Andritz Aktie: 164 Megawatt für McCormick-Kraftwerk
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 04:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der österreichische Anlagenbauer Andritz war in den letzten 48 Stunden ungewöhnlich aktiv. Gleich drei Projekterfolge meldete das Unternehmen – von Kanada bis Kolumbien, vom Wasserkraftwerk bis zur Wasserstoff-Anlage. Die operative Maschine läuft rund.
Doch der Aktienkurs zeigt ein anderes Bild. Er notiert bei 72,70 Euro und damit 3,96 Prozent unter dem Niveau der Vorwoche. Die allgemeine Marktschwäche drückt – die positiven Nachrichten aus dem operativen Geschäft verpuffen vorerst.
Leistungssprung in Québec
In Kanada modernisiert Andritz das McCormick-Wasserkraftwerk in Baie-Comeau. Das Projekt umfasst die Erneuerung der Einheiten 6 und 7. Die Leistung steigt von 122 auf 164 Megawatt – ein Zuwachs von rund 35 Prozent. Den Auftrag verbuchte der Konzern bereits im zweiten Quartal 2026. Das genaue Volumen bleibt unter Verschluss.
Der Erfolg festigt die Position von Andritz im kanadischen Wasserkraftmarkt. Dort fließen derzeit hohe Investitionen in die Dekarbonisierung und Kapazitätserweiterung.
Premiere in Kolumbien
Parallel dazu erschließt Andritz einen neuen Markt. Für den Kunden Enlaza (Grupo Energía Bogotá) liefert das Unternehmen fünf rotierende Phasenschieber nach Kolumbien. Es sind die ersten Anlagen dieser Art im Land.
Die Technologie stabilisiert Stromnetze. Das wird wichtiger, je mehr Wind- und Solarkraft schwankend einspeisen. Auftraggeber Enlaza will damit vor allem die Karibikregion Kolumbiens besser an das Netz anbinden.
Wasserstoff: Spatenstich in Oberösterreich
Auch auf dem Heimatmarkt tut sich etwas. Am 8. Juli 2026 fand der Spatenstich für Österreichs größte Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff statt. Standort: Gampern in Oberösterreich.
Andritz fungiert als EPC-Partner für die RAG Austria. Die Anlage hat eine Elektrolyseleistung von 12,5 MW und soll pro Jahr rund 1.500 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Der Betriebsstart ist für Ende 2026 geplant. Die Energie AG, Salzburg AG und EVN haben sich bereits Kapazitäten gesichert.
Rekord-Auftragsbestand, schwacher Kurs
Die Aktie notiert 4,44 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 76,08 Euro. Der RSI von 39,7 deutet auf eine neutrale bis leicht überverkaufte Lage hin. Die Marktkapitalisierung liegt bei 7,06 Milliarden Euro.
Das 52-Wochen-Hoch von 80,50 Euro aus Mitte Juni ist nur 9,69 Prozent entfernt – ebenso wie das Jahrestief von 57,80 Euro aus dem März. Der Markt signalisiert: Unsicherheit. Die Auftragsbücher sind voll, die strukturelle Nachfrage nach nachhaltigen Industrielösungen wächst. Bis zum zweiten Quartal 2027 läuft etwa die Modernisierung von Elektrofiltern für Suzano in Brasilien – Umsatzvisibilität für Jahre.
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