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Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 09:07 Uhr | dpa.deAPA ots news: Ölpreisschock unterbricht die Konjunkturerholung - Industrieproduktion steigt entgegen dem Auftragstrend
Wien (APA-ots) - Laut WIFO-Schnellschätzung stagnierte Österreichs Bruttoinlandsprodukt im II. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal ( ±0,0%). Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock unterbrach somit die seit Anfang 2025 beobachtete verhaltene Konjunkturerholung. Wichtige Vorlaufindikatoren hellten sich im Juli zwar spürbar auf, die Nachfragebasis blieb jedoch schmal: Die Industrie weitete ihre Produktion so kräftig aus wie zuletzt Mitte 2022, allerdings schrumpften die Auftragseingänge weiter.
"Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen Preisauftriebs", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Christian Glocker.
Gemäß der WIFO-Schnellschätzung von Ende Juli stagnierte Österreichs Bruttoinlandsprodukt im II. Quartal 2026 (±0,0% gegenüber dem I. Quartal, saison- und kalenderbereinigt), nachdem es in den beiden Vorquartalen jeweils um 0,2% gewachsen war. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich nur noch ein Zuwachs von 0,8%. Die seit Anfang 2025 beobachtete verhaltene Erholung kam damit vorerst zum Erliegen. Ausschlaggebend war der infolge des Iran-Krieges deutlich gestiegene Erdölpreis, der die österreichische Wirtschaft über höhere Energie- und Vorleistungskosten sowie die begleitende Verunsicherung belastete.
Auf der Angebotsseite trat die Industrie, die im I. Quartal noch expandiert hatte, auf der Stelle; im Bauwesen setzte sich der Wertschöpfungsrückgang das fünfte Quartal in Folge fort. In den Dienstleistungen war das Bild uneinheitlich: Den höchsten Zuwachs verzeichneten die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, während die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und die öffentliche Verwaltung i. w. S. Einbußen hinnehmen mussten. Nachfrageseitig stagnierten sowohl die privaten als auch die öffentlichen Konsumausgaben; letztere waren im I. Quartal noch kräftig gewachsen. Der öffentliche Sektor, der die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahren mehrfach gestützt hatte, fiel damit vorerst als Impulsgeber aus. Einzig die Bruttoanlageinvestitionen legten leicht zu; vom Außenhandel kamen kaum Impulse. Auf der Verteilungsseite stiegen sowohl die Lohneinkommen als auch die Kapitaleinkommen, letztere jedoch deutlich kräftiger.
Wichtige Vorlaufindikatoren hellten sich zuletzt abermals auf: Der WIFO-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli gegenüber dem Vormonat, und der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex signalisierte den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der Industrieproduktion. Diese Aufhellung ruht allerdings auf einer schmalen Basis: Der Teilindex zu den Neuaufträgen sank im Juli, jener zu den Exportaufträgen erreichte sogar den tiefsten Wert seit einem Jahr. Die rezente Produktionsausweitung speist sich somit aus der Abarbeitung von Auftragsrückständen und dem vorsorglichen Aufbau der Materiallager, nicht aus zusätzlicher Nachfrage.
Der Preisauftrieb schwächte sich zuletzt ab, allerdings überwiegend aufgrund von Einmaleffekten. Gemäß Schnellschätzung von Statistik Austria notierte der Verbraucherpreisindex im Juli 2026 um 2,7% über dem Vorjahresniveau, nach +3,2% im Juni. Rund die Hälfte des Rückgangs entfiel auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel mit 1. Juli 2026. Die Kerninflation blieb mit 3,1 % hoch, und die Energiepreise zogen sogar etwas kräftiger an als im Vormonat.
Der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Juli weiterhin robust: Die Arbeitslosenquote (nationale Definition) blieb mit 7,6% nahezu unverändert, und die unselbständig aktive Beschäftigung legte weiter zu (beides saisonbereinigt und gegenüber dem Vormonat; vorläufig).
Abbildung 1: Ölpreis und Verkaufspreiserwartungen - auf der WIFO- Website
Zu den Definitionen siehe " Methodische Hinweise und Kurzglossar "
Rückfragehinweis: Rückfragen bitte am Dienstag, dem 11. August 2026, von 10:30 bis 14:00 Uhr, an Mag. Dr. Christian Glocker, MSc, Tel. (1) 798 26 01 - 467, christian.glocker@wifo.ac.at .
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