Altersvorsorgedepot, Selbstständige

Altersvorsorgedepot: Selbstständige erhalten Zugang zu neuer staatlicher Rente

26.03.2026 - 00:30:24 | boerse-global.de

Die Bundesregierung reformiert die Altersvorsorge und ermöglicht Selbstständigen ab 2027 steuerbegünstigte Investments mit staatlichen Zulagen von bis zu 540 Euro jährlich.

Altersvorsorgedepot: Selbstständige erhalten Zugang zu neuer staatlicher Rente - Foto: über boerse-global.de
Altersvorsorgedepot: Selbstständige erhalten Zugang zu neuer staatlicher Rente - Foto: über boerse-global.de

Die Bundesregierung öffnet das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot für alle Selbstständigen. Die Koalition einigte sich auf eine umfassende Reform, die das alte Riester-System ablösen soll.

Nach einer entscheidenden Sitzung des Finanzausschusses am Mittwoch steht der Weg frei für eine der größten Sozialreformen der letzten Jahre. Ab 2027 sollen rund vier Millionen Selbstständige erstmals umfassenden Zugang zu den gleichen steuerlichen Vorteilen und Direktzuschüssem erhalten wie Angestellte. Bislang waren Freiberufler, Unternehmer und Soloselbstständige von den meisten staatlich subventionierten Modellen ausgeschlossen, sofern sie nicht pflichtversichert waren.

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Flexibles Depot ersetzt starres Riester-System

Das Herzstück der Reform ist das neue Altersvorsorgedepot. Es handelt sich um ein spezielles Anlagekonto, das steuerbegünstigte Investments in Aktien und ETFs ermöglicht. Der entscheidende Unterschied zum alten Riester-System: Die starre 100-Prozent-Kapitalgarantie fällt weg. Anleger können künftig zwischen Produkten ohne Garantie, mit 80-Prozent- oder der traditionellen 100-Prozent-Garantie wählen.

Für Selbstständige mit schwankenden Einkommen bietet das Depot eine bisher nicht gekannte Flexibilität. Beiträge können angepasst oder pausiert werden. Das angesparte Kapital bleibt innerhalb des zertifizierten Depots mobil und kann zwischen Anbietern übertragen werden, ohne die steuerlichen Vorteile zu verlieren. Als kostengünstige Benchmark für den privaten Markt soll ein „Standard-Depot“ durch eine öffentliche Stelle angeboten werden.

Bis zu 540 Euro staatliche Zulagen pro Jahr

Die direkte staatliche Förderung wurde im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf deutlich aufgestockt. Für die ersten 360 Euro jährlicher Eigenbeiträge springt der Staat nun mit 50 Cent pro eingezahltem Euro ein. Für weitere Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro pro Jahr beträgt die Förderquote 25 Cent pro Euro.

Wer die maximale geförderte Summe von 1.800 Euro im Jahr einzahlt, erhält damit 540 Euro an staatlichen Zulagen. Ein starkes Signal setzt die Reform für Familien: Es gibt einen Kinderbonus von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Die Hürde hierfür wurde gesenkt – der volle Bonus steht bereits bei einem Eigenbeitrag von nur 25 Euro monatlich zur Verfügung.

Gleichzeitig senkt die Regierung die Kostenobergrenze für Standardprodukte von 1,5 auf 1 Prozent pro Jahr. Verbraucherschützer begrüßen diese Maßnahme als Schutz vor den hohen Verwaltungskosten, die bei Riester-Verträgen oft die staatlichen Zulagen auffraßen.

Steuerliche Attraktivität und Marktwende erwartet

Steuerlich folgt das Depot dem „EET“-Prinzip: Einzahlungen sind als Sonderausgaben absetzbar, Erträge in der Ansparphase bleiben steuerfrei. Erst bei der Auszahlung wird das Kapital versteuert – meist in einer Lebensphase mit niedrigerem Steuersatz.

Rechtsexperten erwarten, dass das neue Depot für die Mehrheit der Selbstständigen zur ersten Wahl wird. Es bietet mehr Flexibilität als die Basisrente (Rürup) und keine Verpflichtung zu einer lebenslangen Rentenzahlung. Auszahlungen können bis zum 85. Lebensjahr geplant werden.

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Die Reaktionen aus der Finanzbranche sind gemischt. Während der Deutsche Kreditwirtschaftsverband die Einbeziehung der Selbstständigen begrüßt, warnt er vor dem staatlichen „Standard-Depot“ als unliebsamer Konkurrenz. Analysten sagen eine Marktbereinigung voraus. Der Kostendeckel begünstigt digitale Anbieter und große Asset-Manager. Traditionelle Versicherer dürften mit ihren Strukturen schwer konkurrieren können.

Start zum 1. Januar 2027 geplant

Nach der finalen Abstimmung im Bundestag diese Woche und der Zustimmung des Bundesrates beginnt eine Übergangsphase. Banken, Neo-Broker und Versicherer haben 2026 Zeit, ihre neuen Depot-Produkte zu entwickeln und zertifizieren zu lassen.

Ab dem 1. Januar 2027 können die ersten Depots eröffnet werden. Bestehende Riester-Sparer haben die Option, ihr Kapital zu übertragen, müssen dabei aber den Verlust der Kapitalgarantie gegen die höhere Ertragschance abwägen.

Für die Selbstständigen in Deutschland ist die Reform mehr als ein neues Finanzprodukt. Sie ist eine lang überfällige Anerkennung ihrer Rolle in der Wirtschaft und ein entscheidender Schritt, die historische Rentenlücke zu schließen, die viele Freiberufler im Alter verwundbar gemacht hat.

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