AMD Aktie: 5-Milliarden-Investment bei Anthropic
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 14:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Advanced Micro Devices steckt mitten in einem der widersprĂŒchlichsten Momente seiner jĂŒngeren Geschichte. WĂ€hrend der Chipkonzern in dieser Woche gleich mehrere milliardenschwere InfrastrukturvertrĂ€ge verkĂŒndet, wird die Aktie von einem branchenweiten Ausverkauf bei Technologiewerten erfasst. Am kommenden Dienstag, dem 4. August, legt AMD seine Zahlen fĂŒr das zweite Quartal vor â ein Termin, dem Anleger nach den Turbulenzen der vergangenen Tage mit besonderer Anspannung entgegensehen.
Core Scientific und Anthropic liefern MilliardenauftrÀge
Den Auftakt machte ein Vertrag mit dem Rechenzentrumsbetreiber Core Scientific: Ăber 15 Jahre sichert sich AMD 529 Megawatt an KI-RechenkapazitĂ€t, verteilt auf fĂŒnf US-Standorte in Texas, Oklahoma, Alabama und Georgia. Das Volumen des Deals liegt bei mehr als 14 Milliarden Dollar an Basisumsatz. AMD least davon 377 Megawatt direkt, weitere 152 Megawatt laufen ĂŒber einen Cloud-Anbieter mit AMD-KreditunterstĂŒtzung. Als Gegenleistung erhĂ€lt der Konzern Optionsscheine auf bis zu 30 Millionen Core-Scientific-Aktien zum Bezugspreis von 23,47 Dollar. Die ersten KapazitĂ€ten sollen im ersten Halbjahr 2027 im texanischen Pecos ans Netz gehen.
Kaum weniger gewichtig ist die Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic: AMD investiert bis zu 5 Milliarden Dollar, im Gegenzug will Anthropic ĂŒber die Helios-Plattform bis zu zwei Gigawatt an AMD-Instinct-MI450-Chips einsetzen, die erste Gigawatt-Tranche bereits im ersten Halbjahr 2027. Beide Seiten wollen zudem an der Optimierung von AMDs ROCm-Software fĂŒr das Sprachmodell Claude zusammenarbeiten. Zusammen mit der bereits im Februar vereinbarten Sechs-Gigawatt-Partnerschaft mit Meta unterstreichen die Deals, dass AMD seinen Marktanteil im GeschĂ€ft mit KI-Beschleunigern ausbauen will â aktuell hĂ€lt der Konzern nach EinschĂ€tzungen von Marktbeobachtern rund 4,5 Prozent dieses Segments gegenĂŒber Nvidias marktbeherrschender Stellung.
Parallel dazu hat AMD die Serienfertigung seiner neuen EPYC-âVeniceâ-Serverprozessoren gestartet, erstmals gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren bei TSMC in Taiwan und Arizona. Zudem meldete das Unternehmen den Abschluss zweier AbsichtserklĂ€rungen mit SĂŒdkorea zum Ausbau der dortigen Halbleiter-Infrastruktur.
Kursverfall trotz RekordgeschÀften
Die operative Dynamik hat die Aktie zuletzt jedoch nicht stĂŒtzen können. Die AMD-Aktie notiert aktuell bei 403,80 Euro und legt am heutigen Mittwoch um 1,05 Prozent zu, nachdem sie in den vergangenen sieben Handelstagen um 16,56 Prozent eingebrochen war. Zum 52-Wochen-Hoch von 511,70 Euro klafft damit weiterhin eine LĂŒcke von gut 21 Prozent. Auslöser war ein sektorweiter Ausverkauf: Der Philadelphia Semiconductor Index verlor binnen eines Monats rund ein Viertel seines Wertes, der Nasdaq-100 rutschte in eine technische Korrektur. Investoren zeigten sich zunehmend nervös wegen der explodierenden Schuldenlast der groĂen Technologiekonzerne fĂŒr den Ausbau von Rechenzentren â Alphabet etwa wies im zweiten Quartal erstmals einen negativen operativen Cashflow aus, nachdem der Konzern seine Investitionsprognose auf bis zu 205 Milliarden Dollar angehoben hatte. Auch InsiderverkĂ€ufe bei AMD, unter anderem durch Firmenchefin Lisa Su, wurden von Beobachtern registriert, ohne dass sich daraus bislang ein klares Signal ableiten lieĂe.
Analysten bleiben trotz VolatilitÀt optimistisch
Trotz des Kursrutsches halten die meisten AnalysehĂ€user an ihrer positiven EinschĂ€tzung fest. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh bekrĂ€ftigte seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel auf 625 Dollar. Goldman Sachs bewertet die Aktie ebenfalls mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 640 Dollar. Von insgesamt 45 erfassten Analysten votieren 35 fĂŒr âStrong Buyâ, das mittlere Kursziel liegt bei rund 577 Dollar. FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr wird ein Gewinn je Aktie von 6,27 Dollar erwartet, ein Anstieg von rund 92 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.
FĂŒr das zweite Quartal rechnet der Konsens mit einem Umsatz von 11,30 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 1,61 Dollar â nach einem ersten Quartal, in dem AMD mit 10,25 Milliarden Dollar Umsatz und 1,37 Dollar Gewinn je Aktie die Erwartungen ĂŒbertroffen hatte. OptionsmĂ€rkte preisen fĂŒr den Tag nach den Zahlen eine Kursschwankung von mehr als zwölf Prozent ein â ein Hinweis darauf, wie unsicher Anleger die Lage trotz der milliardenschweren AuftrĂ€ge derzeit einschĂ€tzen.
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