Alphabet, Aktie

Alphabet Aktie: 2,02 Prozent Minus nach Gemini-Delay

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 16:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Verschiebung des KI-Modells Gemini 3.5 Pro kostet Alphabet Marktkapitalisierung, wÀhrend Analysten trotzdem optimistisch bleiben.

Alphabet-Aktie unter Druck: Gemini-Verzögerung belastet
Abstrakte Darstellung des Technologiesektors mit dunklen Farbtönen und subtilen digitalen Elementen, die eine Verzögerung oder einen RĂŒckschlag andeuten. Illustration mit AI erstellt.

5 Pro hat Alphabet in dieser Woche krĂ€ftig Marktkapitalisierung gekostet. Bloomberg berichtete, Google verschiebe den Start des Modells um mehrere Monate, weil die ProgrammierfĂ€higkeiten hinter den internen Zielen zurĂŒckbleiben. Ein aktualisierter Trainingsdatensatz aus dem spĂ€ten Juni habe nicht die erhofften Fortschritte gebracht – Ă€ltere Modellversionen hĂ€tten teils bessere Ergebnisse geliefert als die neue Iteration. Ein Google-Sprecher bestĂ€tigte, dass das Modell weiterhin mit Partnern getestet werde und man sich zusĂ€tzlich mit der US-Regierung ĂŒber Sicherheitsfragen abstimme. Einen neuen Starttermin nannte das Unternehmen nicht.

Als Grund fĂŒr die Verzögerung wird intern auch organisatorische UnĂŒbersichtlichkeit genannt: Mehrere Teams bei Google Cloud, DeepMind, Android und im KonsumentengeschĂ€ft arbeiteten parallel an Ă€hnlichen KI-Programmierwerkzeugen, was Entscheidungen verzögert habe. Zehn aktuelle und ehemalige Mitarbeiter Ă€ußerten laut Bloomberg-Bericht Frustration ĂŒber die Entwicklung, wĂ€hrend Konkurrenten wie OpenAI mit GPT-5.6 Sol, Meta mit Muse Spark 1.1 und die chinesische Firma Moonshot AI mit dem offen zugĂ€nglichen Modell Kimi K3 in den vergangenen Tagen neue, leistungsfĂ€higere Modelle vorgestellt haben. Das ohnehin verfĂŒgbare Gemini 3.5 Flash erhielt gemischte Kritiken.

Kursrutsch trifft auf breite Tech-SchwÀche

Die Alphabet-Aktie schloss am Freitag bei 303,60 Euro und bĂŒĂŸte damit 2,02 Prozent ein. Der Titel notiert nun 5,14 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der kurzfristige Trend sich eingetrĂŒbt hat, auch wenn der Wert gegenĂŒber dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro vom Mai noch moderat entfernt liegt. Der RĂŒckgang reiht sich in eine allgemeine SchwĂ€chephase bei Technologiewerten ein: Der breite Chipsektor rutschte zuletzt in einen BĂ€renmarkt, nachdem der Philadelphia Semiconductor Index gegenĂŒber seinem Rekordhoch von Ende Juni rund ein FĂŒnftel verlor. Auch andere Werte aus der Gruppe der großen Technologiekonzerne gaben ab, wĂ€hrend gleichzeitig Ölpreise wegen der Spannungen zwischen den USA und dem Iran anzogen.

Der Vorstoß von Moonshot AI mit Kimi K3 – einem offen zugĂ€nglichen Modell mit 2,8 Billionen Parametern, das laut Anbieter nahe an die Leistung von Spitzenmodellen aus den USA heranreicht – verschĂ€rfte die NervositĂ€t zusĂ€tzlich. Das Modell wird deutlich gĂŒnstiger angeboten als vergleichbare Angebote etablierter Anbieter und befeuerte damit Sorgen ĂŒber einen Preiskampf im gesamten Sektor der KI-Basismodelle.

Wall Street hÀlt an Kurszielen fest

Trotz des RĂŒckschlags bei Gemini bleibt die Mehrheit der Analysten optimistisch gestimmt. Nach aktuellen Konsensdaten votieren 57 von 64 Analysten fĂŒr Kaufen oder Strong Buy, nur sieben stufen die Aktie mit Halten ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 432 US-Dollar, ein optimistisches Einzelkursziel reicht bis 515 US-Dollar. BMO hob sein Kursziel jĂŒngst auf 455 US-Dollar an und bezeichnete Alphabet als bevorzugten Titel im Sektor. StĂŒtzend wirkt auch das Engagement von Berkshire Hathaway: Die Investmentgesellschaft hat ihre Alphabet-Position von knapp 17,9 Millionen Aktien im dritten Quartal 2025 auf 57,8 Millionen Aktien im ersten Quartal 2026 mehr als verdreifacht – ein Einstieg, den Warren Buffett initiierte und der von Greg Abel autorisiert wurde.

Quartalszahlen am 22. Juli im Fokus

Die eigentliche BewĂ€hrungsprobe steht kommende Woche an: Alphabet legt am 22. Juli nach US-Börsenschluss die Zahlen fĂŒr das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Gewinn pro Aktie von 2,88 US-Dollar, ein Plus von rund 25 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, sowie einen Umsatz von etwa 117 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal hatte Alphabet die Erwartungen deutlich ĂŒbertroffen: Der Gewinn pro Aktie lag bei 5,11 US-Dollar gegenĂŒber einer SchĂ€tzung von 2,63 US-Dollar, wĂ€hrend der Umsatz von Google Cloud um 63 Prozent auf gut 20 Milliarden US-Dollar zulegte. FĂŒr das laufende Jahr hat Alphabet die Investitionsausgaben auf eine Spanne von 175 bis 185 Milliarden US-Dollar angehoben – ein Betrag, der die kĂŒnftige Entwicklung des freien Cashflows deutlich belasten dĂŒrfte. Am Optionsmarkt zeigt sich derzeit eine gewisse Skepsis: Investoren fragen verstĂ€rkt Absicherungen gegen fallende Kurse nach, wĂ€hrend einzelne Marktbeobachter angesichts historischer Muster nach mehrwöchigen Verlustphasen auf eine baldige Erholung setzen.

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