Amazon, Schweizer

Amazon kauft Schweizer Roboter-Firma für letzte Meile

23.03.2026 - 00:00:13 | boerse-global.de

Amazon setzt mit der Übernahme des Schweizer Start-ups RIVR auf hybride Laufroboter, um die komplexe letzte Meile der Paketzustellung zu automatisieren und die Effizienz zu steigern.

Amazon kauft Schweizer Roboter-Firma für letzte Meile - Foto: über boerse-global.de
Amazon kauft Schweizer Roboter-Firma für letzte Meile - Foto: über boerse-global.de

Amazon automatisiert die Paketzustellung mit einem strategischen Zukauf. Der E-Commerce-Riese übernimmt das Zürcher Unternehmen RIVR, um seine Lieferroboter auf Beine zu stellen.

Der Deal, der am 19. März 2026 bestätigt wurde, markiert eine strategische Wende. Statt auf klassische Rollroboter setzt Amazon künftig auf hybride Laufmaschinen. Diese sollen die komplexe „letzte Meile“ bis zur Haustür meistern – inklusive Bordsteine und Treppen.

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Vom Investor zum Eigentümer: Amazons langer Weg zu RIVR

Die Übernahme ist der Höhepunkt einer mehrjährigen Beziehung. Bereits Ende 2024 beteiligte sich der Amazon Industrial Innovation Fund gemeinsam mit Bezos Expeditions mit 22,2 Millionen Euro an einer Finanzierungsrunde für das Start-up. Der endgültige Kaufpreis wurde nicht offengelegt. Marktbeobachter schätzen, dass der Wert die zuletzt private Bewertung von rund 100 Millionen Euro deutlich übersteigt.

Dieser Schritt folgt auf die Einstellung von Amazons eigenem Lagerroboter-Projekt „Blue Jay“ Anfang des Jahres. Während Blue Jay die Effizienz in den Logistikzentren steigern sollte, zielt RIVR auf das Kernproblem der Zustellung: die teure und aufwendige „letzte Meile“. Anders als die sechsrädrigen „Scout“-Roboter, die auf flache Gehwege beschränkt waren, basiert RIVRs Technologie auf einer vierbeinigen Plattform. Sie kombiniert die Geschwindigkeit von Rädern mit der Geländegängigkeit von Beinen.

Die Timing ist strategisch. Sie folgt nur Monate nach der Ernennung von Paolo Pirjanian zum Vizepräsidenten für die Automatisierung der letzten Meile. Der früherer Embodied-Chef treibt den Kurswechsel zu „General Physical AI“ voran. Dabei sollen Roboter eigenständig in unvorhersehbaren Umgebungen agieren – nicht nur in kontrollierten Lagerhallen.

Der „Haustür-Gap“: Wie Beine das Problem lösen sollen

Die größte technische Hürde ist seit langem der „Haustür-Gap“ – die letzten 15 Meter zwischen Lieferwagen und Eingangstür. Herkömmliche Roboter scheitern oft an Bordsteinen, steilen Auffahrten und Treppen. Genau hier setzt RIVRs Flaggschiff „RIVR TWO“ an.

Das hybride Design erlaubt es, auf flachem Boden zu rollen und bei Hindernissen in einen Geh- oder Klettermodus zu wechseln. Technische Spezifikationen aus Feldtests in Austin, Texas, zeigen: Die Roboter nutzen hochentwickelte Sensorik und Computervision, um ihre Umgebung in Echtzeit zu kartieren. So können sie sich auf zwei Beine aufrichten, um Klingeln zu betätigen oder Pakete mit speziellen Greifern zu manipulieren.

Die Integration von „Physical AI“ bedeutet, dass die Maschinen aus physischen Interaktionen lernen. Ihre Fähigkeit, Hindernisse wie Spielzeug, Haustiere oder Gartenmöbel zu umgehen, verbessert sich so ohne menschliches Zutun.

Analysten sehen darin den Versuch, die physische Belastung der Zusteller zu reduzieren. Interne Dokumente betonen: Die Roboter sollen als „robotische Begleiter“ fungieren, nicht als Ersatz für Menschen. Fahrer könnten ihnen repetitive, kurze Strecken vom Wagen zur Tür überlassen. Das würde die Auslieferungen pro Stunde erhöhen und arbeitsbedingte Verletzungen verringern.

Rollout über Partner: Die Strategie für deutsche Zusteller

Die Einführung der Technologie soll über Amazons riesiges Netzwerk von Delivery Service Partners (DSPs), also Dritt-Zustelldiensten, erfolgen. In einer Mitteilung an diese Partner vom 19. März erklärte Amazon, man wolle testen, wie sich Robotik nahtlos in den täglichen Betrieb integrieren lässt. Die Technologie habe das Potenzial, die Sicherheit und das Kundenerlebnis zu verbessern.

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Dieser kooperative Ansatz unterscheidet sich von früheren Konzepten fahrerloser Lieferwagen. Stattdessen sieht das aktuelle Modell elektrische Lieferfahrzeuge mit menschlichen Fahrern vor, die einen oder mehrere RIVR-Einheiten transportieren. An einem Auslieferungs-Cluster angekommen, kann der Fahrer die Roboter für mehrere nahegelegene Adressen gleichzeitig einsetzen. Dieses „Hub-and-Spoke“-Modell maximiert die Effizienz des Fahrers, der für die übergeordnete Navigation und komplexe Kundeninteraktionen verantwortlich bleibt.

Schweiz als KI-Hub: Ein Standortvorteil für Amazon

Das Geschäft unterstreicht auch die wachsende Bedeutung der Schweiz als globales Zentrum für Robotik und KI. RIVR ging aus dem Robotics Systems Lab der ETH Zürich hervor. Amazon hat signalisiert, den Forschungsstandort Zürich zu erhalten und möglicherweise auszubauen. Dies folgt einem Trend: Der Konzern investiert vermehrt in Schweizer Innovation, zuletzt etwa in das Start-up Algorized, das Bewegungserkennungstechnologie entwickelt.

Wettbewerbsvorteil im harten Rennen um die autonome Lieferung

Die Übernahme erfolgt vor dem Hintergrund eines verschärften Wettbewerbs. Konkurrenten wie Walmart und FedEx erkunden ebenfalls robotische Lösungen. Spezialfirmen wie Serve Robotics und Starship Technologies haben kürzlich große Einzelhandelspartnerschaften gesichert. Amazons Schritt, einen Experten für Laufroboter zu kaufen, deutet jedoch auf eine Wette hin: Man setzt auf eine vielseitigere, wenn auch technisch komplexere Lösung, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Die Marktreaktionen sind überwiegend positiv. Analysten verweisen auf Amazons robuste Finanzlage, die solche High-Tech-Investitionen trotz konjunktureller Schwankungen erlaubt. Das Unternehmen hatte zuletzt eine deutliche Effizienzsteigerung in der Logistik nach einer umfassenden Regionalisierung seines Logistiknetzes gemeldet. Indem es die „letzte Meile“ zu einem „letzten Minuten“-Sprint verkürzt, positioniert sich Amazon, Ultra-Schnelllieferungen innerhalb einer Stunde zum neuen Industriestandard zu machen.

Doch die zunehmende Automatisierung wirft weiter Fragen zur Zukunft der Arbeitsplätze auf. Amazon betont, die Roboter dienten der Sicherheit und Vereinfachung von Prozessen. Arbeitsvertreter befürchten eine Abwertung der Zustellerrollen. Das Unternehmen kontert: KI sei nicht der Haupttreiber für Personalanpassungen, sondern ein Werkzeug, um das massive Wachstum des globalen E-Commerce zu bewältigen. 2025 lieferte Amazon über 5,9 Milliarden Pakete aus.

Ausblick: Wann rollen und laufen die Roboter bei uns?

Die Integration der RIVR-Technologie soll noch 2026 in eine breitere Pilotphase gehen. Vor der Übernahme hatte RIVR das Ziel, seine Flotte auf mindestens 100 Roboter für den kommerziellen Einsatz zu vergrößern. Mit Amazons Ressourcen könnte dieser Zeitplan deutlich beschleunigt werden.

Die nächsten Schritte umfassen umfangreiche Tests in verschiedenen Klimazonen und Stadtlandschaften. Zudem erfordert der Einsatz eine Abstimmung mit Kommunen über Gehweg-Rechte und Sicherheitsvorschriften.

Mit der Übernahme von RIVR sendet Amazon ein klares Signal: Spezialrobotik ist der Eckpfeiler der Logistik der Zukunft. Sollte die Strategie aufgehen, könnte das Bild eines vierbeinigen „Roboter-Begleiters“ auf der Haustreppe bald auch in deutschen Vorstädten zum Alltag gehören.

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