GESAMT-ROUNDUP, Trump

GESAMT-ROUNDUP 2: Trump sucht beim Nato-Gipfel die Konfrontation

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 16:14 Uhr, dpa.de

ANKARA - Scharfe Attacken gegen VerbĂŒndete und ein erneuter Griff nach Grönland: US-PrĂ€sident Donald Trump hat beim Nato-Gipfel in Ankara die Hoffnung der EuropĂ€er auf ein geschlossenes Auftreten enttĂ€uscht.

(neu: GipfelerklĂ€rung beschlossen; Trump-Äußerung zum Iran)

ANKARA (dpa-AFX) - Scharfe Attacken gegen VerbĂŒndete und ein erneuter Griff nach Grönland: US-PrĂ€sident Donald Trump hat beim Nato-Gipfel in Ankara die Hoffnung der EuropĂ€er auf ein geschlossenes Auftreten enttĂ€uscht. Trump kĂŒndigte am Rande des Treffens an, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender UnterstĂŒtzung im Iran-Krieg zu beenden. Auch Deutschland zĂ€hlte er wieder zu den LĂ€ndern, die die USA im Stich gelassen hĂ€tten.

Und dann kam es wĂ€hrend des Gipfels auch noch zur neuen Eskalation in dem Krieg, den viele europĂ€ische VerbĂŒndete kritisch sehen. Bei einem Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte sagte Trump, dass die Waffenruhe mit dem Iran aus seiner Sicht beendet sei, schloss die TĂŒr fĂŒr weitere Verhandlungen jedoch nicht ganz.

Der Super-GAU blieb immerhin aus. Trump reiste weder vorzeitig ab, noch legte er ein Veto gegen die Veröffentlichung der AbschlusserklÀrung ab, in der die Alliierten sich Beistand im Fall eines Angriffs versichern.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich das Signal des Gipfels aber anders vorgestellt. Wenige Stunden vor dem Wutausbruch Trumps hatte er erneut den guten "Geist von Ankara" beschworen. "Ich bin mir sicher, dass wir von Ankara aus einen neuen Geist in der Nato haben werden, der die Nato stÀrker, der die Nato geschlossener macht."

Trump ĂŒber den Iran: "Sie sind Abschaum"

Daraus wurde nichts. Das Wiederaufflammen des Krieges gegen den Iran kann auch zu einer neuen Belastung des BĂŒndnisses fĂŒhren. Die EuropĂ€er haben mit ihrer Ablehnung des Krieges den Zorn Trumps auf sich gezogen. Beim G7-Gipfel westlicher WirtschaftsmĂ€chte im Juni hatte das Rahmenabkommen fĂŒr ein Kriegsende zwischen Washington und Teheran EuropĂ€er und Amerikaner noch zusammengeschweißt.

Nun jedoch steht die Frage im Raum, ob der Waffenstillstand ĂŒberhaupt noch existiert. "Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum", wetterte Trump auf eine Frage nach der Waffenruhe gegen Teheran. Und er kĂŒndigte weitere Angriffe an. "Wir werden sie höchstwahrscheinlich auch heute Nacht wieder hart treffen."

Das US-MilitĂ€r hatte in der Nacht zuvor als Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus Dutzende Ziele im Iran bombardiert. Der Krieg der USA gegen den Iran war von vielen europĂ€ischen VerbĂŒndeten schon in der frĂŒhen Phase kritisiert worden, auch wenn sie das Ziel teilen, dass der Iran keine Atomwaffen produzieren darf.

Trump ĂŒber Spanien: "Ein furchtbarer Partner"

Spanien und Italien verweigerten die Nutzung von MilitĂ€rbasen. Spanien war bei Trump schon vorher verschrien, weil MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez das vor einem Jahr beschlossene Nato-Ziel, fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fĂŒr Verteidigung auszugeben, nicht einhalten will.

"Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht", sagte Trump bei seinem Treffen mit Rutte. "Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben."

Rutte widerspricht "Daddy"

Das ging selbst Rutte zu weit, der als Trump-Versteher Nummer eins unter den EuropÀern gilt. Seine BesÀnftigungsversuche sind legendÀr, beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag nannte der Nato-GeneralsekretÀr Trump sogar "Daddy".

In Ankara gab er ihm ungewöhnlicherweise Widerworte, fiel ihm sogar ins Wort. 5.000 Flugzeuge seien zur UnterstĂŒtzung der US-Offensive gegen den Iran aus Europa abgehoben, sagte er. Damit bezog er sich auf Starts der US-Luftwaffe, insbesondere von US-amerikanischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkten wie Ramstein in Rheinland-Pfalz.

Trump beklagte daraufhin, dass nicht alle VerbĂŒndeten die Nutzung von US-Basen auf ihrem Territorium fĂŒr Angriffe gegen den Iran erlaubt hĂ€tten. "5.000 ist .", setzte Trump an, nur um von Rutte unterbrochen zu werden: "gewaltig", sagte der Nato-Chef.

Anderer Trump hinter verschlossenen TĂŒren

Auch das Thema Grönland warf Trump auf offener BĂŒhne erneut auf, er bekrĂ€ftigte seinen Anspruch auf die Insel, die zum Königreich DĂ€nemark gehört - ebenfalls ein Nato-Partner.

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen trat er hinter verschlossenen TĂŒren beim Gipfel allerdings ganz anders auf, "in keiner Weise vorwurfsvoll", wie es hieß. Grönland sei kein Thema gewesen, Spanien auch nicht. Der öffentliche Auftritt stehe "in einem gewissen Kontrast" zum internen.

Ehepaar Merz plaudert mit Trump beim Prunk-Dinner

Die ersten Eilmeldungen zu den Iran-Bombardements der USA liefen kurz nach einem prunkvollen Dinner zum Gipfelauftakt im Palast des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdo?an. Dabei saß das Ehepaar Merz - der Kanzler wird in Ankara von seiner Frau Charlotte begleitet - direkt neben Trump. Die AtmosphĂ€re sei "angeregt und freundlich" gewesen, hieß es aus Regierungskreisen. Die drei hĂ€tten sich "weitgehend den gesamten Abend" ĂŒber politische und private Themen unterhalten. Es gab Seebarsch und Rinderrippchen.

Als Merz am nĂ€chsten Morgen, als die Luftangriffe schon die Nachrichten bestimmten, vor die Kameras trat, verlor er darĂŒber zunĂ€chst kein Wort. Stattdessen beschwor er erneut den "Geist von Ankara". Die Vision von einer Nato, die europĂ€ischer wird, um die Amerikaner an Bord zu halten.

GipfelerklÀrung: "Ein stÀrkeres Europa in einer stÀrkeren Nato"

Ist sie noch realistisch? Optimisten innerhalb des BĂŒndnisses verweisen auf die Entwicklungen im vergangenen Jahr, die beim Gipfel in den Hintergrund rĂŒckten. So haben Deutschland und viele andere europĂ€ische Staaten ihre Verteidigungsausgaben erneut massiv erhöht und deutlich mehr Verantwortung ĂŒbernommen. Die Bundesrepublik liegt mittlerweile mit Ausgaben in Höhe von knapp 125 Milliarden Euro bei einer BIP-Quote von rund 2,7 Prozent und will bereits 2029 - sechs Jahre frĂŒher als von den Alliierten vereinbart - die neuen Nato-Zielvorgaben erreichen. In der militĂ€rischen Kommandostruktur der Nato besetzt Deutschland seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.

Das alles soll es den Amerikanern ermöglichen, frei werdende Mittel und StreitkrĂ€fte fĂŒr einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik zu nutzen. Die Amerikaner sehen mittlerweile nicht mehr Russland, sondern China als Hauptherausforderung fĂŒr ihre eigenen Sicherheitsinteressen.

In der GipfelerklĂ€rung heißt es zum Thema, angestrebt werde "ein stĂ€rkeres Europa in einer stĂ€rkeren Nato - ein modernisiertes BĂŒndnis".

Neue Milliardenzusagen fĂŒr die Ukraine

FĂŒr die USA bedeutet dies auch, dass die EuropĂ€er die Hauptverantwortung fĂŒr die finanzielle und militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine haben. Diese erhielt zum Abschluss des Gipfels ein neues Versprechen fĂŒr milliardenschwere MilitĂ€rhilfen, um ihren Abwehrkampf gegen Russland fortzusetzen. Vorgesehen ist, fĂŒr dieses und nĂ€chstes Jahr eine Mindestfinanzierung von je 70 Milliarden Euro fĂŒr militĂ€rische AusrĂŒstung, UnterstĂŒtzung und Ausbildung bereitzustellen. Insgesamt wĂ€ren das 140 Milliarden Euro.

Gipfel war auch RĂŒstungsbörse

Und dann war der Nato-Gipfel diesmal auch noch etwas anderes als zuvor: Eine große RĂŒstungsbörse. Die Mitgliedstaaten kĂŒndigten neue RĂŒstungsvertrĂ€ge im Umfang von "mehr als 50 Milliarden US-Dollar" (mehr als 43 Mrd. Euro) an. Im Text der AbschlusserklĂ€rung heißt es zudem, man verpflichte sich dazu, die gemeinsamen ProduktionskapazitĂ€ten auszubauen und mit der Industrie zusammenzuarbeiten, um Innovationen zu beschleunigen.

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