Alphabet Aktie: Rekordquartal, Kurs unter Druck
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Alphabet hat im zweiten Quartal 2026 alle Erwartungen ĂŒbertroffen â und trotzdem ging die Aktie nachbörslich auf Talfahrt. Der Grund liegt nicht in schwachen Zahlen, sondern in der schieren Höhe der Investitionen, die der Konzern fĂŒr den Ausbau seiner KI-Infrastruktur einplant. Wer auf Rekordgewinne gehofft hatte, bekam sie. Wer auf einen entspannten Ausblick gehofft hatte, wurde enttĂ€uscht.
Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar und lag damit deutlich ĂŒber der AnalystenschĂ€tzung von rund 117 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn schoss auf 112,1 Milliarden Dollar von knapp 28,2 Milliarden Dollar im Vorjahr â getrieben vor allem durch Wertsteigerungen bei bilanzierten Beteiligungen, darunter das Engagement an Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX. Der Gewinn je Aktie lag bei 9,11 Dollar und damit weit ĂŒber der KonsensschĂ€tzung von etwa 2,87 Dollar.
Cloud-GeschĂ€ft liefert den gröĂten Schub
Das eigentliche Highlight der Bilanz war erneut die Cloud-Sparte. Sie wuchs um 82 Prozent auf 24,77 Milliarden Dollar â Analysten hatten im Schnitt nur mit rund 22,2 Milliarden Dollar gerechnet. Der Auftragsbestand von Google Cloud stieg auf 514 Milliarden Dollar, wĂ€hrend sich die Geschwindigkeit der Neukundengewinnung nach Angaben von Alphabet mehr als verdoppelte. Bestandskunden gaben laut Konzernangaben ĂŒber 50 Prozent mehr aus, als vertraglich vereinbart war.
Auch das KerngeschĂ€ft mit Suchmaschinen-Werbung zeigt sich robust: Hier stieg der Umsatz um fast 17 Prozent auf 63,3 Milliarden Dollar. Die seit Jahren kursierende Sorge, KI-gestĂŒtzte Konkurrenten könnten Google die Suche streitig machen, hat sich bislang nicht bewahrheitet â der Konzern hat KI-Funktionen stattdessen selbst in die eigene Suche integriert. CEO Sundar Pichai verwies zudem auf die Nutzerzahlen der Gemini-Familie: Die App kommt inzwischen auf 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, fast 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen setzen auf Gemini Enterprise.
Kapitalausgaben schrecken Anleger ab
Der Haken an der starken Bilanz: Alphabet gibt fĂŒr den KI-Ausbau so viel Geld aus wie nie zuvor. Im abgelaufenen Quartal investierte der Konzern 44,9 Milliarden Dollar in Sachanlagen â nahezu doppelt so viel wie die 22,4 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. FĂŒr das Gesamtjahr wurde die Prognose fĂŒr Investitionsausgaben erneut angehoben, von zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar auf nun 195 bis 205 Milliarden Dollar. Erst im FrĂŒhjahr hatte die Spanne noch bei 175 bis 185 Milliarden Dollar gelegen.
Um die Ausgaben zu stemmen, hat Alphabet zusĂ€tzlich 49,6 Milliarden Dollar ĂŒber eine Kapitalerhöhung eingesammelt. Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend nervös aus: Nach einer zunĂ€chst kaum wahrnehmbaren Bewegung rutschte die Aktie nachbörslich zeitweise um mehr als vier Prozent auf rund 326 bis 328 Dollar ab, nachdem der regulĂ€re Handelstag bereits mit einem Minus geendet hatte.
Die Reaktion zeigt ein Muster, das sich in dieser Berichtssaison bei mehreren Tech-Konzernen wiederholt: Starke operative Zahlen reichen an der Börse nicht mehr aus, wenn die InvestitionsplĂ€ne gleichzeitig weiter wachsen. FĂŒr Alphabet bedeutet das konkret, dass der nĂ€chste Quartalsbericht zeigen muss, ob sich die auf ĂŒber 200 Milliarden Dollar anschwellenden Investitionen tatsĂ€chlich in Cloud-Wachstum und SuchumsĂ€tzen niederschlagen.
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