Allianz: Europas Autoindustrie spart an falscher Stelle
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEuropas und Deutschlands Autoindustrie befinden sich nach EinschĂ€tzung der Allianz mit ihrer Sparpolitik auf gefĂ€hrlichem Pfad: Die Unternehmen haben nach Analyse der Allianz-Ăkonomen ihre Investitionen in diesem Jahr um 20 Prozent reduziert, obwohl der technologische RĂŒckstand auf die chinesische Konkurrenz bei Digitalisierung und Batterietechnologie gröĂer zu werden droht.
Hausgemachte Krise
EuropĂ€ische GroĂkonzerne in anderen Branchen haben demnach ihre Investitionen in diesem Jahr um zehn Prozent erhöht. Die Volkswirte des MĂŒnchner Dax-Konzerns DE0008469008 stellen den Chefetagen der heimischen Autoindustrie in der unverblĂŒmt formulierten Studie ein schlechtes Zeugnis aus. Die Hauptursache des Niedergangs sei hausgemacht: Die europĂ€ische Autoindustrie hat ihr Geld demnach in den vergangenen zwei Jahrzehnten fĂŒr die falschen Zwecke ausgegeben. Veröffentlicht wurde die Studie von Allianz Trade, der auf Kreditversicherung spezialisierten Tochter des Versicherungskonzerns.
Zu spÀt in Digitalisierung und Elektrifizierung investiert
Anlass der Veröffentlichung ist die am kommenden Montag beginnende Pariser Autoshow, bei der der Anteil der noch vor wenigen Jahren dominanten europĂ€ischen Aussteller laut Allianz auf nur noch 40 Prozent sinkt. Nach Meinung der Allianz-Ăkonomen haben Europas Autohersteller ihr Kapital zu lang in die hergebrachte Verbrennertechnologie gesteckt sowie fĂŒr kurzfristige Renditen und Dividenden ausgegeben, statt frĂŒhzeitig und mutig in Elektrifizierung und Digitalisierung zu investieren. Technologischer RĂŒckstand, Chinaschock und Markenerosion sind nach EinschĂ€tzung der Allianz-Ăkonomen keine separaten KrisenphĂ€nomene, sondern sĂ€mtlich auf falschen Einsatz des Kapitals zurĂŒckzufĂŒhren.
"Als die Autobauer das Kapital schlieĂlich umgeschichtet haben, um Zukunftsthemen anzugehen, ist es mit der GieĂkanne auf zu viele Vorhaben verteilt worden", sagte Guillaume Dejean, Autofachmann bei Allianz Trade. "Die Kapitalallokation der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ein Bumerang, der jetzt zurĂŒckkommt."
Weitere Marktanteilsverluste drohen
Die Lage der europÀischen Autoindustrie schÀtzen die Allianz-Volkswirte als sehr bedenklich ein: Die Wertschöpfung je in Europa verkauften Autos ist demnach seit 2021/22 um 30 bis 45 Prozent gesunken. Die Marktanteilsverluste in Europa beziffern die Studienautoren auf zehn Prozent, in China etwas geringer auf sieben Prozent. "Schon kleine weitere Marktanteilsverluste könnten erhebliche finanzielle Folgen haben", sagte Milo Bogaerts, der Chef von Allianz Trade in den deutschsprachigen LÀndern. "Verlieren die deutschen Hersteller bis 2030 in Europa und China jeweils weitere drei Prozentpunkte, wÀren rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung gefÀhrdet."
Mahnende Worte richten die Allianz-Ăkonomen auch an die europĂ€ische Politik: Eine Aufweichung des ursprĂŒnglich fĂŒr Neufahrzeuge ab 2035 geplanten Verbrennerverbots ohne verbindlichen Fahrplan birgt demnach die Gefahr, dass die heimischen Autohersteller noch weiter hinter die asiatische Konkurrenz zurĂŒckfallen.
Lichtblick: Der Niedergang ist nicht zwangslÀufig
Die Studie ist nicht ausschlieĂlich dĂŒster, sondern zeigt auch Hoffnungszeichen: Der Niedergang der heimischen Autohersteller lieĂe sich demnach durchaus aufhalten, wenn die Unternehmen klug investierten. Neue UmsĂ€tze könnte demnach vor allem das GeschĂ€ft mit Software und digitalen Dienstleistungen bringen. Und auch aktuell sind europĂ€ische Elektroautos demnach in mancher Hinsicht besser als gedacht: Im Segment unter 50.000 Euro bieten sie demnach sogar ein besseres Preis-Reichweiten-VerhĂ€ltnis als chinesische E-Autos.

