'Der Iran will verhandeln'
12.01.2026 - 06:00:06 | dpa.de"Der Iran will verhandeln", sagte er an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One vor Journalisten. Man werde sich vielleicht mit Vertretern des Irans treffen, ein Treffen werde vorbereitet. Angesichts dessen, was im Iran passiere, mĂŒssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln, warnte Trump mit Blick auf die andauernden Proteste. WorĂŒber der Iran mit den USA GesprĂ€che fĂŒhren möchte, fĂŒhrte er nicht aus.
Trump erwĂ€gt, die Demonstranten im Iran mit Satelliteninternet zu unterstĂŒtzen. Er wollte noch am Sonntag (Ortszeit) mit Tech-MilliardĂ€r Elon Musk telefonieren, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt. Irans StaatsfĂŒhrung hat den Internetzugang fast vollstĂ€ndig gesperrt, auch Telefonverbindungen schienen teils nicht mehr zu funktionieren. Damit will sie die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Zudem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos ĂŒber die Massenproteste so unterdrĂŒckt werden.
"Der Iran hat angerufen, sie wollen verhandeln", sagte Trump. Sie seien es leid, von den USA geschlagen zu werden, sagte er - wohl mit Blick auf die israelischen Angriffe auf das iranische Nuklearprogramm, an denen sich im vergangenen Jahr auch das US-MilitĂ€r beteiligt hatte. Eine Journalistin hatte Trump im Flugzeug zunĂ€chst gefragt, ob der Iran möglicherweise erneut mit den USA ĂŒber sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln wolle. Im Anschluss fragte die Reporterin allerdings allgemein danach, ob der Iran verhandeln wolle.
Aufruf zu weitergehenden Protesten
Derweil rief Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestĂŒrzten Schahs, in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung zur nĂ€chsten Phase des Aufstands auf, "um die Islamische Republik zu stĂŒrzen". Neben der Besetzung zentraler StraĂen in StĂ€dten seien jetzt auch alle Institutionen, die fĂŒr die Staatspropaganda und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, "legitime Ziele", erklĂ€rte Pahlavi auf der Onlineplattform X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, inwieweit man im Iran seine Forderungen zu sehen bekommt.
Aus seinem Exil in den USA beansprucht er eine FĂŒhrungsrolle in der Opposition. Wie viel UnterstĂŒtzung er im Iran tatsĂ€chlich hat, ist unklar.
"Die StraĂen sind voller Blut"
Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 StĂ€dte ausgeweitet. 483 Demonstranten seien getötet worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Insgesamt seien bisher 544 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder sowie 47 SicherheitskrĂ€fte. Rund 10.700 Menschen seien festgenommen worden, hieĂ es weiter. Die Angaben der Organisation lieĂen sich unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒfen.
Der britische Sender BBC zitierte eine Quelle in Teheran am Sonntag mit den Worten: "Die Lage hier ist sehr, sehr schlimm". Die SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten mit scharfer Munition geschossen. "Es ist wie in einem Kriegsgebiet, die StraĂen sind voller Blut. Sie transportieren die Leichen in Lastwagen ab", hieĂ es. Auch diese Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen.
Guterres fordert Ende der Gewalt
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres forderte ein Ende der staatlichen Gewalt gegen die Demonstranten. Er sei "schockiert" angesichts der Berichte ĂŒber die Gewalt, schrieb er auf X und forderte "maximale ZurĂŒckhaltung" der SicherheitskrĂ€fte. EU-ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola ermunterte die Demonstranten, die Proteste fortzusetzen. "An die mutigen MĂ€dchen, Studenten, MĂ€nner und Frauen auf den StraĂen: Das ist eure Zeit", schrieb sie in sozialen Medien. Sie rief die StaatsfĂŒhrung auf, den Kurswechsel einzuleiten.
Irans ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf warf zuvor der Protestbewegung vor, eine Grundlage fĂŒr eine MilitĂ€rintervention der USA schaffen zu wollen. Die "Feinde" mĂŒssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten wĂŒrden, sagte er laut Ăbersetzung des Propagandakanals Press TV. US-PrĂ€sident Trump hatte Teheran wiederholt vor der Tötung von Demonstranten gewarnt. Laut US-Medien erwĂ€gt er, den Iran wegen der UnterdrĂŒckung der Massenproteste anzugreifen.
Bericht: US-Regierung berÀt Optionen gegen Iran
Nach Informationen des "Wall Street Journal" ist am Dienstag ein Treffen mit ranghohen Beamten geplant. Dabei soll es um mögliche Optionen gehen, darunter die StĂ€rkung regierungsfeindlicher Online-Quellen, der Einsatz von Cyberwaffen gegen iranische MilitĂ€r- und Zivilstandorte sowie weitere Sanktionen gegen die StaatsfĂŒhrung und MilitĂ€rschlĂ€ge. Es wird aber nicht erwartet, dass Trump bei dem Treffen eine endgĂŒltige Entscheidung trifft.
Pahlavi rief derweil auf auĂerdem dazu auf, auĂerhalb des Irans an allen iranischen Botschaften und Konsulaten die "schĂ€ndliche Flagge der Islamischen Republik" gegen die alte Flagge auszutauschen, die zuletzt wĂ€hrend der Herrschaft seines Vaters Schah Mohammed Reza Pahlavi genutzt worden war. Dessen prowestliche Monarchie wurde 1979 durch eine islamische Revolution gestĂŒrzt. Der Schah verlieĂ das Land mit seiner Familie und starb im Ausland.
Die alte Flagge war eine grĂŒn-weiĂ-rote Trikolore mit einem Löwen und der Sonne in der Mitte, einem historischen Symbol Persiens. Die ebenfalls grĂŒn-weiĂ-rote Flagge der Islamischen Republik weist in der Mitte ein rotes Emblem auf, das stilisiert das arabische Wort "Allah" (Gott) darstellt. Entlang der ĂbergĂ€nge zwischen GrĂŒn und WeiĂ sowie zwischen WeiĂ und Rot steht der Ausdruck "Allahu Akbar" (Gott ist am gröĂten) in weiĂer kufischer Schrift.
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