App-Stores, Konsolidierung

App-Stores in der EU: Konsolidierung nach zwei Jahren DMA

18.04.2026 - 00:09:26 | boerse-global.de

Der Markt für alternative iPhone-App-Stores in der EU konsolidiert sich. Apple ersetzt die Core Technology Fee durch eine Umsatzprovision, während erste Anbieter wie Setapp Mobile aufgeben.

App-Stores in der EU: Konsolidierung nach zwei Jahren DMA - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Der Markt für alternative App-Stores auf dem iPhone in der EU ist nach zwei Jahren Digital Markets Act (DMA) in eine Phase der Konsolidierung eingetreten. Statt des erhofften Wettbewerbsbooms prägen nun regulatorische Grabenkämpfe und komplexe neue Gebührenmodelle das Bild. Während Tech-Giganten wie Apple ihre jüngsten Compliance-Maßnahmen vorlegen, stehen Entwickler vor einer schwierigen Kosten-Nutzen-Rechnung.

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Neues GebĂĽhrenmodell: Von der Installations- zur Umsatzprovision

Anfang 2026 vollzog Apple einen grundlegenden Wechsel bei der Monetarisierung von Dritt-Stores in der EU. Die umstrittene Core Technology Fee (CTF) – eine Pauschale von 50 Cent pro jährlicher Installation nach der ersten Million – wurde abgeschafft. Sie wurde durch die Core Technology Commission (CTC) ersetzt, eine pauschale Umsatzprovision von 5 Prozent auf digitale Güter und Dienstleistungen.

Diese neue Abgabe ist Teil eines mehrschichtigen Gebührengebildes, das Analysten als komplexer denn je beschreiben. Entwickler, die externe Zahlungsmethoden nutzen oder Angebote außerhalb des Stores bewerben, müssen zwischen „Tier 1“- und „Tier 2“-Servicepaketen wählen. Dabei können zusätzlich zur CTC eine Akquisitionsgebühr von 2 Prozent für neue Nutzer und eine Store-Service-Gebühr zwischen 5 und 13 Prozent anfallen.

Marktbeobachter schätzen, dass die Gesamtkosten für Entwickler so auf 10 bis 20 Prozent des Umsatzes steigen können – abhängig vom Service-Level und dem Zeitpunkt der Nutzergewinnung. Apple verteidigt die Struktur als Spiegel des Werts, den seine Entwicklerwerkzeuge und die Plattformsicherheit bieten.

Erste Opfer: Setapp Mobile schlieĂźt seine Tore

Der wirtschaftliche Druck des neuen regulatorischen Umfelds fordert erste Opfer. Am 16. Februar 2026 stellte Setapp Mobile, einer der prominentesten Pioniere unter den Alternativ-Stores, den Betrieb ein. Das Unternehmen nannte die sich ständig wandelnden und komplexen Geschäftsbedingungen Apples als Hauptgrund. Das „Netflix für Apps“-Modell mit Abo-Apps hatte sich mit nur etwa 50 Programmen im Katalog nicht durchsetzen können.

Das Ausscheiden von Setapp hinterlässt ein schlankeres Feld von Konkurrenten. Dazu zählen der Epic Games Store, Aptoide und AltStore PAL. Letzterer treibt seine Internationalisierung voran: Ein Update vom 18. März 2026 verbesserte die japanische Lokalisierung, was auf ähnliche Gesetzesvorhaben in Japan und anderen Regionen abzielt.

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Anhaltender Machtkampf mit BrĂĽssel

Das Verhältnis zwischen Apple und der EU-Kommission bleibt angespannt. Am 9. März reichten die als „Gatekeeper“ eingestuften Konzerne – darunter Apple, Alphabet und Meta – ihre neuesten Compliance-Berichte ein. Die Kommission prüft nun, ob die Gebührenumstellung und technischen Anpassungen die Ziele des DMA tatsächlich erfüllen.

Die Behörde geht bereits hart vor: Im April 2025 verhängte sie eine Geldbuße von 500 Millionen Euro gegen Apple, weil das Unternehmen sein System nicht angemessen für Alternativen geöffnet habe. Zwar schloss die Kommission eine Untersuchung zur Browser-Auswahl, doch sie behält die sogenannten „Steering“-Regeln im Blick, die beschränken, wie Entwickler auf externe Zahlungsmethoden hinweisen dürfen.

Nutzer bleiben skeptisch trotz legaler Wege

Der größte Hemmschuh für den Wettbewerb könnte die Skepsis der Nutzer sein. Viele iPhone-Besitzer in Europa wissen nichts von der Möglichkeit alternativer Stores oder schrecken vor den technischen Hürden zurück. Zwar hat Apple die Installation mit neueren iOS-Versionen vereinfacht, doch der Prozess bleibt umständlich.

Die Installation aus einem Dritt-Store erfordert immer noch mehrere Schritte: Besuch der Store-Website, Autorisierung in den Einstellungen und das Bestätigen von Sicherheitswarnungen. Apple verteidigt diese „Notarisierung“ als notwendig für den Schutz vor Schadsoftware. Kritiker sehen darin jedoch abschreckende „Angst-Bildschirme“, die gezielt den Verbleib im hauseigenen App Store fördern sollen.

Blaupause für die Welt – mit ungewissem Ausgang

Das EU-Experiment dient inzwischen als Blaupause für andere Länder. Japan und das Vereinigte Königreich wollen ähnliche Gesetze noch 2026 bzw. 2027 in Kraft setzen. Unternehmen wie Epic Games planen bereits, ihre europäischen Store-Erfahrungen in diese Märkte zu exportieren.

Für die EU selbst bleibt die Frage: Wird die aktuelle Zwei-Klassen-Gesellschaft – der integrierte offizielle Store hier, Nischen-Anbieter für Gamer und kostensensible Entwickler dort – zu einem lebendigen Wettbewerbsmarkt führen? Oder ist weitere Marktbereinigung unausweichlich? Die Antwort wird die digitale Politik Europas noch lange beschäftigen.

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