Amazon Aktie: Senat prüft China-Vorwürfe
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Amazon bekommt es an mehreren Fronten gleichzeitig mit Druck zu tun. Während der US-Senat mögliche chinesische Einflussnahme auf den Amazon-Marktplatz untersucht, baut der Konzern parallel weiter Stellen ab — ausgerechnet in seiner Zukunftssparte für künstliche Intelligenz. Für Anleger ergibt sich damit ein Bild aus regulatorischem Gegenwind und internem Umbau, kurz vor den Quartalszahlen.
Ermittlungen wegen Bestechungsvorwürfen
Republikanische Mitarbeiter des Senatsausschusses für kleine Unternehmen untersuchen, ob chinesische Einflussnahme auf Amazons Online-Marktplatz zu Fehlverhalten geführt hat. Die Ermittler sprechen von "überzeugenden Beweisen", ohne bislang konkrete Ergebnisse offenzulegen. Hintergrund ist ein mutmaßliches Bestechungsnetzwerk: Amazon-Mitarbeiter in China sollen Zahlungen von Drittanbietern angenommen haben, um deren Angebote auf der Plattform zu bevorzugen.
Ein Zeuge aus Staten Island, selbst Verkäufer auf der Plattform, will Gesprächsaufzeichnungen mit einem Mittelsmann vorgelegt haben, der Kontakte zu Amazon-Mitarbeitern in China für Geld angeboten habe. Brisant ist der Vorwurf vor allem deshalb, weil Drittanbieter rund 60 Prozent aller auf Amazon verkauften Produkte stellen — viele Händler beklagen seit Jahren willkürliche Kontosperrungen und kaum Möglichkeiten, sich gegen solche Entscheidungen zu wehren. Die Untersuchung reiht sich ein in eine wachsende Liste an Kartell- und Verbraucherschutzverfahren in den USA und Europa, die Amazon bislang zurückgewiesen hat.
Stellenabbau in der KI-Sparte
Fast zeitgleich bestätigte Amazon Kürzungen in der Abteilung für künstliche generelle Intelligenz (AGI), die an Basismodellen, Chipentwicklung und Quantencomputing arbeitet. Zur genauen Zahl der Betroffenen äußerte sich der Konzern nicht. Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt mit einer schärferen Fokussierung auf Projekte, die für Kunden am meisten zählten.
Der Umbau ist Teil einer längeren Entwicklung: Seit Oktober vergangenen Jahres hat Amazon mehr als 30.000 Stellen abgebaut, davon allein 16.000 im Januar. In der AGI-Führung gab es zuletzt mehrfach Wechsel — zunächst verließ KI-Chef Rohit Prasad das Unternehmen, im Februar folgte Labor-Leiter David Luan. Die Gruppe steht inzwischen unter der Leitung von Cloud-Veteran Peter DeSantis, der einräumte, Amazons Modelle lägen bei den anspruchsvollsten Anwendungen noch nicht an der Spitze des Feldes.
Der Stellenabbau kontrastiert mit den Investitionsplänen: Amazon hat für dieses Jahr Investitionsausgaben von 200 Milliarden Dollar angekündigt, ein Anstieg von mehr als 50 Prozent gegenüber 2025, und nimmt dafür zusätzlich Anleihen über mehrere Milliarden Dollar auf. Der Konzern kürzt also Personal in der KI-Forschung, während er gleichzeitig massiv in die dafür nötige Infrastruktur investiert.
Kommende Woche legt Amazon seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Dann dürfte sich zeigen, wie der Konzern die milliardenschweren KI-Investitionen gegenüber den parallel laufenden Sparmaßnahmen und den wachsenden regulatorischen Baustellen rechtfertigt.
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