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POLITIK: Amnesty wirft Israel gezielte Annexion im Westjordanland vor

10.06.2026 - 11:44:21 | dpa.de

Amnesty International wirft der israelischen Regierung in einem neuen Bericht vor, die formelle Annexion des besetzten Westjordanlands zu einem erklÀrten Politikziel gemacht zu haben.

"In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben die israelischen Behörden eine staatlich unterstĂŒtzte Kampagne ethnischer SĂ€uberung im Westjordanland beschleunigt, palĂ€stinensische Gemeinschaften entwurzelt, enteignet und zwangsweise umgesiedelt", sagte die GeneralsekretĂ€rin der Menschenrechtsorganisation, AgnĂšs Callamard, einer Mitteilung zufolge.

Laut Amnesty sind die Übergriffe nicht das Werk einzelner TĂ€ter. "Siedler*innengewalt ist ein zentraler Bestandteil einer staatlich gebilligten Kampagne ethnischer SĂ€uberung und wesentlich fĂŒr die Aufrechterhaltung des israelischen Systems der Apartheid", so die Organisation.

Amnesty: Israels Regierung duldet Angriffe

Bereits im MĂ€rz hatte ein Bericht des UN-MenschenrechtsbĂŒros vor Kriegsverbrechen im Westjordanland gewarnt. Die deutlich ausgeweiteten SiedleraktivitĂ€ten deuteten demnach auf koordinierte Aktionen und eine Politik der Massenvertreibungen hin.

Amnesty International wirft Israel vor, PalĂ€stinenser gewaltsam von ihrem Land verdrĂ€ngt, ihrer Lebensgrundlagen beraubt und zur Flucht gezwungen zu haben. Die Angriffe wĂŒrden von der Regierung "offen geduldet und aktiv erleichtert".

Callamard kritisierte zudem die internationale Gemeinschaft als "mitschuldig oder viel zu passiv" mit Blick auf wiederholte VerstĂ¶ĂŸe Israels gegen das Völkerrecht. "Sie muss deutlich signalisieren, dass die Zeit stillschweigender Duldung der ethnischen SĂ€uberung und Annexion durch Israel vorbei ist."

Alle Siedlungen illegal aus internationaler Sicht

Israel eroberte 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem, wo heute mehr als 700.000 Siedler inmitten von rund drei Millionen PalĂ€stinensern leben. Die PalĂ€stinenser beanspruchen diese Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung entstanden sind, und Außenposten, die mitunter per Gesetz rĂŒckwirkend legalisiert werden. Aus internationaler Sicht sind dagegen alle Siedlungen illegal.

Die Vereinten Nationen sehen die Siedlungen als Hindernis fĂŒr eine Zweistaatenlösung, bei der Israel und ein unabhĂ€ngiger PalĂ€stinenserstaat friedlich nebeneinander bestehen wĂŒrden. Israels Regierung lehnt dies ab.

Seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem folgenden Gaza-Krieg hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser und deren Besitz im besetzten Westjordanland deutlich zugenommen.

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