage punktet alkoholfreies Bier vor allem im gesundheitlichen Kontext: Beim oder nach dem Sport wird es doppelt so hÀufig getrunken wie alkoholhaltiges Bier.
Vor allem jĂŒngere Menschen schĂ€tzen nach der körperlichen BetĂ€tigung die gebrauten Durstlöscher ohne Alkohol: 21 Prozent der Befragten aus der "Generation Z" (JahrgĂ€nge 1997-2012) sowie 19 Prozent der Millennials (1981-1996) nannten aktiven Sport als Trinkanlass. Ăber alle Befragten hinweg lag der Anteil bei 16 Prozent.
Kein Kasten in der dritten Halbzeit
Zu alkoholhaltigem Bier greifen beim oder nach dem Sport hingegen nur 8 Prozent der befragten Biertrinkerinnen und Biertrinker. Der berĂŒhmt-berĂŒchtigte Bierkasten in der dritten Halbzeit gehört offenbar fĂŒr immer weniger aktive Sportler noch zwingend dazu.
Doch können die alkoholfreien Sorten die Brauereien retten? Veltins-Chef Kuhl glaubt nicht daran. Die Konsumlaune sei im Keller, und der Markt schrumpfe gnadenlos weiter. "Die ZuwĂ€chse bei alkoholfreiem Bier gleichen im Handel im ersten Halbjahr gerade mal 7,6 Prozent der Absatzverluste bei den ĂŒbrigen Biersorten aus."
Frauen trinken mehrheitlich gar kein Bier
In der Yougov-Umfrage erklĂ€rten zudem 44 Prozent der Befragten, dass sie ĂŒberhaupt kein Bier trinken. Bei den Frauen war es sogar eine Mehrheit von 52 Prozent. Von den MĂ€nnern gaben 36 Prozent an, nie Bier zu trinken.
Unter den verbleibenden mehr als 1.300 Befragten sind Treffen mit Freunden oder Familie (55 Prozent), Feiern oder Partys (50 Prozent), Essen (50 Prozent), Urlaub (41 Prozent) oder Veranstaltungen (33 Prozent) hÀufig genannte AnlÀsse, Bier mit Alkohol zu trinken.
Alkoholfreie Sorten werden hier jeweils etwas seltener genannt. Nahezu ausgeglichen ist hingegen die Wahl der Biersorte nach der Arbeit und zum Feierabend, wo alkoholfreies Bier nahezu gleichgezogen hat. FĂŒr die reprĂ€sentative Umfrage hat Yougov nach eigenen Angaben zwischen dem 6. und 8. Juli 2026 2.119 Menschen online befragt.
